Bernhard Heusler (54) ist perfekt. Der Präsident und langjährige Hauptaktionär des FC Basel präsentierte am Freitag neue Rekorde: Nie waren Umsatz und Gewinn höher, die stillen Reserven fetter, nie war die Erfolgssträhne länger. Selbst die Stabübergabe soll perfekt werden. Im Sommer will Anwalt Heusler Aktien und Präsidium der FCB-Holding dem Medienunternehmer Bernhard Burgener übergeben. Einspruch ist nur theoretisch vorgesehen. Bernhard bleibt, gewechselt wird bloss von Heusler zu Burgener.

Bernhard Burgener (60) hat zumindest eine perfekte Geschichte zu erzählen. Wie er sich als Kind aus einer Sozialbauwohnung ausgerechnet im Showbiz zum Multimillionär hocharbeitete. Wie er, der Katholik, im Herzen bei den kleinen Leuten geblieben sei. Wie er schon immer mit dem FC Basel verbunden war. In dessen Vorstand Frondienst leistete, als der Klub in den 1990er-Jahren in der B-Liga dümpelte. Wie er in tiefer Freundschaft mit dem FCB-Idol Karl Odermatt verbunden ist. Am Samstag zeichnete die «Neue Zürcher Zeitung» die bruchfreie Lebenserzählung auf einer ganzen Seite nach.

Gezielte Indiskretion
Seit die Personalie am vergangenen Sonntag durch gezielte Indiskretionen lanciert wurde, ist sie nicht nur Regionalgespräch. Als ideal wird die Lösung gefeiert. Burgener ist für die Öffentlichkeit zwar ein Unbekannter, nicht aber die frisch pensionierten Fussballkerle Marco Streller und Alex Frei, die Teil seiner Lösung sein sollen. Perfekt ist sie jedoch vor allem für Burgener selbst – und dies nicht nur, weil er den Klub übernehmen kann, aus dem ihn einst René C. Jäggi vertrieben hatte.

Die Konstellation ist für Burgener wie geschaffen: Ein Unternehmen mit hohem innerem und tiefem Handelswert steht feil. Für lediglich rund zwanzig Millionen Franken, wie die «Basler Zeitung» wohl richtig schätzt, kann er die Firma FCB kaufen, die über dreimal mehr allein an flüssigen Mitteln besitzt. Wie nun Heusler waren auch die Grossaktionäre bei der Champions-League-Vermarkterin Team Marketing aussteigewillig, als sich Burgener einkaufte. Er übernahm damit ein Vertragsverhältnis mit der Uefa, das einen mehrfachen Wert des Einkaufspreises hatte. Die Filmhandelsfirma Highlight Communications lag am Boden, als er sich als Sanierer empfehlen konnte. Die Filmfabrik Constantin Film schliesslich fiel auf Wunsch des fallierenden deutschen Medienmoguls Leo Kirch in seinen Schoss. Mit wenig Kapital einsteigen, wenn Bedarf besteht, ist das Geheimnis seines Aufstiegs. Unbestritten dabei sein unternehmerisches wie trickreiches Geschick, sich und seine Firmen zu behaupten.

Kampf ums Lebenswerk
Das Versprechen, sich als operativ aktiver FCB-Präsident zu engagieren, zeigt, wie perfekt auch das Timing passt. Brüchig ist nämlich geworden, was derzeit als sein Lebenswerk gilt. Allein aufgrund von Rechtsverfahren mit ungewissem Ausgang kann er sich an der Spitze der Highlight Communications halten. Die komplexe Situation in Kurzform: Um zu verhindern, dass die Constantin Medien ihre Aktienmehrheit an der Highlight Communications einsetzt, um die Strategie dieser von Burgener personell beherrschten Firma zu bestimmen, ist ihm ein Kunststück gelungen: ein Grossteil dieser Aktien ist nämlich an Martin Hellstern verpfändet, der Burgener nahesteht und nun den Durchgriff unterbindet.

Neue Geschäftsfelder zu öffnen, versuchte Burgener in vergangenen Jahren zwar intensiv, aber ohne Durchbruch. Über die Escor wollte er Spielcasino-Betreiber werden. Vergeblich. Das Poker-Spiel im Internet galt zeitweise als Zukunft schlechthin. Virtuelle Konzerte etwa mit Michael Jackson wollte die Gruppe veranstalten. Mit «Inside World Football» gehörte einige Zeit ein Online-Magazin dazu. Sportler sollten promotet, Schweizer Filme produziert, eine Big Band auf Tour geschickt werden. Im vergangenen September verkaufte Burgener dann Beteiligungen (Kuuluu Interactive, Holotrack, Paperflakes, Pulse Evolution) an eine US-Gesellschaft. Im Dezember schliesslich fusionierte er die defizitären Schweizer Engagements in der Constantin Film und Entertainment.

Die Vorbehalte der Uefa
Die Ertragsperle der Gruppe ist allein Team Marketing. Mit dem Engagement beim FC Basel will Burgener dort alle Mandate niederlegen, um Interessenskonflikte mit der Uefa zu vermeiden. So einfach scheint es jedoch nicht zu sein. Alleine die journalistische Frage, ob diese Entflechtung der Uefa genügen wird, führt zur Androhung rechtlicher Schritte durch den Burgener-Anwalt und langjährigen Weggefährten Martin Wagner. Vorliegende Auszüge aus dem Vertrag zwischen Team Marketing und der Uefa zeigen jedenfalls, dass explizit Vorbehalte festgehalten sind, sollte sich ein Vertragspartner – inklusive Highlight Communications – etwa an einem Fussballclub beteiligen. Gemäss Aloys Hirzel, Burgeners Sprecher, habe die Uefa nichts einzuwenden, wenn Burgener aus allen Team-Verwaltungsräten zurücktrete. Unverbindlicher fällt auf Anfrage das Statement der Uefa selbst aus: «Unmittelbar gibt es dazu keine Bedenken.»

Obsolet werden allfällige Bedenken, sollte Burgener seinen Einfluss bei der Highlight Communications nicht langfristig halten können. Dann hat er zumindest den FC Basel sowie das Präsidium des Club de Bâle. Perfekt.

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