Daniel G. Graber ist überzeugt, dass die Bewilligung seiner sommerlichen After-Work-Meile am Fuss des Münsterhügels reine Formsache sei. Schliesslich hat der Verein Chill am Rhy im März 2012 die Bewilligung erhalten, während dreier Jahre jeweils an 66 Tagen am Rheinufer zu wirten.

Den Verein gibt es allerdings seit vergangenem Oktober nicht mehr. Er hatte keine gültige Adresse mehr und das einzige Vorstandsmitglied Daniel Graber war für die Behörden nicht zu erreichen, sein Aufenthaltsort unbekannt.

Graber schiebt «diverse Missverständnisse» vor, die zur Löschung des Vereins im Handelsregister geführt hätten. Wegen eines längeren Erholungsurlaubs habe er nicht kontaktiert werden können, er suche mit den Behörden jedoch nach einer Lösung. Davon ist allerdings wenig erkennbar. Diese Woche hat das Basler Zivilgericht auch die Em Basler sy Bier GmbH liquidiert. Diese Kleinbrauerei gehörte offiziell dem Verein, Graber war der einzige Zeichnungsberechtigte. Im Januar wurde ein Konkursverfahren eingeleitet, das nun «mangels Aktiven» eingestellt worden ist. Noch im Handelsregister eingetragen ist zwar die Chill am Rhy Betriebs GmbH. Doch da deren Gesellschafteranteile ebenfalls dem liquidierten Verein gehören, ist die Löschung eine Frage der Zeit. Sie wird fällig, sobald das Basler Handelsregister den Zustand registriert.

Formalien haben Graber seit Anfang Monat nicht daran gehindert, eine Medienkampagne für seine Chill-Pläne zu starten. Von «Telebasel» über «Radio Basilisk» bis zu «20 Minuten» verkündete er seine Pläne, nicht nur beim Münster die Partymeile wieder zu eröffnen, sondern im St. Johann-Park ein zusätzliches Chill im Park entstehen zu lassen.

Die Allmendverwaltung zeigte sich dem Anliegen gegenüber aufgeschlossen. Allerdings dränge nun die Zeit, erklärt Sprecher André Frauchiger auf Anfrage: Bis Ende Woche müsse Graber seine Gesuche einreichen, inklusive eines Businessplans, wie er die Aktivitäten finanzieren will.

Doch auch bei den Finanzen hapert es. Die Crowdfunding-Aktion, die Graber zur Geldbeschaffung angekündigt hatte, ist weiterhin bloss Ankündigung. «Wir sind uns dies erst am Überlegen», sagt Graber nun auf Anfrage. Nach der letzten Durchführung des Chill am Rhy im Jahr 2012 klaffte ein Loch von 60 000 Franken in der Kasse. Im vergangenen Jahr war Graber auf Tauchstation, sein Ex-Partner versuchte den Alleingang mit der Gründung einer neuen GmbH, vergeblich. Nun ist wieder Graber zur Stelle.

Dass es den Trägerverein, der eine gültige Bewilligung für das Chill am Rhy hat, gar nicht mehr gibt, hatte die Verwaltung bis zur Anfrage der «Schweiz am Sonntag» nicht gemerkt. Nun sagt Frauchiger: «Das ist schon speziell.»

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