Die Erwartungen sind hoch. Auf drei bis fünf Millionen Dollar schätzt das Auktionshaus Christie’s das Gemälde des früchteschälenden Knaben des italienischen Meisters Michelangelo Merisi da Caravaggio, kurz Caravaggio. Das Gemälde vom Ende des 16. Jahrhunderts in die Auktion eingebracht hat nach eigenen Angaben der Luzerner Immobilienunternehmer Hermann Beyeler. Als Inhaber des Buss- und Wasa-Industrieareals geschäftet er mittlerweile vor allem in Pratteln.

Als Kunstsammler ist Beyeler bisher vor allem durch das Bild «Ceres» ins Gespräch gekommen, das Peter Paul Rubens zugeschrieben wird und derzeit in einem Tresor der Galerie Beyeler Collection auf dem Prattler Firmengelände hängt. Im Basler Kunstmuseum war zeitweise sein Gemälde «Das Gastmahl von Belazar» von Frans Francken ausgestellt. Welche weiteren Werke Beyeler gehören, ist nicht bekannt. Nun wird über die Auktion, die am 28. Januar in New York über die Bühne geht, öffentlich, dass Beyeler im Besitz weiterer Altmeister ist.

Von Caravaggios Darstellung des «Fanciullo che monda un pomo» gibt es verschiedene Varianten. Die wohl bekannteste ist bei der British Royal Collection ausgestellt. Für die New Yorker Auktion ist Beyelers Bild dennoch mit dem höchsten Schätzwert die Attraktion auf der Liste der Alten Meister. Dies beruht nicht zuletzt auf seiner Provenienz, die bis ins 18. Jahrhundert zu Sir Joshua Reynolds zurückreicht, dem britischen Maler und Begründer der Royal Academy of Arts. In den vergangenen vierzig Jahren machte das Bild eine Reise von London nach Italien, erneut über London nach Tokio, bis es vor einigen Jahren bei Beyeler landete.

Seit wann Beyeler im Besitz des Caravaggios ist, will der Kunstsammler nicht ausführen. Die gleiche Zurückhaltung übt er auch im Zusammenhang mit dem zweiten Bild, das von Christie’s angeboten wird: Die Eisläufer auf dem gefrorenen Fluss Lek aus dem Jahr 1653 vom Maler Salomon van Ruysdael.

Salomon Ruysdael ist in der verzweigten Malerfamilie der Onkel des berühmteren Jacob Isaakszoon van Ruisdael, doch auch Bilder des Älteren sind von beträchtlichem Wert. So schätzt Christie’s das Gemälde auf 800 000 bis 1,2 Millionen Dollar. Beyeler meint, der Preis könne durchaus noch viel höher klettern. Selbst einen zweistelligen Millionenbetrag schliesst er nicht aus.

Auf die Herkunft des Bildes ist Beyeler besonders stolz. So war es bis 1909 im Besitz des belgischen Königs Leopold II. In den 1930er-Jahren war die Landschaftsmalerei etwa an der Weltausstellung in Brüssel zu sehen, in den 1950er-Jahren kurz in Rom und Anfang des neuen Jahrtausends in einer Ausstellung, die in Berlin und Hamburg gezeigt wurde.

Beyeler hatte das Bild von Ruysdael nach eigenen Angaben vor einigen Jahren bei einem Berliner Galeristen gekauft. Bereits im Januar 2013 wollte er es bei Christie’s versteigern lassen. Doch dazu kam es vorerst nicht. Eine Verwandte des deutschen Galeristen habe vor der Auktion Eigentumsrechte angemeldet. Dies führte dazu, dass das Gemälde vom Auktionshaus bis zur Klärung der Ansprüche einbehalten wurde, erklärt Beyeler. Sein Anwalt Martin Wagner sagt: «Weil die Anspruch erhebende Verwandte vor Gericht nicht auftauchte, ist erwiesen, dass der Anspruch unbegründet war.» Deshalb wird das Bild nun mit zweijähriger Verspätung erneut versteigert. In knapp drei Wochen ist bekannt, was der Kunstmarkt dafür bezahlt.

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