Die Billigbus-Firma Mein Fernbus überrollt Basel: Täglich fahren 22 Busse nach Paris, Lyon, Mailand, München, Frankfurt, Dortmund, Köln, Lörrach und Zürich. Die grünen Busse nutzen wie viele andere private Reisecars die fünf Busparkplätze an der Meret-Oppenheim-Strasse auf der Südseite des Basler Bahnhofs. Manchmal stehen aber mehr als zehn Busse auf und neben den Parkfeldern. Einige halten mitten auf der Strasse. Die Situation ist unübersichtlich, da die Parkplätze wegen der Baustelle für den Meret-Oppenheim-Turm verschoben worden sind. Ein Eurobus-Chauffeur ärgert sich: «Offenbar sind Car-Touristen in Basel unerwünscht.»

Zumindest der Handlungsbedarf ist in Basel erkannt. Vor über einem Jahr wurde der Nutzfahrzeugverband Astag bei der Verwaltung vorstellig. Mit Erfolg: Die Car-Lobbyisten erhielten vom Amt für Mobilität den Auftrag, für eine fünfstellige Summe eine Studie zu erstellen. Das Ergebnis ist wenig überraschend. «Keiner der bestehenden Standorte erfüllt die Anforderungen optimal», sagt Wolfgang Fleischer vom Amt für Mobilität. Untersucht wurde die Infrastruktur der Car-Parkplätze beim Bahnhof SBB, in der Schwarzwaldallee, Gartenstrasse und im Erdbeergraben.

Astag-Vertreter Urs Haener fordert einen Ausbau beim Bahnhof: Es bestehe Bedarf nach zwölf Car-Parkplätzen. Basel benötige ein Busterminal mit Dach, Toiletten und Abfallcontainern.

In der Verwaltung hat das Thema kaum Priorität. Fleischer stellt in Aussicht, dass die Regierung Anfang 2016 Stellung beziehen und einen Vorstoss aus dem Jahr 2014 beantworten werde. Der nächste Schritt wäre aus Sicht der Verwaltung, eine weitere Studie in Auftrag zu gegeben: eine Machbarkeitsstudie mit möglichen Ausbauplänen. Die Regierung müsse zuerst aber einen Grundsatzentscheid fällen. Viel mehr als prüfen und berichten kann der Kanton nicht. Denn der Car-Standort beim Bahnhof gehört den SBB. Diese sind nicht daran interessiert, die private Konkurrenz zu stärken. Astag-Vertreter Haener sagt, dass die SBB die fünf Car-Parkplätze während der Bauzeit eigentlich ersatzlos aufheben wollten. Erst auf Druck der Car-Firmen sei das Provisorium geschaffen worden. Die SBB dementieren diese Darstellung. Der Ersatz sei von Anfang an vorgesehen gewesen. Langfristig werden die Busse allerdings tatsächlich der Bahn weichen müssen. SBB-Sprecher Reto Schärli bestätigt: «Die Fläche südlich des Gleisfeldes wird für die Gleiserweiterung benötigt.»

Mit Mein Fernbus befinden sich die SBB im Clinch, weil die Firma ihnen internationale Passagiere streitig macht. Deshalb fordern die SBB «gleich lange Spiesse» bei Gebühren und Vorschriften. Bei der Bahn würden etwa strengere Auflagen für Behinderte gelten.

Probleme mit Mein Fernbus haben auch die anderen Beteiligten. Der Kanton Basel-Stadt hat erfolglos Beschwerde gegen eine Fernbus-Strecke eingelegt, die den Euro-Airport mit dem Bahnhof verbinden soll. Der Verband Astag hat den Draht zu Mein Fernbus nicht gefunden. Man arbeite nur lose mit der deutschen Firma zusammen. Fernbus-Sprecherin Marie Gloystein beurteilt die Situation in Basel zudem anders als Astag: «Wir stellen an unserer Haltestelle in Basel bisher keine grösseren betrieblichen Herausforderungen fest.» Die Fahrgäste würden sich aber sicherlich über einige infrastrukturelle Aufwertungen wie Sitzgelegenheiten oder Unterstände freuen, meint sie.

Von anderen Car-Unternehmen hat Astag die Zusage erhalten, einen Bus-Terminal mitzufinanzieren. Das Vorbild ist der Terminal in Zürich Kloten, den die Firmen Twerenbold und Marti sponserten. Mit einem Beitrag der Berliner Firma ist jedoch nicht zu rechnen.

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