Es ist ein Höhepunkt in seiner Karriere als Filmemacher: Am 5. August feiert «La femme et le TGV» mit Jane Birkin am Filmfestival in Locarno Premiere – produziert wurde der Kurzfilm vom Basler Giacun Caduff (37). Die «Schweiz am Sonntag» traf ihn beim Open-Air-Kino auf dem Münsterplatz.

Herr Caduff, die Premiere ist auch eine Premiere für Sie; noch nie wurde ein Film von Ihnen in Locarno gezeigt. Wurde langsam Zeit, oder?
Giacun Caduff: Naja, so eng sehe ich das nicht. Ich habe bis dato keinen Film gedreht, der ins Programm gepasst hätte. «20 Regeln für Sylvie» aus dem Jahr 2014, bei dem ich Regie geführt habe, war zu klamaukig. «La femme et le TGV» passt insofern, als der Film auf einer wahren Schweizer Gegebenheit beruht und eine wunderschöne Bildsprache hat.

Der Name Jane Birkin hat sicherlich auch Türen geöffnet.
Klar. Auch hinsichtlich Partnerschaften.

Inwiefern?
Wir haben eng mit den SBB zusammengearbeitet, haben am Hauptbahnhof Zürich gedreht und Innenaufnahmen im Zug gemacht. Und mithilfe der SBB durften wir den Film bereits früher in Locarno der Festivalleitung vorführen, im Dezember 2015.

Bedeutet die Teilnahme in Locarno ein Wendepunkt in Ihrer Karriere als Filmemacher? Kommt jetzt das grosse Geld?
Das ist eine Riesengeschichte für mich, ja. Aber wer mich kennt, weiss, dass es mir primär nicht ums Geld geht. Klar, ich muss leben können, aber zuerst kommt die Leidenschaft fürs Filmen. Regisseur Timo von Gunten und ich gelten in der Szene nicht umsonst als Low-Budget-Könige.

Bei «La femme et le TGV» konnten Sie aber aus dem Vollem schöpfen.
Stimmt, ich hatte für einen Film noch nie so viel Geld zu Verfügung. Der Bund und die Zürcher Filmstiftung haben einen grosszügigen Betrag gesprochen, noch bevor klar war, dass Jane Birkin mit von der Partie sein wird. Bei den andern klappte es erst beim zweiten Anlauf, etwa beim Schweizer Fernsehen oder dem Kanton Basel-Stadt.

Basel gilt nicht unbedingt als filmaffin.
Das sehe ich anders, ich habe schon oft Unterstützung von kantonaler Seite erfahren, auch von privaten Stiftungen. Das Interesse ist durchaus da. Auch bei «La femme et le TGV» ist privates Basler Geld geflossen.

Und jetzt sind Sie auf den Geschmack gekommen.
Inwiefern?

Dass die Arbeit mit einem soliden Budget eine leichtere ist.
Ich sehe das anders. Zu viel Geld kann die Sicht auf wirklich spannende Geschichten versperren, bei der Arbeit muss man verschiedensten Vorstellungen entsprechen. Mit Mini-Budget bist du vogelfrei und offen für neue, skurrile Geschichten – wie jene von «La femme et le TGV».

Apropos: Wie wurden Sie auf die Story aufmerksam?
Timo von Gunten hat vor drei Jahren im «Blick am Abend» darüber gelesen und mich angefragt, ob ich den Film produzieren wolle. Ich musste nicht lange überlegen; seine Filme haben eine wunderbare Bildsprache. Wenn ich Regie führe, ist das Ergebnis nicht ein visuelles Meisterwerk, der Film lebt von den Dialogen und Situationen. Die Zusammenarbeit war sehr lehrreich.

Wie sind Sie auf die ambitiöse Idee gekommen, Jane Birkin anzufragen?
Du musst in diesem Geschäft an das Unmögliche glauben! Birkin war klar unsere Traumbesetzung. Wir konnten durch Beziehungen Kontakt zu ihrem Agenten herstellen, und dann ging alles ziemlich schnell.

Sie hat sofort zugesagt?
Natürlich hat sie sich Zeit genommen, wir haben sie auch ein paar Mal in Paris besucht. Aber sie hat sich schnell in die Geschichte verliebt. Es war mehr die Frage, ob es gesundheitlich klappen würde, da sie krank ist.

Wie war es, mit einem solch grossen Star zusammenzuarbeiten? Hat sie keine Allüren?
Nein, im Gegenteil. Sie ist eine bescheidene, unglaublich angenehme Frau. Auch sehr einsam. Ich habe gespürt, dass ihr die Arbeit eine gewisse Lebensenergie zurückgibt. Sie hat das richtig aufgesaugt und geschätzt, von so vielen jungen Leuten umgeben zu sein, ist von Tag zu Tag mehr aufgeblüht.

Kommt Birkin am 17. August nach Basel? Dann wird «La femme et le TGV» im Rahmen des Open-Air-Kinos gezeigt.
Das ist durchaus möglich, ja. Versprechen kann ich aber nichts.

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