Es ist Mitternacht. Im Stadion St. Jakob ist die Meisterfeier längst zu Ende. Die nächste Feier auf dem Barfüsserplatz steht noch bevor. Von allen Seiten strömt rot-blaues Volk herbei und stellt sich auf ein längeres Warten ein. Für die einen ist es eine Abwechslung im Abendausgang, für die anderen ein Höhepunkt im Jahresablauf.

Um Viertel vor ein Uhr werden die Spieler samt Tross mit Tante-Schuggi-Trams herangefahren, begleitet von zwei Gugge-Musiken. Von einem Corso kann allerdings nicht mehr die Rede sein: Die Wagen halten weit oben am Steinenberg. Spieler und Begleiter steigen aus, verschwinden eskortiert im Casino-Hintereingang. Die Menge auf dem Platz bekommt davon wenig mit. Es wird per Lautsprecherdurchsage informiert, dass dem Warten nun bald die Erfüllung folgen solle.

Punkt ein Uhr steigt auf dem Dach des Stadtcasinos das Feuerwerk, der offizielle Teil der Pyroschlacht. Rot-Blau dominiert mit viel Geballer. Die Smartphones richten sich gegen den Himmel, um den Funkenregen einzufangen. Es sei wie am 1. August, sagt eine Frau.

Zehn nach ein Uhr plärrt «We are the Champions» aus dem Lautsprecher. Ein Zeichen, dass sich der Balkon des Stadtcasinos nun bald bevölkern wird. Die Spieler Davide Calla und Behrang Safari übernehmen die Präsentation der Mannschaft, bemüht. Nun sprühen auch die Funken der gezündeten Fan-Pyros. Nur der Funke der Begeisterung will nicht richtig springen. «Beni Huggel» skandieren einige, um den Moderator der vergangenen Jahre in Erinnerung zu rufen. Die Fans stimmen willig in die Sprechchöre ein. Doch sie ermatten auch ebenso schnell.

Um halb zwei stehen Spieler und Betreuer dicht an dicht auf dem Balkon. Breel Embolo hat stärkeren Applaus erhalten, Yoichiro Kakitani schwächeren. Dass die Fans nicht genau wissen, was sie von Trainer Paulo Sousa halten sollen, hallt im Echo wider, als er den Balkon betritt. Doch was zählt, ist ohnehin nur der Letzte der Auftretenden: Captain Marco Streller.

Der Meisterpott, den er mit auf den Balkon bringt, ist nicht das Ereignis. Das war schon in den vergangenen fünf Jahren so. Sein Rücktritt ist das Ereignis. Jetzt erst, als Streller das Mikrofon in die Hand nimmt, wird aus den Tausenden ein Block. Der Vorsänger aus Aesch findet nun Mitsinger. Das Repertoire wird einmal durchgespielt.

Es ist zwei Uhr. Marco Streller sagt: «Ich bin einer von euch.» Und: «Ich liebe euch.» Dann leert sich der Balkon und Tausende fragen sich müde: Gehts nun in die Beiz oder ins Bett?

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