Schallendes Gelächter wird am 25. und 26. Oktober im Basler Kongresszentrum ertönen. Humorfachleute – Clowns ebenso wie Psychologen, Ärzte oder Kabarettisten – treffen sich zum Humorkongress, organisiert vom Verein Humorcare. Schwerpunkt ist Humor im Gesundheitsbereich, doch auch Lachen am Büro-Arbeitsplatz ist Thema. Unter den Referenten ist Udo Berenbrinker (62), der die Tamala-Clownschule in Konstanz leitet und Humortrainings für Firmen anbietet. Seine Hauptkunden sind Betriebe aus dem Gesundheitswesen, Banken und öffentliche Verwaltungen in Deutschland und der Schweiz.

Herr Berenbrinker, Sie beraten Führungskräfte. Wozu bringen Sie einem Boss Humor bei?
Udo Berenbrinker: Man spricht immer davon, dass Führung menschlicher werden soll. Humor hilft dabei.

Warum?
Wer mit Humor arbeitet, ist weniger verkrampft und steht über den Dingen. Das bringe ich den Leuten als Erstes bei.

Wie machen Sie das?
Mit körperlichen und sprachlichen Übungen. Ein paar wissenschaftliche Erkenntnisse gehören auch dazu.

Zum Beispiel?
Studien der Stanford Universität haben ergeben, dass Manager, die mit Humor arbeiten, leistungsfähiger sind und weniger an Burnout leiden. Führungskräfte in den USA werden sogar auf ihre Humorfähigkeit getestet.

Das klingt nicht lustig.
Stimmt. Die Amerikaner schiessen da etwas übers Ziel hinaus. Richtig daran ist: Leute, die mit Humor arbeiten, können ein Thema besser aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Was bedeutet «mit Humor arbeiten»?
Der Humor-Stil ist individuell. Die einen nutzen den sogenannten emotionalen Humor, indem sie mit Mimik und Gestik Gefühle zeigen. Andere sind schlagfertig, arbeiten mit Sprachwitz. Das nennt man den kognitiven Humor.

Wie sieht ein Training aus?
In der Regel dauert es zwei Tage. Nach einem spielerischen Anfang erkläre ich die Regeln der Komik, dann stellen wir Situation aus dem Alltag nach.

Und Manager machen das mit? Oder entstehen peinliche Situationen?
Durch die Übungen wird so schnell Fantasie freigesetzt, dass viele Ideen entstehen. In meinen Kursen wird von Anfang an viel gelacht.

Sie beraten Unternehmen im Gesundheitsbereich, aber auch Banken. Gibt es da grosse Unterschiede?
In der Medizin und der Pflege ist Humorarbeit heute Standard. Es wird viel in Teams gearbeitet, Führungskräfte müssen von Anfang an teamfähig und kommunikativ geschult sein. Und sie haben mit viel Leid zu tun. Damit sie darunter nicht zusammenbrechen, brauchen sie früh Gegenstrategien. Die Bereitschaft, Humor gezielt zu nutzen, ist gross. Bei Banken herrscht ein hierarchischeres System. Oft kommen da nicht die Führungskräfte zuerst zu mir, sondern das mittlere Kader.

Wen haben Sie in der Schweiz beraten?
Zum Beispiel die UBS, fast zwei Jahre lang. Und die Kader des Kantons St. Gallen. Vom obersten Verwaltungsmenschen bis hin zum Schuldirektor mussten sie bei uns durch. (lacht)

Am Kongress sprechen Sie über «Humor als Stressbewältigung». Kann Humor Stress vertreiben?
Wir können nicht ändern, dass wir viel zu tun haben. Aber die Einstellung dazu können wir verändern. Wenn ich Stress mit Humor angehe, entwickle ich eine innere Freude an dem, was ich tue. Das heisst nicht, Dinge nicht ernst zu nehmen, sondern im richtigen Moment eine gute Distanz zu gewinnen.

Innere Freude muss echt sein. Kann das jeder lernen?
Ja. Ich nutze die Strassberg-Methode, die kommt aus der amerikanischen Schauspielerei. Die Schauspieler lernen, Emotionen abzurufen und sie authentisch wieder zu erleben, auch Freude. Das kann man trainieren. Ebenso wie den Umgang mit den Gesetzen der Komik.

Welche sind das?
Erstens die Übertreibung. Zum Beispiel: Jemand lässt aus Versehen einen Stift fallen. Er hebt ihn auf und lässt ihn dann absichtlich gleich noch mal fallen. Das bringt einen Moment der Überraschung. Auch bei echten Missgeschicken kann es helfen, wenn man ein Drama draus macht. Dann wirkt etwas plötzlich lustig statt peinlich. Die Leute lachen automatisch.

Was sind die anderen Regeln?
Die zweite lautet: Brüche erzeugen. Also Dinge tun, mit denen keiner rechnet. Zum Beispiel, wenn die Luft schlecht ist im Büro: Das Fenster öffnen und dicke Luft mit grossen Gesten hinaus schaufeln. Die dritte Regel lässt jemanden Gefühle übermässig ausdrücken. Die vierte heisst Slow-Down, alles wird verlangsamt. Fünftens kann man Objekte verändern. Aus einem Stift wird ein Handy.

Kürzlich gab mir mein Chef eine neue Aufgabe, als ich gerade gehen wollte. Ich reagierte gestresst . Die humorvolle Alternative?
Als Erstes müssen Sie Distanz gewinnen.

Aber wie?
Es gibt zwei Wege. Zum Beispiel stellen Sie sich Ihren Chef mit roten Haaren oder mit Affenfell vor. Sie müssen innerlich lächeln, dann sind Sie nicht mehr negativ gestimmt. Und wenn Sie sprachlich geschickt sind, fällt Ihnen in dieser Zeitspanne ein guter Spruch ein. Der zweite Weg: Sie äussern die negativen Gefühle, aber stark übertrieben und mit sichtbarem innerem Schalk. Beides entspannt die Situation sofort. Reine Übungssache.

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