Von Rahel Koerfgen

Sie reisen nicht nur mit der Zahnbürste, bequemen Turnschuhen und dem Fotoapparat im Gepäck an, sondern auch mit einer Menge Fragen: Touristen, die Basel besuchen. Fragen wie: «Mit welchem Tram komme ich zur Fondation Beyeler?», «Wann fährt die letzte Fähre?» oder «Wo finde ich ein koscheres Restaurant?». Während die ersten beiden für die meisten Einwohner Basels leicht zu beantworten sind, geraten viele bei der letzten Frage ins Stocken.

Geht es nach Tourismusdirektor Daniel Egloff, sollte es mit diesem Unwissen bald vorbei sein. Mitte Juli hat Basel Tourismus die Lernplattform «Du bist Basel» lanciert. Auf der Website werden in zwölf Modulen die wichtigsten Fakten zu Basel spielerisch aufgezeigt und danach getestet. Bei Bestehen der Tests erhält der User verschiedene Diplome und kann sich so zum «Basel-Botschafter» ausbilden.

Bis dato haben sich rund 1100 Personen registriert. Tourismusdirektor Daniel Egloff sagt auf Anfrage, das sei deutlich mehr, als man in den ersten Monaten erwartet habe. Bis in drei Jahren hofft er auf rund 3000 Diplomierte. Eine erste Auswertung der Userstatistik zeigt, dass knapp zwei Drittel Personen aus tourismusnahen Betrieben sind, der Rest Private.

Egloff rührt derzeit eifrig die Werbetrommel: Vor wenigen Wochen führte er das komplette Polizei-Korps, rund 1000 Personen, durch das neue Tool. Er geht aber auch Hoteldirektoren an, dass sie ihre Mitarbeiter motivieren, den Online-Kurs über Basel zu absolvieren. «Wir wollen all jenen Berufsgruppen mit Kontakt zu Gästen ein Instrument bieten, ihre Gastfreundschaft und Beratungskompetenz zu erhöhen.» Das entscheide oft über einen Zweitbesuch der Touristen, denn seit der Erstarkung des Frankens sei Freundlichkeit enorm wichtig, um die hohen Preise zu rechtfertigen.

Will Egloff damit sagen, dass Basel nicht freundlich genug ist? «Im Gegenteil, Basel belegt im nationalen Freundlichkeits-City-Ranking den Spitzenplatz», sagt der Tourismusdirektor. Er bezieht sich dabei auf eine Studie vom Juli, die im Auftrag von hotelleriesuisse und Schweiz Tourismus durchgeführt wurde. Zum Entscheid, den Kurs zu lancieren, hätten vielmehr gute Erfahrungen mit einem ähnlichen Lernmodul im Hinblick auf die Euro2008 geführt, sagt Egloff. Damals beliefen sich die Kurskosten für 600 Personen auf 70 000 Franken. Die Realisierung von «Du bist Basel» hat total 80 000 Franken gekostet und kann von einer unbegrenzten Zahl Personen absolviert werden. Der Betrag setzt sich aus 50 000 Franken für die Website und 30 000 Franken internen Lohnkosten bei Basel Tourismus zusammen. Es handelt sich um einen einmaligen Betrag; für den Unterhalt der Website seien keine grossen Ausgaben mehr nötig, so Egloff. Die Hälfte des Gesamtbetrags trägt der Bund via seinem Innovationsförderungsfonds. Die Website www.dubistbasel.com gebaut und konzipiert hat die Tourcomm Germany, eine deutsche Firma, die sich auf Tourismus-Marketing spezialisiert hat. Egloff betont: «Die Plattform kommt qualitativ top daher, sowohl inhaltlich als auch technisch.»

Der Test zeigt: Die Website ist selbsterklärend und einfach aufgebaut, mit der Technik hapert es aber hin und wieder. In den Modulen werden Themen wie Sehenswertes, Kulinarisches oder Stadtgeschichte vermittelt. Auch ein Gastgeber-Knigge ist dabei, mit Wissenswertem zu diversen Nationen. Die Fragen sind für Basel-Kenner indes sehr leicht zu beantworten. Darauf angesprochen sagt Egloff, dass sich die Plattform besonders an Personen richte, die neu in Basel sind oder nur für ein paar Jahre in der Stadt arbeiten. Caroline Jenny, Sprecherin des Hotels Les Trois Rois in Basel, bestätigt: «Gerade für Mitarbeiter aus dem Ausland ist dies ein geniales Tool.» Das Hotel halte seine Angestellten – auf freiwilliger Basis – an, den Kurs zu absolvieren.

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