Johannes Sieber hat sich eine Frist gesetzt. Sie verstreicht heute. Sieber ist Geschäftsführer von GayBasel, und die Netzwerk-Party der Gruppe sollte auch dieses Jahr auf dem Eventboot «Schiff» stattfinden, am 2. Juli. «Ich befürchte, dass das nicht möglich ist», sagt Sieber. Morgen Montag wolle er bei der neuen Mieterin, der Luis AG, nachhaken. Er hat guten Grund, pessimistisch zu sein: Die Luis AG hat ihm vor wenigen Wochen mitgeteilt, dass das «Schiff» an diesem Datum «eventuell noch nicht einsatzbereit» sei.

Hinter der Luis AG stehen Gastrounternehmer Simon Lutz («Acqua», «Kuppel») und Clubbetreiber Agron Isaku («Nordstern»). Die neuen Pächter wollten eigentlich am 11. Juni, rechtzeitig zur Art Basel, das «Schiff» in eine neue Ära gleiten lassen, mit einem Hybrid aus Restaurant, Sonnendeck, Bar- und Clubbetrieb. Ende Mai, so der Plan, hätte die «Expostar» beim Anlegeplatz in Kleinhüningen vor Anker gehen sollen. Derzeit wird das Schiff in einer Werft in Holland nach den Vorstellungen von Lutz und Isaku umgebaut.

Viele rostige Stellen
Nun wird sich die «Expostar» um mindestens drei Wochen verspäten, weil nicht nur die ursprünglich geplanten Umbauten für Club und Restaurant, sondern auch grundlegende Renovationen nötig geworden sind. Simon Lutz bestätigt entsprechende Recherchen: «Das Schiff war sehr sanierungsbedürftig, unter anderem wurden in Holland viele rostige Stellen entdeckt. Man sagte uns, dass strukturelle Überholungen nötig sind.» Details zu den Arbeiten nennt Lutz nicht, auch über die zusätzlich anfallenden Kosten schweigt er sich aus. Er sagt aber, dass diese von der Schiffseigentümerin, der Naveva AG, übernommen würden. Verwaltungsrat Michel Hopf wollte keine Stellung dazu nehmen.

Für die neuen Pächter ist die Verspätung mehr als ärgerlich. Lutz sagt: «Die Partys während der Art Basel müssen wir absagen. Dabei haben wir dafür bereits verschiedene Künstler und DJs gebucht.» Er betont aber, dass die Sicherheit der Gäste in jedem Falle vorgehe.

Wann das «Schiff» in Basel nun anlegen wird, kann Lutz heute nicht sagen. «Wir sind abhängig von den Werftarbeiten.» Er hoffe auf die Eröffnung im Juli. Kommende Woche soll eine entsprechende Sitzung Klarheit schaffen.

Nicht überrascht über die Verspätung ist der ehemalige Mieter des Schiffs, Hector Herzig. «Es wurde seit Jahren nicht mehr renoviert.» Mit seiner Tiefgang AG war Herzig mehr als ein Jahrzehnt Pächter des Eventboots, betrieb unter anderem einen Club im Schiffsbauch und das Restaurant Treibgut an Deck. «Wir haben die Expostar gepflegt, so gut wir nur konnten.»

Der Mietvertrag mit der Tiefgang AG wurde am 31. 12. 2015 vonseiten der Naveva AG beendet; unterdessen ist die Tiefgang AG Konkurs gegangen. Herzig sagt: «Durch die Kündigung wurde uns die Geschäftsgrundlage entzogen.» Altlasten, namentlich angehäufte Schulden aus dem Clubbetrieb, hätten dazu geführt, dass er vor wenigen Wochen die Bilanz deponiert habe. Groll gegenüber der Naveva AG hege er nicht, sagt Herzig. «Mit der Luis AG hat das Schiff eine schöne Perspektive.» Herzig hat unterdessen ein neues Unternehmen gegründet, die Mehrwert GmbH. Damit will er unter anderem zusammen mit Cécile Grieder, Mitinhaberin und Geschäftsführerin der Grenzwert-Bar, ein neues Restaurant betreiben, den «Roten Bären» an der Ochsengasse 17. Am 9. Juni wird Eröffnung gefeiert.

Neues Restaurantkonzept
Simon Lutz hat sich derweil wieder an alter Stätte eingerichtet. Sein Restaurant Acqua wird nicht wie geplant aufs Schiff zügeln, sondern trotz Baustelle auf dem Kuppelareal bleiben. Und zwar nicht nur so lange, bis das Schiff wieder anlegt, sondern dauerhaft. Dies wurde vergangene Woche via Gastromagazin «Fine to Dine» publik. Lutz sagt vage: «Die Baustellenkoordination wurde verbessert, sodass das ‹Acqua› bleiben kann.» Noch vor wenigen Wochen sagte er, ein Restaurant während der Baustelle zu führen, sei unmöglich. Ob seine Rückkehr damit zu tun hat, dass er nun doch für Baurechtszinsen aufkommen muss, darüber schweigt Lutz sich aus. Auf dem «Schiff» plant er, wenn es dann vor Anker geht, eine Art «Sommergastronomie» in Coproduktion mit einem Gastkoch. Details würden demnächst kommuniziert.

Johannes Sieber von GayBasel hat keine alternative Location für seine Party, wie er sagt. Diese wird nun wohl ins Wasser fallen.

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