Die Personalie der Woche endete vorläufig mit einer Medienmitteilung: «Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, meine Tätigkeit als Chefredaktor und Verleger unverändert weiterzuführen.» Markus Somm kommunizierte damit seinen Rückzug aus dem Rennen um die Chefredaktion bei der «Neuen Zürcher Zeitung». Für die Redaktion der «Basler Zeitung» war jedoch klar: Somm hat damit weniger ein Bekenntnis für seine «Basler Zeitung» abgelegt als vielmehr die machtpolitische Konsequenz gezogen, dass die Widerstände gegen seine Person in Zürich derzeit noch zu gross sind.

Seit August 2010 ist Somm Chefredaktor der «Basler Zeitung». Länger als fünf Jahre wollte er anfänglich die Zeitung nicht führen. Doch statt sich allmählich zu lösen, liess er sich dieses Jahr von Christoph Blocher noch stärker einbinden: Im April übernahm Somm das Amt des Verlegers, nachdem Filippo Leutenegger in die Zürcher Stadtregierung gewählt wurde. Im Juli schliesslich übernahm er wie Blocher selbst und der Verlagsmanager Rolf Bollmann einen Drittel der Aktien, nachdem die Medienvielfalt Holding von Tito Tettamanti den offiziellen Rückzug eingeleitet hatte. Somm schien nun fest mit der BaZ verknüpft. Ein Irrtum, wie die NZZ-Wirren zeigen: Die Stadt und die Zeitung sind weiterhin bloss ein Instrument, um sich für den politisch-medialen Grosskampf in Position manövrieren zu können.

Statt die NZZ in Zürich auf Kurs zu bringen, muss nun Somm die BaZ auf Kurs halten. Im operativen Bereich hat er diese Woche dafür etwa drei weitere Kündigungen von Redaktionsmitgliedern in den Bereichen Sport, Stadt und Produktion ausgesprochen, wie Betroffene auf Anfrage bestätigen.

Vom nationalen Parkett hat sich Somm jedoch nicht abgemeldet – im Gegenteil. Verschiedene Quelle bestätigen, dass er im kommenden Jahr ein Buch über die Schlacht von Marignano (1515) publizieren wird. Bereits im Oktober hat er sich in einem Leitartikel mit der verlorenen Schlacht der Eidgenossen in der Po-Ebene befasst. Nimmt man diesen als Leseprobe, so wird er in diesem Buch den nationalkonservativen Mythos des Sonderfalls Schweiz und der Glückseligkeit des Kleinstaates befeiern und damit zur publizistischen Provokation. Das Schlacht-Jubiläum wird im kommenden Jahr zur grossen ideologischen Auseinandersetzung um ein vorherrschendes Geschichtsbild. Während die allgemeine Lehrmeinung unter den Historikern die Bedeutung der Niederlage im Gesamtkontext der historischen Ereignisse relativiert, sehen konservative Historiker wie Somm darin den Beginn einer «einzigartigen Entwicklung».

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