Der Knopfdruck auf Anregung

Innerhalb von 25 Stunden war das Resultat der Umfrage «korrigiert».

Innerhalb von 25 Stunden war das Resultat der Umfrage «korrigiert».

Wie die Wirtschaftskammer Baselland mobilisiert und eine Zuschauerumfrage bei «Telebasel» gedreht hat.

Ungeheuerlich sei der Vorwurf, die Wirtschaftskammer habe eine Umfrage manipuliert. Dies sagte Direktor Christoph Buser im «Regionaljournal» als Reaktion auf einen Beitrag dieser Zeitung. Der Wirtschaftsverband behalte sich rechtliche Schritte vor.

Die «Schweiz am Sonntag» hat vor Wochenfrist beschrieben, wie die IWF AG, eine Tochterfirma der Wirtschaftskammer, im Zusammenhang mit dem Abstimmungskampf über die Trinkwasser- und Deponie-Initiativen der Baselbieter Grünen im Jahr 2010 als Kampagnenleiterin der Initiativ-Gegnerschaft für ein positives Image ihrer Kundschaft gesorgt hatte. Dazu zählte unter anderem die Umpolung einer Zuschauerumfrage bei «Telebasel», wie interne Kampagnenunterlagen zeigen.

Der anfängliche Vorsprung der Initiativ-Befürworter in der Umfrage bestätige die Befürchtung der Kampagnenführung, heisst es in der vorliegenden internen Präsentation: «Bauchentscheid in dieser Frage bei der Bevölkerung ist pro Initianten («Telebasel»). Greenpeace promotet die Kombination ‹Gift› und ‹Trinkwasser›, sowie die Tatsache, dass ohne Chemieabfälle keine Deponie saniert werden muss.» Dieser «Herausforderung» stellte die IWF und beschreibt auf einem der folgenden Charts als einen der erfolgten ersten Schritte: «Telebasel-Umfrage ‹korrigieren›».

Christoph Buser, der als IWF-Geschäftsführer mit der Kampagnenführung betraut war, erklärt auf Anfrage: «Das Thema ist in diesem Zusammenhang nicht Manipulation, sondern Mobilisierung zwecks Interessenvertretung.» Dies sei alles völlig legitim und in Übereinstimmung «mit den massgeblichen Zweckartikeln unserer Organisationen». Abgestimmt hätten nicht die Wirtschaftskammer oder die IWF, sondern die mobilisierten Mitglieder.

Wie professionell diese Mobilisierung angegangen und umgesetzt worden ist, zeigt das Resultat: Innerhalb eines Tages wandelte sich ein Dreiviertel- Mehr im Sinne der Initianten in ein zwei Drittel Mehr im Sinne der Gegnerschaft.

Möglich ist, dass der erste Zwischenstand auch einem Mobilisierungseffekt, und zwar jenem der Initianten selbst zuzuschreiben ist. In Folge stammten jedoch 557 der zusätzlichen 644 Stimmen von Initiativ-Gegnern. Dies entspricht einem Anteil von rund 85 Prozent. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass das Verhältnis des ersten Zwischenstandes auch bei mehr Abstimmenden unverändert geblieben wäre, zeigt sich, dass die Initiativ-Gegner innerhalb eines Tages zusätzliche 386 Personen motivieren konnten, ihre Stimme in ihrem Sinn abzugeben.

Daniel Prétôt, Geschäftsführer von «Telebasel», erklärt, bei der Umfrage habe es sich um ein relativ rudimentär gehaltenes Webtool gehandelt, das Telebasel als Pulsnehmer und Stimmungsbarometer verwendet habe. Im Zeitalter von Social Media sei es jedoch nicht mehr in Betrieb.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper

Artboard 1