Eine Volksinitiative, die Psychosekte Scientology zu verbieten, wird derzeit nicht gestartet. Dies hat am Samstagnachmittag der Verein «Gewaltfreie Aktion gegen Scientology Basel» (Gags Basel) an seiner Gründungsversammlung beschlossen. Von diesem Ziel werde nicht abgerückt, doch müsse eine Initiative juristisch sorgfältig abgeklärt werden, sagt Thomas Erlemann, Gründungsmitglied und erster Vereinspräsident. Mit Interesse werde deshalb ein Strafprozess gegen Scientologen in Brüssel verfolgt, der bei einer Verurteilung der Angeklagten in Belgien zu einem generellen Scientology-Verbot führen könnte.

Erlemann engagiert sich als Quartierbewohner gegen die Sekte, seit sie im Basler Hegenheimer-Quartier eine «Ideal Org» eröffnet hat. Der Verein zählt derzeit rund fünfzig Mitglieder. Da die Sekte auch in Zürich eine «Ideal Org» plane, könne auch eine «Gags Zürich» gegründet werden, sagt Erlemann.

Auch ohne Initiative sieht Erlemann die politische Arbeit gegen Scientology auf gutem Weg. Er sagt: «Überzeugen müssen wir niemanden mehr.» Es müsse jedoch noch besser dokumentiert werden, wie und wo Scientology etwa im Immobilienbereich aktiv sei. Vorgesehen sind auch weitere Aktionen beim Claraplatz, wo Scientology zur Anwerbung neuer Mitglieder eine Aussenstelle betreibt.

Einen Teilerfolg konnte Erlemann Ende Oktober auf juristischer Ebene verbuchen. Die Basler Staatsanwaltschaft stellte zwei Strafverfahren «wegen Fehlens des Tatbestandes» gegen Erlemann ein. Unterschrieben wurden die Verfügungen von Alberto Fabbri, dem Ersten Staatsanwalt, persönlich. Weitere Verfahren, die Scientology-Mitglieder etwa wegen Sachbeschädigung angestrengt haben, sind noch hängig.

Scientology-Sprecherin Annette Löffler sagt, weitere Mitglieder würden Anzeigen in Erwägung ziehen. Sie wollten jedoch abwarten, «ob die wenigen Agitatoren gegen Mitglieder der Scientology einsichtig sind und erkennen können, dass illegale Handlungen nicht akzeptiert werden und deshalb ihr diskriminierendes und Hass schürendes Verhalten einstellen werden».

Löffler geht davon aus, dass sich die «künstliche Kontroverse» um Scientology bald legen werde. Die Gründung von Gags Basel macht allerdings nicht diesen Eindruck.

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