Alexis Hubshman (43) ist ganz aus dem Häuschen. Seine Kunstmesse Scope wurde in den vergangenen Jahren von einem Ort an den anderen vertrieben. Zuletzt an die Peripherie, in den Basler Rheinhafen. Dabei wollte der New Yorker Künstler, Galerist und Messeveranstalter möglichst nahe der Hauptmesse, der Art Basel, sein. Doch im Zusammenspiel mit den Zwischennutzern von Shiftmode scheint die Vertreibung zum Glücksfall zu werden: Am Wasser kann Hubshman für Scope und für Basel eine neue Form der Nutzung von öffentlichem Raum entstehen lassen.

Katja Reichenstein (40), Exponentin des Vereins Shiftmode, hatte zwar Ideen, als der Verein von der Regierung den Auftrag erhielt, die grosse Kiesfläche zu beleben. Shiftmode-Architekt Karl Schuwey hatte auch schon Zeichnungen gefertigt, wie der grosse Platz mit einfachen Gebäuden eine Struktur erhalten könnte. Doch die Realisierung und vor allem Finanzierung stand noch am Anfang. Im Zusammenspiel mit Hubshman scheint plötzlich vieles realisierbar und erst noch in kurzer Zeit.

Das Projekt, das in den vergangenen Wochen und intensiven Verhandlungen erarbeitet worden ist, liegt nun vor: Scope und Shiftmode bauen nach Schuweys Plänen vier punktuell verbundene Gebäude, gefertigt weitgehend aus Recycling-Material. Die Fassaden bestehen aus gebrauchten Euro-Paletten. Ein begrünter Bau schützt über 122 Meter das Quartier vor Lärm. Eines der stets vier bis sechs Meter hohen und 14 Meter breiten Gebäude ist isoliert und beheizbar. Insgesamt 4600 Quadratmeter gedeckte Fläche werden zur Verfügung stehen.

Einen Monat lang bieten die Gebäude Mantel und Kulisse für die Scope, einen weiteren Monat, etwa während der Baselworld, sind sie für Grossanlässe reserviert. Während zehn Monaten sollen sie jedoch breiten Bevölkerungskreisen zur Verfügung stehen und Raum bieten für gesellschaftlich-kulturelle Anlässe aller Art.

Rund 1,5 Millionen Franken sollen investiert werden. Shiftmode trägt die 250 000 Franken bei, die von der Regierung als Beitrag für den Aufbau von Infrastruktur versprochen wurden. Für den Rest will Hubshman sorgen; teilweise mit den Mitteln, die Scope einspart, weil sie nicht die wiederkehrenden Kosten für den Auf- und Abbau eines Riesenzeltes hat, teilweise mit Drittmitteln.

Hubshman ist überzeugt, das Geld auftreiben zu können. Einen Amerikaner und einen Chinesen habe er telefonisch angefragt und beide kämen das Projekt anschauen. «Philantropic Investors» seien es, keine Mäzene baslerischen Zuschnitts, die À-fonds-perdu-Geld sprechen, sondern Geschäftsleute, die bei ihren Investitionen auch den kulturellen Gewinn mit einkalkulieren. Das Modell solcher «Stadtgärten» existiere bereits, sagt Hubshman und verweist auf Beispiele in New Jersey und Miami oder auch auf das chinesische Dongguan, wo Scope selbst an einem für 2016 geplanten Grossprojekt für eine kulturelle Aufwertung der Produktionsmetropole beteiligt ist.

Der Zeitplan in Basel sieht vor, dass im Winter gebaut und der «Holzpark Klybeck» im kommenden Mai eröffnet wird. Bis dann besiedelt Shiftmode die Fläche mit kleineren Projekten, die auch neben den fertigen Bauten genügend Raum finden werden. Für die Refinanzierung der offiziell bis 2019 befristeten Zwischennutzung bleiben somit lediglich fünf Jahre. Dass bis dann allerdings ein baureifes Projekt für die Umwandlung der Klybeckinsel in ein neues Stadtquartier vorliegen wird, ist so gut wie ausgeschlossen – und eine Verlängerung des «Holzpark Klybeck» damit so gut wie gesichert.

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