Alles ist neu bei «Telebasel». Dies verkünden zahlreiche Plakatstellen. Und seit Donnerstag ist der Basler Lokalfernsehsender auf dem Bildschirm tatsächlich nicht mehr wiederzuerkennen, zumindest nicht auf den ersten Blick. Sind das neue Studio, die überhasteten Schnitte zwischen den Beiträgen und die neue Programmstruktur aber erst einmal als modische Neuerungen erkannt, taucht dahinter der bekannte Sender mit seinen bekannten Gesichtern und den bekannten Inhalten wieder auf. Alles in allem ist «Telebasel» weiterhin mehr vertraut als neu.

Die eigentliche Revolution liegt denn auch schon einige Jahre zurück. Sie erfolgte schrittweise und unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung.

Die Vorbedingung schuf der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP), als er 2012 das Präsidium der damaligen Stiftung Kabelnetz an Roger Thiriet abtrat. Wie aus dem Protokoll der damaligen Generalversammlung hervorgeht, verband Brutschin mit dem Rücktritt keine spezifische Absicht; er wollte sich einfach eines Amtes entledigen, das mit Sitzungen verbunden war und in dem er «ohnehin nicht viel bewirken» könne. Damit war aber der Weg frei für eine vollständige Neupositionierung.

Die Statutenrevision, die im Oktober 2013 amtlich wurde, stellte dann das Bestehende auf den Kopf. Zuvor war es Aufgabe der Stiftung, das ihr 1988 vom Kanton anvertraute Kabelnetz zu verwalten. Die ihr durch den Betreiber Cablecom zufliessenden Mittel steckte sie in die Produktion eines Lokalsenders. Der Stiftungsrat mit bis zu 32 Mitgliedern sollte alle gesellschaftlichen Kreise repräsentieren. Seit der Revision hat die Stiftung zum Zweck, «die regionale Meinungsvielfalt und Zusammengehörigkeit zu fördern». Der Stiftungsrat wurde verkleinert und auf den eigentlichen Zweck fokussiert: den Umbau von Telebasel zu einem Unternehmen. Folgerichtig heisst die Stiftung seither Telebasel.

Die Absicht liess auf ökonomischen Weitblick schliessen: 2027 wird die Stiftung als Eigentümerin des bis dann ohnehin überholten und überflüssigen Kabelnetzes zum letzten Mal Geld erhalten. Ohne Neukonzeption wäre dann eine Liquidation der Stiftung angesagt. Der Umbau kann allerdings auch als ein ideologisch aufgeladenes Projekt gelesen werden: Neben der durch die Mäzenin Beatrice Oeri stiftungsfinanzierten «Tageswoche», der durch den Unternehmer Christoph Blocher finanzierten «Basler Zeitung» und dem öffentlich-rechtlichen SRG-Ableger «Regionaljournal» bietet «Telebasel» einen von der Basler Regierung initiierten stiftungsfinanzierten Journalismus mit einer städtisch-öffentlichen Finanzierung, die über die Jahre die 50-Millionen-Franken-Schwelle überschreitet.

Dass sich die Wirkung der Statutenänderung erst mehr als zwei Jahre später entfaltet, hängt auch mit Willy Surbeck zusammen. Dieser signalisierte als Chefredaktor über den eigentlichen Wechsel hinaus bis zu seiner Absetzung den Anschein ungebrochener Kontinuität. Surbeck hatte es verstanden, sich als Kämpfer für die Unabhängigkeit von Telebasel darzustellen, das nach seinem Empfinden stets von unfreundlichen Übernahmen bedroht war. Er unterstellte diese Absicht mit grosser Regelmässigkeit der «Basler Zeitung» und weitete sie zeitweise auch auf den kurz von Christian Heeb geführten Lokalsender «Nordwest 5» aus.

Das Blatt hat jedoch gewendet: «Telebasel» ist nicht mehr das bedrohte Medium, sondern bedroht durch die Zusatzfinanzierung als Wettbewerber selbst andere Medien. Zumindest Christian Heeb, Betreiber des jüngsten Produkts «barfi.ch», sieht dies so und hat beim Bundesamt für Kommunikation diese Woche Klage samt Rechtsgutachten eingereicht. Rolf Bollmann, nominell Drittelseigentümer und Verlagsdirektor der «Basler Zeitung», dementiert zwar, dass die Zeitung Heebs Klage aktiv unterstütze. Grundsätzlich teile er jedoch die Vorbehalte, wenn sich das konzessionierte Medium «Telebasel» nun auf den mobilen Medien ausbreite.

LDP-Grossrätin Patricia von Falkenstein möchte in einer Interpellation die Regierung in die Verantwortung nehmen. Doch Brutschin winkt auf Anfrage schon jetzt ab: «Zur Neupositionierung von Telebasel äussere ich mich nicht – genauso wenig wie zu verlegerischen Schritten von bz Basel, Basler Zeitung oder anderen Medienangeboten.» Sein Argument: Seit der Statutenrevision setze sich der Stiftungsrat aus weisungsungebundenen Personen zusammen.

Was zumindest in einem Fall kaum zutrifft: Samuel Hess ist als Stiftungsrat und Mitglied des Ausschusses eine der zentralen Personen beim Telebasel-Umbau – und als Kadermitglied im Basler Wirtschafts- und Sozialdepartement direkt weisungsgebundener Mitarbeiter von Christoph Brutschin.

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