An der Muba vom 14. bis 23. Februar kommt es zu einer Premiere: Erstmals präsentiert sich eine Fasnachtsgesellschaft an der Messe. Die Junge Garde der Schnurebegge wird auf dem Messeplatz, der neu ins Ausstellungskonzept einbezogen wird, um die Gunst des jungen Publikums werben. Inmitten eines Hüttendorfs, das die heimelige Bergwelt imitieren soll, werden die Fasnächtler gemeinsam mit der Robi Spielaktion auf das vom Aussterben bedrohte Basler Brauchtum aufmerksam machen. An Publikum mangelt es der Basler Fasnacht nicht, aber an jungen Aktiven. In den Muba-Hütten will die Fasnachtsgesellschaft deshalb Kinder rekrutieren.

Angelockt wird der Nachwuchs mit diversen Aktivitäten: Kinder können Fasnachtsfiguren bemalen, Larven basteln, Piccolos und Trommeln ausprobieren sowie in Kostüm und Larve Orangen werfen und Räpplischlachten veranstalten. Dekoriert wird der Fasnachtsauftritt mit der Zugslaterne der Jungen Garde von 2013. Jene Kinder, die sich an der Muba mit dem Fasnachtsvirus infizieren, werden zu einer Probefasnacht eingeladen. Sie können mitlaufen, ohne Mitglied zu sein. Cédric Rudin, Obmann der Jungen Garde, erklärt: «Es geht darum, Kinder, die nicht aus einer traditionellen Familie stammen, für die Fasnacht zu begeistern.» Seine Clique verfolgt dieses Ziel nicht nur an der Muba: Sie empfängt Schulklassen auch im Probelokal und tritt in Kinder-Ferienstädten oder am Claramatte-Fest auf.

Ohne diese Werbeaktionen gäbe es die Junge Garde der Schnurebegge nicht mehr. Im Jahr 1998 zählte sie 43 Mitglieder. Danach schrumpfte der Bestand auf fünf Kinder zusammen. Nun erholt er sich wieder. Derzeit engagieren sich 24 Kinder. Die Basler sind in der Jungen Garde neuerdings in der Minderheit. Die Eltern der Kinder stammen aus 15 Nationen. Andere Cliquen haben es verpasst, bei der Nachwuchssuche andere Bevölkerungsschichten anzusprechen. Exemplarisch zeigt sich das Problem bei der Basler Mittwoch-Gesellschaft 1907.

Die Jahreszahl im Namen verdeutlicht das Traditionsbewusstsein des Männervereins. Die Mittwoch-Gesellschaft hat Geschichte geschrieben: 1909 gründete sie die erste Junge Garde Basels. Darauf war man besonders stolz. Heute gibt es keinen Anlass mehr dafür. 1999 hat sich die Junge Garde mangels Mitgliedern aufgelöst. Da die Statuten der Mittwoch-Gesellschaft eine Junge Garde immer noch vorsehen, spricht Präsident Alain Grimm allerdings nicht von einer Auflösung, sondern von einer Sistierung. «Es ist für mich nicht ausgeschlossen, dass wir eines Tages wieder mit Nachwuchs auflaufen oder zumindest den Versuch unternehmen», sagt er. Denn eine eigene Nachwuchsabteilung sei für die Identität und Kultur einer Fasnachtsgesellschaft unabdingbar.

Die Junge Garde der Mittwoch-Gesellschaft scheiterte aus unterschiedlichen Gründen. «Dass wir eine Männerclique sind, mag für viele der entscheidende Grund sein», sagt Grimm. Trotzdem sei er überzeugt, dass für die verbliebenen Männercliquen «der Markt gross genug ist», um eine eigene Nachwuchsabteilung zu unterhalten. Die Massnahmen hätten aber schon früh getroffen werden sollen. Das wurde verpasst. «Rückblickend würde ich sagen, dass bei uns verstärkt Massnahmen bereits in den 80er-Jahren hätten ergriffen werden müssen. Also zu einer Zeit, in der das Interesse gross und der Zulauf noch ein Selbstläufer war», meint Grimm. Die Bemühungen in den 90er-Jahren seien zu spät gekommen. Vielleicht habe es auch am Durchhaltewillen gefehlt, sagt Grimm. Zumindest diesen Vorwurf wollen sich die Schnurebegge dank ihrer Muba-Aktion später nicht machen müssen.

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