Der Anschein lässt auf eine Strategie schliessen. Ein halbes Jahr hat sich der neue zweiköpfige Verwaltungsrat der «Tageswoche»-Herausgeberin Neue Medien Basel AG Zeit genommen, um die Lage zu analysieren. Nun haben der Anwalt Oscar Olano und der IT-Unternehmer Pascal Mangold gehandelt: Chefredaktor Dani Winter und Geschäftsführer Tobias Faust wurden entlassen und per sofort freigestellt.

Die Frage ist, zu welchem Problem mit diesem Schnitt die Lösung gefunden wurde. Verwaltungsratspräsident Olano erklärt, die Analyse habe ergeben, dass die «Tageswoche» keinen hauptberuflichen Geschäftsführer brauche. Schliesslich beinhalte dieser Job nicht viel mehr als die Buchführung. Deshalb solle der Chefredaktor die geschäftsführenden Aufgaben übernehmen. Da Daniel Winter dafür nicht geeignet sei, habe man sich auch von ihm getrennt.

Als Resultat der Analyse führt Olano zudem an, dass das Anzeigengeschäft «ausgegliedert» werde. Faktisch hat jedoch nicht die «Tageswoche» die Trennung von ihrer Anzeigenabteilung angestrebt, sondern der Anzeigenleiter sucht samt seiner Crew den Absprung. Ende Jahr soll er eine Zusammenarbeit mit einer Basler Mediagentur eingehen.
Die weitere Frage lautet, mit wem Olano und Mangold die Personalentscheide abgesprochen haben. Olano sagt, es handle sich um eigenständige Entscheide des Verwaltungsrates. Die Stiftung Medienvielfalt, der die Neue Medien Basel gehört, sei lediglich informiert worden. Deren Präsident Andreas Miescher sagt, die Stiftung sei involviert gewesen, doch Personalentscheide lägen in der Kompetenz des Verwaltungsrates.

Offenkundig vorweg nicht in die Pläne eingeweiht wurde nach den vorliegenden Informationen die Stiftung Levedo von Beatrice Oeri. Über diese Stiftung versorgte die Mäzenin die «Tageswoche» bisher mit Geld. Als Lenker im Hintergrund agiert dabei ihr Vertrauter Georg Hasler. Dieser hatte wiederum seinen Vertrauten Tobias Faust in der Geschäftsleitung platziert. Aufgrund der direkten Kontakte nach ganz oben schien Geschäftsleiter Faust unantastbar. Den von ihm zu verantwortenden Auflagen-Skandal überstand er schadlos, obwohl massgebliche Kräfte in den damaligen Führungsgremien auf eine Ablösung pochten.

Der Zeitpunkt der Stiftung für Medienvielfalt, mit der Entlassung von Faust die Kraftprobe mit ihrer Mutterstiftung Levedo zu wagen, ist allerdings günstig: Als bei der «Tageswoche» im vergangenen Herbst die Mittel zu versiegen drohten, kam es zu intensiven Verhandlungen. Als Folge davon überwies Levedo frisches Geld der Stiftung Medienvielfalt, die damit für eine nächste Periode die Herausgabe der «Tageswoche» sichern kann. Wie tief die Kündigung von Faust zu einem Zerwürfnis mit der Mäzenin führt, ist derzeit selbst für eng involvierte Kreise nicht absehbar. Entsprechend unsicher ist, ob auch ein nächster Unterstützungsantrag positiv beurteilt würde.

Redaktionsleiter Dani Winter war sich stets bewusst, dass er das von Urs Buess geerbte Amt nur bis auf Widerruf innehat. Seit Frühjahr wurden deshalb vereinzelt Personen angesprochen, ob sie als Chefredaktoren bei der «Tageswoche» anheuern würden. Damit konfrontiert, erklärte Dani Winter vor Wochenfrist, zu Gerüchten nehme er keine Stellung. Offensichtlich war er wie Faust von der Entlassung überrascht worden. Denn angesagt war am vergangenen Freitag lediglich eine reguläre, halbjährliche Aussprache der Geschäftsführung mit dem Verwaltungsrat. Da wurde ihnen eröffnet, dass man auf ihre Dienste verzichte.

Plangemäss verlief der Coup dennoch nicht. Denn kurz zuvor hatte Remo Leupin, der Leiter der Printausgabe, seine Kündigung eingereicht. Dabei ist er als interimistische Lösung vorgesehen, um die immerhin noch insgesamt dreissig-köpfige Belegschaft zu führen. Der Anspruch, bis zu Leupins Abgang Ende September einen Nachfolger auf der Redaktion zu haben, ist sportlich. Immerhin: Ein neues publizistisches Profil wird von ihm nicht verlangt. Das aktuelle journalistische Angebot der «Tageswoche» entspreche den Vorstellungen des Verwaltungsrats, sagt Olano.

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