Franz Sabo (61) fürchtet sich vor einer weiteren Schlammschlacht. Die Sorge ist berechtigt. Sabo hat ein heikles Amt angenommen: Er wurde Mediensprecher des Hauseigentümervereins, der sich gegen Roche wehrt. Sabo korrigiert: «Es ist kein Kampf gegen Roche, sondern ein Kampf für die Lebensqualität, die unter die Räder zu kommen droht.» Der Kanton mache Roche «zur heiligen Kuh», kritisiert er. Der Verein fordere nun Entschädigungen «für den Wertverlust unserer Liegenschaften durch den Verkehr und den Lärm und den Schatten». Es geht um Geld.

Diese Woche werde sich der Verein für einen Anwalt entscheiden. Die Mittel sind gemäss Sabo knapp: «20 000 Franken werden für unsere Anwaltskosten wahrscheinlich nicht ausreichen.» Diese Summe hat der Verein mit seinen 70 Mitgliedern und 4 Gönnern derzeit ungefähr beisammen. Hauseigentümer bezahlen 200 Franken Jahresgebühr.

Sabo hat Erfahrung im scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Obrigkeit: Schweizweit bekannt wurde er als aufmüpfiger Pfarrer von Röschenz, der sich erfolgreich gegen den Bischof wehrte. Damals – der Röschenzer Kirchenstreit dauerte von 2003 bis 2008 – hofierten ihm die Medien. Sie feierten ihn in seiner Rolle als David.

Nun tritt Sabo erneut gegen Goliath an. Als aufmüpfiger Anwohner ist er aber nicht mehr der mediale Sympathieträger von einst. Seit 1997 lebt er im Wettsteinquartier mit einem Zweitwohnsitz in Bayern. Sabo kritisiert die Medien: «Das Niveau der Medienschaffenden ist tiefer als vor zehn Jahren.» Von Journalisten habe er in seinem neuen Amt «primitives Benehmen auf unterstem Niveau» erlebt. Das werde er nicht mitmachen: «Falls die Medien unanständig mit mir umgehen, werde ich das Amt des Mediensprechers wieder abgeben.»

In seinen eigenen Texten geht Sabo selber bis zur Grenze der Anständigkeit. Er ist leidenschaftlicher Leserbriefschreiber und Verfasser von Gastbeiträgen. Schon den Röschenzer Kirchenstreit hat er mit einem Leserbrief eröffnet. Inzwischen polemisiert er zu neuen Themen. Den Islam bezeichnete er als «die mit Abstand gewalttätigste und intoleranteste der Weltreligionen».

Über Karriere-Mütter predigte er: «Unsere Gesellschaft ist dabei, ein Heer von Psychopathen zu produzieren, über die man in zwanzig Jahren sagen wird, dass ihre Probleme in einer schweren Kindheit und Jugend gründen. Nein, Gott war nicht abwesend – nur die Mutter! Sie war mit der Karriere beschäftigt.» Und der gebürtige Bayer warnt vor zu vielen Ausländern: «Viele Leute haben Angst vor der Überfremdung. Man muss auch diffuse Ängste ernst nehmen.» Deshalb sagt er: «Es gibt nicht nur ein Recht auf Asyl, sondern auch ein Recht auf Heimat.» Mit seinen Äusserungen provoziert er heftige Reaktionen.

Sabo berichtet, dass ihm die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter mitgeteilt habe, dass ihre Kinder trotz der Karriere ihrer Mutter sehr gesund seien. Sabo ist stolz auf seine Antwort: «Das glaube ich gerne! Dennoch erlaube ich mir, nachzufragen, ob irgendeine Mutter zugibt, dass ihre Kinder gestört sind?»

Eine weitere Kritikerin des katholischen Pfarrers ist die feministische Theologin Anja Kruysse. Auf Anfrage hält sie eine Gegen-Predigt: «Es ist verantwortungslos und billig, wenn Theologen Vorurteile gegenüber unseren Schwesterreligionen schüren und dabei ein Schwarz-weiss-Bild zeichnen, nur um selber medial mehr Präsenz zu erhalten und die eigene Gläubigkeit besser dargestellt zu haben.» Sabo wundert sich: «Wenn jemand den Islam hinterfragt, gilt er gleich als Hetzer.»

Es freue ihn, wenn er ins Schwarze treffe, sagt Sabo. Er wolle aber niemanden verletzen. Nicht immer gelingt dies: Ein Ehepaar sei seinem Verein wegen seiner Weltanschauungen nicht beigetreten. Sabo ist sich dies inzwischen gewohnt. Er sei schon als Nazi, aber auch als Kommunist beschimpft worden. Damit will er auch sagen, dass es zu einfach sei, ihn als Rechtskonservativen abzustempeln. So vertritt er etwa in Wirtschaftsfragen linke Positionen und gibt sich offen gegenüber Homosexuellen. Im «SonntagsBlick» outete er sich; «Ja, ich habe auch schon ein schwules Paar gesegnet.» Mit den meisten gesellschaftlichen Entwicklungen freundet er sich jedoch nicht an. Theologin Kruysse urteilt über Sabos Texte: «Er tönt ziemlich resigniert, so als ob er mit der Gesellschaft und den gesellschaftlichen Veränderungen nicht klarkommt.»

Sabo streitet das im Grundsatz nicht ab. Er beichtet: «Mir persönlich gefiel es in den 60er-Jahren besser.» Das sei eine Zeit des Aufbruchs gewesen. «Heute sind wir von Schickimicki, Internet und Smartphones geradezu zugedröhnt, aber die Jungen kennen ja schon nichts anderes mehr.» Man kommuniziere «mehr mit dem Handy als mit dem Partner».

Sabo hadert mit der Welt, aber auch mit sich selbst. Seine Stärke ist dabei, dass er sich selber mit einer humorvoll-kritischen Distanz beurteilen kann. «Es gibt Leute, die werfen mir eine narzisstische Störung vor», beginnt er seine Diagnose. Heute müsse er darüber schmunzeln. Unter anderem deshalb, weil er alt genug sei, um zu wissen, dass es kaum jemanden gebe, der nicht die eine oder andere Störung sein Eigen nennen dürfe: «Insofern bin ich mit meinem Narzissmus noch ganz gut davongekommen.» Sabo hat sich damit abgefunden, dass er nicht von allen geliebt wird. Eine gute Voraussetzung, um sich trotzdem in eine weitere Schlammschlacht zu werfen.

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