Von Valentin Kressler

Die Basler SVP erinnert diese Woche an ihre Anfangszeiten unter Angelika Zanolari. Mit Marc Meyer und Thomas Bucheli zauberte die Partei im Jahr 2000 zwei völlig unbekannte Kandidaten für die Regierungsratswahlen aus dem Hut – und scheiterte klar. Das gleiche Schicksal erleiden wird nun der Chirurg und frühere Grossrat Thomas Egloff (54), der am Dienstag von der Parteispitze für die Regierungsrats-Ersatzwahl für Carlo Conti (CVP) im Mai präsentiert wurde. «SVP nominiert einen Unbekannten», brachte es die «Tageswoche» auf den Punkt.

Die SVP ist Opfer ihrer eigenen Strategie geworden. Unmittelbar nach Contis Rücktrittsankündigung hatte die Partei lautstark ihren Anspruch auf einen Regierungssitz angemeldet. Die SVP baute damit eine Drohkulisse auf, mit dem Ziel, endlich in die bürgerliche Allianz eingebunden zu werden und bei den Regierungsratswahlen 2016 einen Platz auf einem Viererticket mit CVP, FDP und LDP auf sicher zu haben. Nur so hat die Partei Chancen, einen Sitz zu erobern.

Doch die SVP pokerte zu hoch. Trotz mehrerer Gespräche der bürgerlichen Parteispitzen kam die erhoffte Zusammenarbeit nicht zustande. Um glaubwürdig zu bleiben, blieb der Partei nun nichts anderes übrig, als ihre Drohung wahrzumachen und einen Kandidaten aufzustellen.

Selbst die «Basler Zeitung» glaubt indes nicht an die Wahlchancen des SVP-Kandidaten und delegierte lediglich eine freie Mitarbeiterin an die Medienkonferenz am Dienstag. Bereits im Vorfeld hatte die BaZ sechs mögliche Kandidaten der SVP demontiert und vor allem die Grossräte Eduard Rutschmann und Karl Schweizer an der Grenze zur Persönlichkeitsverletzung abgekanzelt.

Egloff, der sich selbst im Januar via Fraktionschef Lorenz Nägelin ins Spiel gebracht hat, hatte niemand auf der Rechnung. Dabei startete dessen Politkarriere vielversprechend. Bei den Grossratswahlen 2000 schaffte er im ersten Anlauf den Einzug ins Parlament. In der Gesundheits- und Sozialkommission, in der er Einsitz nahm, hatte er einen guten Ruf. Andrea Frost (FDP) schildert ihn als «sehr kompetent, konziliant, konsensbereit und angenehm», Luc Saner (FDP) als «besonnen und intelligent».

Dass Egloff im Grossen Rat dennoch kaum in Erscheinung trat, führen ehemalige Parlamentskollegen auf seine damalige Tätigkeit als Leitender Oberarzt an der Schulthess-Klinik in Zürich zurück. 2003, nach nur zweieinhalb Jahren, kehrte er dem Parlament wieder den Rücken, um sich auf den Beruf zu konzentrieren. Heute ist er selbstständiger Wirbelsäulenchirurg in der Hirslanden-Klinik Birshof in Münchenstein und Vizepräsident des chirurgischen Dachverbands fmCh.

Rasch zeigte sich im Grossen Rat aber auch, dass Egloff mit seiner ruhigen Art nicht zu den schrillen Tönen der SVP unter Zanolari passte. Der Masseneinwanderungsinitiative hat er vor zwei Wochen zwar zugestimmt, er ist aber weder ein Hardliner noch ein treuer Parteisoldat. «Ich argumentiere faktenbasiert und bin kein Polteri», sagt er. 2008 stellte er sich gar öffentlich gegen die Partei und bekämpfte den neuen Gesundheitsartikel, der mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen zum Ziel hatte. Auch im Grossen Rat vertrat er vor allem Partikularinteressen und forderte «Anpassungen» der Lohnsätze der Assistenz- und Oberärzte. Die frühere Grossrätin und heutige Nationalrätin Silvia Schenker (SP) sagt, sie habe sich damals gefragt, weshalb er in der SVP sei.

Mit der Kandidatur Egloffs kann die SVP immerhin ihr Gesicht wahren. Hätte es die Partei mit ihrem Angriff auf Lukas Engelberger (CVP) aber wirklich ernst gemeint, hätte sie ihren Sekretär und Grossrat Joël A. Thüring aufstellen müssen. Der Parteistratege ist seit Monaten der auffälligste Basler SVP-Politiker. Er hätte einen lebendigen und unkonventionellen Wahlkampf ohne Tabus garantiert, ähnlich wie Thomi Jourdan (EVP) im vergangenen Jahr im Baselbiet, – und Engelberger aus der Deckung gelockt.

Mit einer Kandidatur Thürings wäre der Kollateralschaden im bürgerlichen Lager aber zu gross gewesen und eine künftige Allianz mit CVP, FDP und LDP in noch weitere Ferne gerückt. Thüring sagt, eine Regierungsratskandidatur sei «generell immer interessant». Er möchte aber zuerst das Amt des Grossratspräsidenten übernehmen. Als Präsident der parteiinternen Findungskommission behielt er die Fäden lieber selbst in der Hand und deutete an der Medienkonferenz am Dienstag bereits an, dass der Kandidat bei den Regierungsratswahlen 2016 kaum wieder Egloff heissen wird.

Egloff selbst macht sich für die Conti-Ersatzwahl im Mai keine Illusionen. «Ich habe keine Erwartungen, weil ich diesbezüglich keine Erfahrung habe», sagt er. «Im Gegensatz zu Engelberger bin ich ein politischer Nobody.» Der Amateurfunker und Segler hat aber nicht den Eindruck, dass er von der Partei verheizt wird. «Sollte dies der Fall sein, werde ich die Kandidatur sofort zurückziehen», sagt er und kündigt einen «schlanken Wahlkampf» an. Seine Praxis will er bis zum Wahltag «unverändert» weiterführen. «Und daran werde ich kein Jota ändern», sagt er. «Ich bin mit Leib und Seele Chirurg.» Und dies wird er auch nach den Wahlen bleiben.

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