Die Hauptattraktion der Herbstmesse stiess gestern Mittag nach der Eröffnung auf verhaltenes Interesse: Schlange stehen musste man nicht, um auf dem Freefall Tower ins Loch zu fallen. Der 80 Meter hohe Turm steht zum zweiten Mal nach 2014 in Basel. Schon früher gab es Freifalltürme, doch keiner war so hoch. Dieses Jahr ist der Turm erstmals in der kreisrunden Öffnung des Messezentrums platziert. Was die Premierengäste nicht wussten: Es handelt sich auch um eine Derniere.

Schausteller Hanspeter Maier erwarb den Freifall-Turm 2014 von einer österreichischen Herstellerin für drei Millionen Franken. Eigentlich wollte er ihn mehrere Jahre betreiben. Doch er sagt, wenn der Preis stimme, verkaufe er sämtliche seiner Bahnen jederzeit. Den 80-Meter-Turm schrieb er in einer Schaustellerfachzeitschrift und auf einer Internetplattform aus, rechnete aber nicht damit, schon jetzt einen guten Preis zu erzielen. Das unwiderstehliche Angebot kam aus China: Eine Firma zahle ihm zwei Millionen Franken für den Freifall-Turm und eine Million für seine Schaukel. «Ich bin ein Glückspilz», sagt er. Maiers Glück war, dass die Chinesen bereit waren, einen hohen Preis zu zahlen, da sie den Turm bereits im Dezember an einer Messe in Hongkong aufstellen wollen. Innert dieser Frist kann die Herstellerin nicht liefern, die inzwischen einen moderneren Turm anbietet. Deshalb mussten sich die Chinesen nach Occasion-Ware umschauen. Welche Firma die Käuferin ist, kann Maier nicht sagen: «Das ist zu kompliziert für mich.» Der Kontakt sei über einen Mittelsmann abgewickelt worden.

Die letzten freien Fälle bietet Maier zum Sonderpreis an: Für die diesjährige Herbstmesse senkt er den Eintrittspreis von zehn auf acht Franken. Für das Geld saust man auf der Bahn allerdings nur ein einziges Mal in die Tiefe. Standortmarketing-Leiterin Sabine Horvath frohlockte vor den Medien, dass auch andere Bahnen ihre Preise senken würden. Beispiele kann sie auf Anfrage jedoch keine nennen. Eine Umfrage bei Bahnbetreibern zeigt, dass die Preise der wichtigen Attraktionen unverändert bleiben. Das Riesenrad kostet wie 2014 zehn Franken. 2013 waren es neun. Paul Läuppi, Betreiber der Calypso-Bahn, kommentiert Maiers Preissenkung: «Wahrscheinlich war er im ersten Jahr zu teuer.»

Den Erlös aus dem Verkauf hat Maier bereits in eine neue Bahn investiert: Nächstes Jahr biete er ein 80 Meter hohes Kettenkarussell an. Somit ist es 30 Meter höher als jenes, das früher von einem deutschen Anbieter auf dem Kasernenplatz aufgestellt wurde. Ob er seinen neuen Turm ebenfalls in den Messe-Donut stellen könne, wisse er noch nicht.

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