Vor neun Jahren verkaufte Syngenta drei Viertel ihres Industrieareals Rosental. Die Basler Regierung reagierte nur zögerlich, den Zuschlag erhielten deshalb zwei anonyme Gesellschaften aus Gibraltar. Erst Jahre später wurde bekannt, dass dahinter die Londoner Fordgate-Gruppe der Gebrüder Mendi und Moises Gertner stecken. 270 Millionen Franken sollen die spekulierenden Immobilienunternehmer bezahlt haben. Um das Areal nachhaltig zu entwickeln, fehlte jedoch nicht nur der Wille, sondern bei den Eigentümern zunehmend auch das Geld.

Der Wiederverkauf wurde seit rund einem Jahr vorbereitet, rund die Hälfte der Immobilien dabei wieder in eine Schweizer Firma Midus Basel AG überführt. Aus Unterlagen geht hervor, dass für diesen Teil von einem Buchwert von 150 Millionen Franken ausgegangen wurde. Für das Gesamtareal kann der Buchwert deshalb auf 300 Millionen Franken geschätzt werden.

Wäre die Infrastruktur stetig modernisiert worden, läge der Ertragswert für die 120 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche gemäss einem Immobilienunternehmer bei knapp 500 Millionen Franken. Doch neben dem Investitionsstau wirken sich weitere Gründe preismindernd aus: Mit BASF zieht in den nächsten Jahren ein Grossmieter aus und der Boden ist nach jahrzehntelanger Industrienutzung mit Schadstoffen versetzt.

Die Immobilienverwaltung von Basel stand seit vergangenem Oktober in Kaufverhandlungen. In einer ersten Runde waren 15 bis 20 Investoren geladen. Ausser Basel-Stadt und Immobilienfonds von Banken waren es mehrheitlich ausländische Anleger aus dem chinesischen und arabischen Raum. In der zweiten Runde waren lediglich noch drei Bieter im Rennen. Basel-Stadt bot den besten Preis. Der Verkäufer hat sich vertraglich Stillschweigen über den Preis ausbedungen. Rund 400 Millionen dürften es aber wohl sein, die Immobilien Basel im kommenden Jahr in ihrem Jahresbericht für die Übernahme ausweisen wird.

Rolf Borner, Geschäftsführer von Immobilien Basel, spricht von einer grossen Chance, die sich Basel biete, und hält die Risiken für überschaubar. Das Areal sei zwar im Risikokataster verzeichnet, doch sanierungspflichtig sei es nicht. Im Rahmen der Buchprüfung habe das Amt für Umwelt und Energie eine Schadstoffprüfung vorgenommen, was in den Kaufpreis eingeflossen sei. Dass BASF das Areal verlassen werde, sieht Borner sogar eher als Vorteil, da damit eine gewisse Handlungsfreiheit geschaffen werde.

Basel-Stadt begründet den Kauf nicht zuletzt mit dem Potenzial des Areals. Selbst innerhalb der geltenden Zonenplanung könne die Geschossfläche um zwei Drittel auf 200 000 Quadratmeter erweitert werden. Dies ergebe Raum für 4000 Arbeitsplätze, meint Borner. Die rosa Perspektive ist allerdings mit erheblichen Investitionen verbunden, die ein Mehrfaches des Kaufpreises ausmachen. Borner sagt, eine entsprechende Planung könne nun an die Hand genommen werden.

Möglich sei, das Grossgrundstück in einzelne Parzellen zu teilen und diese im Baurecht an Investoren abzutreten. Gleichzeitig werden jedoch etwa im Klybeck weitere Industrieareale frei. Deshalb ist nicht absehbar, ob sich potente Industriefirmen finden, die eingerahmt von Wohngebieten auf dem Rosental in neue Anlagen investieren wollen.

Das finanzielle Risiko ist für die Regierung allerdings kleiner, als es das politische gewesen wäre, hätte sie das Rosental nicht erworben. Gross wäre der Aufschrei gewesen, hätten chinesische Investoren nach Syngenta auch noch den Rest des Rosental-Areals übernommen. Und nach der Annahme der Bodeninitiative stehen die Basler Verwalter besonders gut da: Nach dem Zukauf können sie nun gegen 50 000 Quadratmeter Kantonsboden verkaufen – und erfüllen die Kriterien der Initiative weiterhin.

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