Nun mache er erst einmal Ferien, erklärte Carlo Conti Anfang Juli, als er sein Amt als Basler Gesundheitsdirektor abgab. Doch so leicht lässt sich seine Regierungszeit nicht abhaken. Die 110 000 Franken, die er neben seinem Volljob als Regierungsrat zu viel an Honoraren bezogen hatte, liegen zwar wieder in der Staatsschatulle, doch aus dem Schneider ist Carlo Conti damit nicht. Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage, dass sie im Zusammenhang mit der Honorar-Affäre ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Es werde abgeklärt, ob und von wem Straftaten begangen worden sind. Sollte dies der Fall sein, werde die Abteilung für Wirtschaftsdelikte eine Untersuchung gegen die betroffenen Personen eröffnen, sagt Sprecher Peter Gill.

Doch eine Unbill kommt nicht allein. Auf Anfang August hat Conti nicht nur in der Anwaltskanzlei Wenger Plattner ein Büro als Konsulent bezogen. Er hat vielmehr bereits auch bei der privaten Konkurrenz angeheuert: Bei der Aargauer RehaClinic AG, einem Verbund von sechs Rehabilitationskliniken, trat er als Verwaltungsrat an. Bei der Basler Schmerzklinik wird er Verwaltungsratspräsident.

Als Bundesrat Moritz Leuenberger (SP) kurz nach seiner Demission dem Verwaltungsrat des Baukonzerns Implenia beitrat, wurde dies politisch breit als völlig deplatziert gebrandmarkt. Die Basler Nationalrätin Silvia Schenker (SP) sagt nun, Conti verhalte sich genau gleich wie Leuenberger. Sie fordert die Basler Politik auf, darüber zu debattieren, was für einen Alt-Regierungsrat gehe und was nicht.

Conti spielt auf allen Bühnen: Bis Ende Jahr ist er auch noch Verwaltungsrat beim Universitäts-Kinderspital beider Basel. Was daraus wird, ist offen. Ob dieses Mandat verlängert wird, sei nicht entschieden, sagt Jürg Diezig vom Basler Gesundheitsdepartement.

Conti sagt: «Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich wegen meiner früheren Tätigkeit als Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt in der Ausübung meiner neuen beruflichen Tätigkeit als Rechtsanwalt ein spezifisches Augenmerk haben muss, wenn Interessen des Kantons Basel-Stadt betroffen sein könnten.»

Conti, der ausgewiesene Gesundheitsexperte und Expräsident der Gesundheitsdirektoren-Konferenz, hatte angeblich verschiedenste Mandatsangebote. Den Zuschlag gab er jedoch dort, wo die CVP-Connection spielte. Sowohl die RehaClinic wie Genolier sind fest in CVP-Hand. Bei Genolier spinnt Ex-CVP-Generalsekretär Raymond Loretan die Fäden. Für ihre Freiburger Klinik holte die Gruppe den ehemaligen CVP-Bundesrat Joseph Deiss in den Verwaltungsrat. Im Verwaltungsrat der Aargauer Klinik sitzt CVP-Nationalrätin Ruth Humbel, die auch Verwaltungsrätin der RehaClinic AG ist. Damit schliesst sich für Conti der Kreis.

Bei Genolier gehört es zur Strategie, ihren Kliniken mit einer Galionsfigur eine «lokale Identität» zu bewahren und sich lokales regulatorisches Know-how zu sichern, sagt Genolier-Sprecher Edwin van der Geest von der PR-Agentur Dynamics Group. Die vom Walliser Antoine Hubert und dem Franzosen Michel Reybier beherrschte Gruppe ist mit 15 Kliniken in zehn Kantonen schon heute die Nummer zwei der Privatkliniken hinter der Hirslanden-Gruppe. Sie will mehr: 25 Kliniken in 15 Kantonen sollen es werden. Expansionskapital ist reichlich vorhanden, da neue Anleihen jeweils in kürzester Zeit gezeichnet werden. Der Umsatz wird zugekauft: 2012 betrug er 70 Prozent, im Folgejahr 30 Prozent und 2014 soll er durch die Integration der Luxus-Hotel-Gruppe Victoria-Jungfrau um weitere 30 Prozent auf 600 Millionen Franken anwachsen.

Die Schmerzklinik Basel spielt mit einem Umsatz von geschätzten 15 Millionen Franken eine marginale Rolle im Konzern. Als einzige auf Rheuma- und Schmerzbehandlung spezialisierte Klinik sind auch keine spezifischen Synergien mit der Gesamtgruppe erkennbar, wie Sprecher van der Geest einräumt. Doch auf der Genolier-Landkarte ist nun auch Basel besetzt und erst noch mit dem prominenten Namen Conti.

Das medizinische Aushängeschild der Schmerzklinik bleibt vorläufig der bisherige Mehrheitsaktionär Guido Gallacchi. Nach Branchengerüchten war seit einiger Zeit bekannt, dass er verkaufswillig sei. Das Interesse hielt sich allerdings in Grenzen, bis Genolier einstieg und Gallacchi teilweise in Aktien auszahlte. Genolier, die sich vergeblich auch um das Claraspital bemühte, würde in der Region gerne weiter zukaufen, sagt van der Geest. Doch derzeit sei nichts auf dem Markt, heisst es übereinstimmend. Daran wird wohl auch Alt-Regierungsrat Carlo Conti nichts ändern.

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