Höhenfeuer brannten gestern Nacht in 38 Baselbieter Gemeinden. Gezündet wurden sie vom Komitee Pro Baselbiet als flammendes Bekenntnis für einen eigenständigen Landkanton. Doch aufgebaut wurden die Scheiterhaufen teilweise von Staatsangestellten. In Frenkendorf haben Mitarbeiter des Werkhofs die Vorarbeit übernommen. Während ihrer Arbeitszeit schichteten die Gemeindemitarbeiter das Holz auf. Die Organisation des Frenkendörfer Höhenfeuers hat der für die Finanzen zuständige FDP-Gemeinderat Roger Gradl übernommen. Er sagt, dass die Zusammenarbeit mit den Männern des Werkhofs zufällig zustande gekommen sei: «Sie boten ihre Mitarbeit an, weil sie gerade Zeit hatten.»

Eine andere Version erzählt der Frenkendörfer SVP-Gemeindepräsident Rolf Schweizer. Er sagt, dass die Werkhofmitarbeiter aus Sicherheitsgründen aufgeboten worden seien: «Damit nichts schiefläuft, machen wir es in Eigenregie. Es sind die gleichen Leute, die das 1. -August- und das Fasnachtsfeuer aufbauen.» Hinzu käme ein finanzieller Grund: «Die Gemeinde hat unbehandeltes Altholz, Baumschnitt, das wir mit der Grünabfuhr hätten entsorgen müssen. Wenn wir dieses mit dem Höhenfeuer loswerden, sparen wir Geld.»

Mit beiden Argumenten begibt sich der Gemeindepräsident auf heisses Terrain. Denn es ist nicht erlaubt, das Material der Grünabfuhr zu verbrennen. Gemeinderatskollege Gradl bestätigt, dass man nur normales Brennholz verwenden dürfe. Er behauptet deshalb, dass die Gemeinde im Höhenfeuer kein Grüngut entsorgte. Er irrt sich, wie das Foto der «Schweiz am Sonntag» belegt. Auch die erwähnten Sicherheitsgründe könnten sich in Rauch auflösen angesichts Dutzender Höhenfeuer, die gestern Nacht ohne Mitarbeit der Gemeinden sicher niederbrannten.

Die Gemeindepolitiker von Frenkendorf können sich immerhin damit trösten, dass sich selbst die linken Fusionsbefürworter am Höhenfeuer die Finger verbrannt haben. Der von der Linkspartei Frischluft geprägte Arlesheimer Gemeinderat geriet politisch in Atemnot, als er öffentlich erklären musste, dass er einem Höhenfeuer auf gemeindeeigenem Boden die Bewilligung verweigert hatte mit der Begründung, dass es sich um eine «politische Aktion» handle.

Sollten die Fusionsbefürworter nach der gestrigen Aktion nun auch auf die Idee kommen, selber mit Höhenfeuern die auf Sparflamme flackernde Fusionsdebatte doch noch zu entfachen, könnten sie in der Anti-Fusions-Hochburg Frenkendorf beginnen. Gemeindepräsident Schweizer sagt, dass man grundsätzlich alle politischen demokratischen Aktivitäten im Dorf unterstütze: «Wir hätten auch die Fusionsbefürworter unterstützt, wenn sie mit einem ähnlichen Anliegen auf uns zugekommen wären.»

Doch die Fusionsbefürworter vom Komitee «Ein Basel» haben die Arbeitskraft von Werkhofmitarbeitern ohnehin nicht nötig, da sie dank der Handelskammer beider Basel (HKBB) und dem Reinacher Unternehmer Klaus Endress über ein grösseres Budget als ihre Gegner verfügen. Es sei doppelt so gross, schätzt Pro-Baselbiet-Sprecher Oskar Kämpfer. Endress schweigt auf Anfrage. HKBB-Direktor Franz Saladin sagt: «Ja, wir finanzieren einen Teil der Kampagne, den Betrag nennen wir jedoch nicht.» Ein-Basel-Sprecher Klaus Kirchmayr sagt, dass man beschlossen habe, den Betrag des Kampagnenbudgets nicht zu kommunizieren: «Wir haben mit unseren Geldgebern Vertraulichkeit vereinbart.»

Transparenz schafft dafür Kämpfer. Sein Komitee verfüge über ein Budget von 40 000 Franken, sagt er auf Anfrage. Normalerweise ist die Konstellation umgekehrt: Üblich ist, dass die Baselbieter Bürgerlichen das grössere Budget haben und den Betrag geheim halten, während sich die Linken mit Transparenz brüsten und ihren bescheidenen Betrag bekannt geben. Dass die Mitte-Links-Allianz in diesem Fall ihr Budget geheim hält, überrascht Kämpfer nicht: «Wenn man nur zwei oder drei Geldgeber hat, gibt man das Budget weniger gerne bekannt.» Das Komitee Pro Baselbiet hingegen verfüge über viele kleine Spenden. Eine Zahl nennen allerdings beide Komitees: die Anzahl Plakate. 1200 werben in den beiden Halbkantonen für die Fusion, 1000 dagegen. Dass die Handelskammer als einziger Wirtschaftsverband die Fusionsbefürworter mitfinanziert, kommt bei Baselbieter Bürgerlichen schlecht an. Kämpfer: «Ich kenne zwei Betriebe, die deshalb ihren Austritt gegeben haben.»

Die Höhenfeuer sind im 40 000-fränkigen Budget nicht inbegriffen, da sie allesamt dank Holzspenden und unbezahlter Arbeit zustande kamen.

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