Seine Stimme überschlägt sich fast. Ivar Niederberger klingt am Telefon aufgebracht. «Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren in diesem Business, aber ich hätte nie für möglich gehalten, was in den vergangenen Monaten alles passiert ist.»

Niederberger, der Mitte der 1990er-Jahre quasi aus dem Nichts ein kleines Imperium schuf und mit seinen Kleidi-Boutiquen Millionen verdiente, hat keine Lust mehr. Er habe vor rund drei Monaten alle Boutiquen seiner ehemaligen Geschäfts- und Lebenspartnerin Petra Woiton verkauft. «Zu einem symbolischen Preis», wie er sagt. Ende Januar wurde die neue Kleidi Handels AG mit Sitz in Aesch ins Handelsregister eingetragen, als einzige eingetragene Person fungiert Woiton.

Der Boutique-Exodus
Derzeit zählt Kleidi noch neun Boutiquen in der Schweiz. Vor sechs Jahren waren es deren 23, die Mode für Frauen ab vierzig verkauften. Im Dezember 2015 schloss die Filiale in Liestal, Ende März wurde im Berner Wankdorf-Center dichtgemacht. Niederberger sagt: «In den vergangenen vier Jahren habe ich in allen Boutiquen deutliche Umsatzrückgänge verzeichnet.» Die Gründe dafür seien zahlreich, die schwerwiegendsten seien der schwache Euro und der Onlineverkauf. «Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Verlängerung der Tramlinie 8 nach Weil am Rhein im vergangenen Jahr», brüllt der 47-Jährige jetzt ins Telefon. Damit habe er zig ältere Kundinnen verloren, die kein Auto haben und mit dem Tram nun nach Deutschland zum Einkaufen fahren könnten. Zu spüren bekommen hätten dies insbesondere die Filialen in Basel an der Gerbergasse und an der Hauptstrasse in Reinach. Die Margen seien innerhalb weniger Monate merklich geschrumpft. «Der Staat legt dem Handel nur Steine in den Weg, anstatt ihn zu unterstützen. Das hat mir die Freude am Geschäft vermiest, ich habe keine Kraft mehr», sagt Niederberger.

Vollständig zieht sich Niederberger aber nicht aus dem Textilbusiness zurück. Er hat den Sitz seiner Kleidi GmbH und der Niederberger Betriebs GmbH von Aesch ins solothurnische Büsserach verlegt. Im Amtsblatt des Kantons Baselland wurde dies vor rund einer Woche entsprechend kommuniziert. In Büsserach befinde sich das bestehende Lager von Kleidi, erklärt

Niederberger. Und dort wolle er in Zukunft Kleider für den Grosshandel ab Rampe verkaufen. Seine andere Tätigkeit als Kunsthändler, die im Auktionshaus Niederberger AG zusammengefasst ist, rücke vorerst in den Hintergrund, sagt er jetzt mit ruhiger Stimme. Ganz aufgeben will er doch nicht.

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