In der Schweiz besitzen bereits mehr als eine Million Menschen ein Fitnessabo. Durchtrainierte Körper liegen im Trend, besonders bei jungen Erwachsenen. Die Zahl der Fitnesscenter nimmt in der Region zu; waren es in Basel-Stadt im Jahr 2014 noch 43 Studios, sind es heute gut fünfzig. Baselland zählt mehr als siebzig Fitnessclubs. Nahezu jeden Monat erscheint eine entsprechende Baupublikation, in der Stadt oder auf dem Land. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Pläne für kleine, aber auch vereinzelt um grössere Studios. Etwa ein weiteres der Migros: Am 31. März eröffnet der Detailhändler nach dem Standort an der Heuwaage und in Frenkendorf sein drittes Fitnesscenter in der Region. An der Clarastrasse kann auf 1200 Quadratmetern dem Körperkult gefrönt werden. Die Migros investierte 2,3 Millionen Franken in das Projekt.

Nun erhält sie unmittelbare Konkurrenz. Ebenfalls im März eröffnet die Ostschweizer Update Fitness ihr erstes Center in Basel an der Elisabethenanlage, zwischen Bahnhof SBB und Heuwaage gelegen und damit in nächster Nähe zum Migros Fitnesscenter. Dahinter verbirgt sich Coop, der auch einen Teil des Kuchens für sich beanspruchen möchte. Der Basler Detailhändler stieg im April 2016 ins Geschäft mit der Fitness ein, als er sich mit 51 Prozent an Update beteiligte. Laut Coop-Sprecher Ramon Gander soll das Center 365 Tage im Jahr geöffnet sein und Fitness, Betreuung sowie Gruppenstunden und eine Kinderwelt auf mehr als 1400 Quadratmetern anbieten; die Bauarbeiten sind im Gange. Im Frühling folgt in Oberwil eine weitere Update-Anlage. «Wir sind grundsätzlich daran interessiert, in der Region Basel noch mehr Fitnesscenter zu eröffnen», sagt Gander. Coop sehe weiteres Potenzial in diesem Bereich.

Dumpingpreise sorgen für Ärger
Coop steigt in Basel mit Kampfpreisen ein. Seit der Gründung von Update Fitness im Jahr 1997 liegt der Jahresabopreis bei 690 Franken – in allen heute bestehenden 24 Anlagen. Zum Vergleich: Im neuen Migros Fitnesscenter an der Clarastrasse beträgt der Preis für eine zeitlich unlimitierte Jahreskarte inklusive Gruppenkursen 990 Franken. Bis zur Eröffnung gibt es allerdings 25 Prozent auf Jahresabonnemente. Nadine Kleiber, Sprecherin der Migros Basel, sagt: «Unser Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut, die Besucherzahlen bestätigen die Qualität des Angebots.» Das neue Fitnesscenter Clarastrasse biete nicht nur «eine Vielzahl an modernen Kraft- und Fitnessgeräten, sondern auch eine Sauna und ein Ruheraum stehen bereit». In den Studios von Update Fitness fehlt ein Wellnessbereich.

Trotzdem stellt sich die Frage, wie der Dumpingpreis bei Update Fitness möglich ist. Am Standort Elisabethenanlage wird Update der Immobilienbesitzerin Swiss Life jeden Monat rund 30 000 Franken Miete zahlen müssen, schätzt die «Schweiz am Sonntag» aufgrund des Preises eines aktuell aufliegenden Inserats in derselben Liegenschaft. Gander von Coop sagt etwas vage: «Die Teuerung und die Kosten des erweiterten Angebots werden über die Jahre durch das Nutzen von Synergien aufgefangen.»

Der Besitzer eines kleinen Studios in Basel, der nicht namentlich erwähnt werden möchte, sagt dazu: «Die machen das mit der Menge an Fitnesscentern. Als Einzelmaske hat man es heute sehr schwer.» Die Kunden wollten alles, sagt er weiter: «Also nicht nur superschicke Trainingsflächen und modernste Geräte, sondern auch Wellness und am besten noch die Beratung und Betreuung eines Physiotherapeuten und Ernährungsberaters. Und das alles zu einem möglichst günstigen Preis.» Noch vor vier Jahren habe sich der Durchschnittspreis für ein Jahresabonnement in Basel bei 1000 Franken bewegt, «heute bei etwa 800 Franken». Ein kleiner Anbieter wie er könne bei solch gestiegenen Ansprüchen und gleichzeitig erodierenden Preisen kaum überleben. Der Studiobesitzer ist wütend: «Dumping-Angebote wie jene von Coop versauen das Geschäft.»

Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft in Basel nicht nur Center eröffnen, sondern auch welche schliessen werden. Wie etwa Basels ältester Fitness-Club John Valentine, der Ende 2015 dicht machte. Das Geschäft mit der Fitness ist ein kräftezehrendes.

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