Wie Hollywood hat nun auch Basel einen Schriftzug, der über der Stadt thront: ERNE. Die Baufirma erstellt das Biozentrum beim Schällemätteli nicht mit einem Gerüst, sondern mit einem Schutzschild um das oberste Stockwerk, der mit dem Bau in die Höhe klettert. Die Aargauer Firma nutzt diese Wand über der Basler Altstadt für Eigenwerbung in knalligem Rot. Auch für den Roche-Turm wurde diese gerüstlose Bautechnik eingesetzt. Doch dort war die Baustelle in neutrales Weiss gehüllt.

Christof Wamister, Obmann des Basler Heimatschutzes, ist entsetzt: «Es sieht ziemlich scheusslich aus.» So würden Hochhäuser im Bau zwar meistens wirken, aber man hätte es in diesem Fall diskreter gestalten können, meint er. Aus seiner Sicht handelt es sich um einen Fall für die Stadtbildkommission. Dieses umstrittene Gremium prüfte in Basel diverse Reklamen wie Fahnen oder die Weihnachtsbeleuchtung von Manor an der Rheingasse. Beim Warenhaus wurde ein Entwurf von der Stadtbildkommission kritisiert. Daraus leitet Wamister ab, dass die Stadtbildkommission auch beim Biozentrum eingreifen sollte. Der Baukragen sei schliesslich länger sichtbar als die Weihnachtsbeleuchtung. Ende 2016 soll der Rohbau stehen und 2018 die Einweihung stattfinden.

Die Stadtbildkommission fühlt sich jedoch nicht angesprochen. Sekretär Mathis Müller sagt: «Für Gerüstwerbung sind wir nicht zuständig, weil diese nicht bewilligungspflichtig ist.» Er stelle zwar einen «auffälligen Eingriff ins Stadtbild» fest. Dieser sei aber nur temporär. «Bei der Gerüstwerbung spielt für uns weder die Grösse noch die Farbe eine Rolle. Es handelt sich um eine Nische, die ein Bauunternehmer nutzen kann», sagt er. Müller hält in diesem Fall die Wirtschaftsfreiheit hoch: «Es wäre masslos, wenn wir jede Bautafel beurteilen müssten.»

Der Vergleich zum ebenfalls temporären Eingriff ins Stadtbild durch die Manor-Weihnachtsbeleuchtung findet Müller nicht angebracht: «Dafür waren wir zuständig, weil es sich um eine bewilligungspflichtige Reklame handelte.» Dies wird sich jedoch bald ändern. Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) hat nach der weihnächtlichen Reklamediskussion interveniert. Er beauftragte das Bauinspektorat, die Ausführungsbestimmungen der Bau- und Planungsverordnung anzupassen. Diese soll nun um die Bestimmung ergänzt werden, dass Weihnachtsschmuck und -beleuchtungen bewilligungsfrei sind. Dazu wird auch die Manor-Beleuchtung zählen. Diese Anpassung liegt in Wessels’ Kompetenz; es ist kein Gesamtregierungsentscheid nötig. Nicht gedacht hätte er wohl, dass er damit gleich auch eine zweite Baustelle erledigt: Dem Heimatschutz fehlt nun ein Argument, weshalb die Stadtbildkommission beim ebenfalls temporären Erne-Schriftzug eingreifen sollte.

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