Der gläserne Coach

Die meisten Klubs belassen es bei strikten Regeln für Juniorentrainer. Foto: Keystone

Die meisten Klubs belassen es bei strikten Regeln für Juniorentrainer. Foto: Keystone

Reinach verlangt als erster Klub einen Strafregisterauszug der Trainer

Der FC Reinach prescht bei der Bekämpfung von Kindsmissbrauch vor. Als erster Fussballverein der Region verlangt er von sämtlichen Funktionären, die mit Junioren in Kontakt stehen, einen Strafregisterauszug. Damit soll verhindert werden, dass Männer, die wegen eines pädophilen Übergriffs straffällig geworden sind, ihre Neigung in der Freizeit ausleben. Der Reinacher Juniorenpräsident Raffaele Stornaiuolo sagt, der Klub habe damit auf die «zunehmende gesellschaftliche Sensibilisierung» beim Thema Pädophilie reagiert. Stornaiuolos Vorschlag sei bei sämtlichen rund 60 betroffenen Klubfunktionären auf Verständnis gestossen, zumal der Verein die Kosten des Strafregisterauszugs übernehme.

Dachverband ist skeptisch
Nach der Annahme der Pädophileninitiative im vergangenen Jahr geraten neben den Arbeitgebern auch die Vereine in den Fokus. Die Initiative verlangt, dass pädophile Täter lebenslang für berufliche und ehrenamtliche Tätigkeiten mit Kindern gesperrt werden. Bei den regionalen Fussballvereinen ist eine Debatte darüber entstanden, wie weit die Juniorentrainer, die ihre Arbeit oft unentgeltlich verrichten, privat ausgeleuchtet werden dürfen. Auch bei den Basler Klubs Old Boys und Telegraph wird im Hinblick auf die kommende Saison diskutiert, ob die Trainer künftig einen Strafregisterauszug vorlegen müssen. Robert Gray, Präsident des FC Telegraph, geht davon aus, dass sein Verein dem Beispiel von Reinach folgt. Es sei ein «einfacher Schritt», der eine «grosse Tragweite» haben könne. Old-Boys-Präsident Beat Fläcklin sagt, das Einfordern von Strafregisterauszügen sei zwar unangenehm. «Letztlich muss das Wohl des Kindes aber an oberster Stelle stehen.»

Viele Vereinspräsidenten stehen der Praxis skeptisch gegenüber. Der Tenor: Juniorentrainer zu finden, sei ohnehin genug schwierig. Solche Schikanen würden den Generalverdacht nähren. Mit diesen Worten will sich niemand zitieren lassen. «Ich will nicht dastehen als einer, der nicht genau hinschauen will», sagt ein Klubpräsident. Vom Schweizerischen Fussballverband bekommt er Unterstützung. Der Medienverantwortliche Marco von Ah sagt: «Gegenüber der Pflicht, einen Strafregisterauszug vorzuweisen, sind wir skeptisch, weil so Aufgaben aus dem Straf- und Massnahmevollzug an Private delegiert werden.» Neben dem Generalverdacht spreche der administrative Aufwand dagegen, dies flächendeckend einzufordern. Sämtliche Präsidenten der regionalen Klubs betonen, dass ihre Standards in den vergangenen Jahren verschärft wurden. Die Regeln für Juniorentrainer seien heute unmissverständlich: Der Zutritt zu den Garderoben ist nach dem Spiel verboten. Und in den Trainingslagern müssen mehrere Erwachsene dabei sein, die sich gegenseitig kontrollieren könnten.

Mehr Themen finden Sie in unserer gedruckten Ausgabe oder über E-Paper

Artboard 1