Auf dem Kinderpyjama leuchten Feuerwehrautos. Fabiola Bloch hält das Kleidungsstück hoch, prüft die Nähte, öffnet den Reissverschluss. «Einwandfrei», sagt sie, legt den Einteiler sorgfältig in eine Schachtel. Schon in ein paar Tagen schlüpft in einem regionalen Asylheim ein Junge in den Pyjama.
Fabiola Bloch ist Präsidentin des Vereins «Basel hilft mit». In dessen Postfach sind soeben zwei Bestellungen eingegangen. Sommerliche Männerkleider, insbesondere Hosen, sind gesucht. Asylheime in der Umgebung mailen die Anzahl und Grösse der gewünschten Kleidungsstücke; die Freiwilligen stellen in ihrem Lager das gewünschte Paket zusammen und liefern es direkt in die Unterkünfte.

«Basel hilft mit» ist eine jener Organisationen, die vor rund einem Jahr ad hoc gegründet wurden. Spontan schlossen sich vor allem junge Erwachsene zusammen, um Menschen auf der Flucht zu helfen. Sie sammelten Hilfsgüter, verteilten Mahlzeiten entlang der Balkanroute, brachten den Flüchtlingen Kleider, Regenponchos und Hygieneartikel. Da sie an keine internen Abläufe oder Vorgaben gebunden waren, konnten sie in wenigen Tagen an jene Orte reisen, wo die Not am grössten war. Noch heute stehen einige Teams im Einsatz. Dazu gehört der Verein «be aware and share» (Baas) um den Basler Baschi Seelhofer. Dieser baut auf der griechischen Insel Chios eine Schule und ein Jugendzentrum für junge Flüchtlinge auf.

38,5 Tonnen sortiert
Sachspenden erhielt «Baas» auch von «Basel hilft mit». Selber wurde der Verein ausserhalb der Region nicht aktiv, schickte aber drei Sattelschlepper mit Hilfsgütern los. Innert weniger als eines Jahrs wurde der Verein zu einer Drehscheibe für Kleider- und Sachspenden. Die Freiwilligen prüften, sortierten und verteilten bislang 38,5 Tonnen.

Doch für den Verein wird es zunehmend schwieriger, Material zu sammeln. Die Solidaritätswelle ist abgeflacht. Vorbei sind die Wochen, in denen das Bild des toten Jungen am Strand und die Meldung von Leichensaft in einem Lastwagen die Menschen aufrüttelten. Die Betroffenheit entlud sich in einer Spendenflut. An den ersten Sammelstellen von «Basel hilft mit» im Schützenmatt- und Kannenfeldpark türmten sich Kleiderberge, das kurzfristig organisierte Depot platzte aus allen Nähten, Dutzende Menschen boten ihre Hilfe an. Das hat sich geändert. Waren- und Geldspenden nehmen ab, kaum jemand meldet sich noch neu an, um die Kleider zu sortieren.

Eingeschworene Kernteams
Der Rückgang der Hilfsbereitschaft bestätigt Mathias Kippe vom Roten Kreuz Basel. Vor einem Jahr hätten zahlreiche Menschen ihre Unterstützung angeboten. Jetzt müsste diese wieder gesucht werden: «Wie die mediale Aufmerksamkeit zur Flüchtlingsthematik abnahm, so sank auch die Dringlichkeit bei zahlreichen Freiwilligen», sagt Kippe. Indem der Boom ums Helfen verebbte, trennte sich auch der spontane Aktivismus vom Bedürfnis, nachhaltig etwas zu bewirken. Für die Planung und Organisation der Hilfswerke hat das auch Vorteile. «Wer jetzt zusagt, der bleibt längerfristig», sagt Kippe.

Das zeigt sich ebenfalls bei «Basel hilft mit». Auf Facebook klickten sich zwar über 3000 Personen in die gleichnamige Gruppe. Den Verein stemmt aber ein Kernteam von 13 ehrenamtlich arbeitenden Personen, die auf einen Pool von 20 Helfern zurückgreifen können. «Nur der erste Schritt in die Freiwilligenarbeit ist freiwillig. Danach hat man eine Aufgabe», sagt Bloch. Inzwischen führt der Verein Bewerbungsgespräche, bevor er ein Engagement vergibt: «Anfänglich teilten wir die Leute nach Bedarf ein, das funktionierte nicht. Sie müssen sich in ihren Aufgaben wohlfühlen.»

Neben den Spenden organisiert eine Person Anlässe wie Spielnachmittage, Grillfeste oder Ausflüge. Ein anderes Vereinsmitglied kümmert sich um die Unterstützung im Ausland. In den nächsten zwei Wochen fährt ein Lastwagen mit Sachspenden in ein Flüchtlingscamp in den Libanon. Im Herbst soll eine zweite Fahrt nach Griechenland folgen. Dafür stapeln sich im Liestaler Depot bereits jetzt Rollstühle, Teddybären und Zahnpastatuben. «Da die Medien kaum mehr über die Flüchtlingskrise berichten, ist sie für viele Menschen vorbei. Das stimmt aber nicht. Millionen sitzen ohne Perspektive in Camps fest», sagt Bloch. Deshalb appelliert «Basel hilft mit» in den nächsten Wochen erneut, Berge von Winterkleidern zu spenden.

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