Von Annika Bangerter

Basels Katholiken sind empört und verlangen eine Entschuldigung vom reformierten Kirchenratspräsidenten Lukas Kundert. Dieser beschuldigte diese Woche Personen aus dem «katholischen Milieu» für die Besetzung der Matthäuskirche. Damit entfachte er einen Streit zwischen Vertretern der katholischen undder reformierten Landeskirche.

Der Fribourger Theologe und Kirchenhistoriker Mariano Delgado kritisiert den öffentlich ausgetragenen Konflikt. Er sieht darin jedoch keinen Zwist zwischen den Konfessionen. Vielmehr führt er die Debatte auf Auseinandersetzungen innerhalb der einzelnen Kirchen zurück.

Herr Delgado, sind Sie erstaunt über die Vorwürfe zwischen der reformierten und der katholischen Kirche?
Mariano Delgado: Ja, vor allem die Schärfe der Vorwürfe überrascht mich. Die Konfessionen sollten keinen Konflikt führen, wenn es um Migration und Flüchtlinge geht. Bei diesen aufgeladenen Themen braucht es zwischen den Landeskirchen Konsens und Solidarität. Die Töne, die in Basel angeschlagen werden, sind äusserst bedauerlich.

Ist Basel ein Einzelfall oder besteht ein Dissens zwischen der reformierten und der katholischen Kirche im Umgang mit Asylsuchenden?
Auf der übergeordneten Ebene herrscht Einigkeit. Tatsache ist aber, dass es in lokalen Gemeinden Personen gibt, die davon abweichen.

So wie der reformierte Kirchenrat in Basel?
Ich kenne den Fall nur aus der Presse und möchte dem reformierten Kirchenrat keine fehlende Barmherzigkeit unterstellen. Es entsteht aber der Eindruck, dass ihm die Besetzung von Anfang an nicht genehm war. Das ist auch ein Fehler der Aktivisten. Sie haben es verpasst, eine Gemeinde ausfindig zu machen, die sie willkommen heisst. Das scheint ihnen der jesuitische Seelsorger der Universität Basel geraten zu haben. Dass nun daraus ein Streit zwischen den Konfessionen gemacht wird, ist unnötig.

Ist die Replik vom reformierten Kirchenratspräsidenten, dass die Bewegung aus dem katholischen Milieu stamme, Provokation oder Verteidigung?
Ich führe seine Äusserungen auf ein Kommunikationsproblem zwischen der reformierten und der katholischen Kirche in Basel zurück. Es würde sich lohnen, wenn die Basler Verantwortlichen der beiden Landeskirchen zusammensässen. Sie sollten sich darauf besinnen, dass sie mit der Bibel eine gemeinsame Matrix haben. Es muss unbedingt vermieden werden, dass in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck entsteht, dass sich die Kirchen unsolidarisch verhalten oder in der Asylfrage keinen Konsens finden.

Wäre die Besetzung in einer katholischen Kirche anders ausgegangen?
Nein, sie ist in dieser Frage nicht grosszügiger eingestellt als die reformierte Kirche. In beiden Landeskirchen findet man Vertreter, die eine Besetzung unterstützen oder ablehnen. Der Streit verläuft nicht zwischen den Konfessionen. Vielmehr gibt es innerhalb der Kirchen verschiedene Meinungen. Da dies nicht die letzte Kirchenbesetzung sein dürfte, müssen sich die Vertreter auf beiden Seiten überlegen, wie sie mit solch einer Situation künftig umgehen wollen.

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