Im Vorzimmer des Landrats trafen sich die Partei- und Fraktionspräsidenten von SVP und FDP am Donnerstag zur Aussprache. Zuerst redeten sie in leisem Ton energisch aufeinander ein. Dann wurde der Streit laut. So laut, dass die Stimmen durchs Regierungsgebäude hallten. FDP-Fraktionschef Rolf Richterich platzte der Kragen. Er gab den beiden SVP-Mannen zu verstehen, dass er an ihrer Intelligenz zweifelt: «Gopferdelli, ihr habt es immer noch nicht begriffen.» Peinlich berührt schloss ein Landrat die Türe des Vorzimmers. Die FDP- und SVP-Spitzen verhandelten, wie ihr «Gentleman’s Agreement» bei den Richterwahlen an der nächsten Parlamentssitzung auszulegen sei. Sie wurden sich nicht einig. Richterichs Kopf war noch errötet, als er das Vorzimmer verliess.

Die Richterwahlen sind eines von drei Themen, bei denen sich diese Woche offenbarte, wie tief die Gräben im bürgerlichen Lager sind. SVP und FDP versuchten, sich gegenseitig mit ihrer Sparpolitik zu übertrumpfen. Da sie im Alleingang vorpreschten, scheiterten sie beide. Die SVP polterte alleine gegen die Universität. Die FDP präsentierte ein eigenes Sparpaket. Die Partner verweigerten jeweils ihre Unterstützung.

Die CVP spielt keine Rolle, da SVP und FDP nicht mehr auf sie angewiesen sind. Seit den Landratswahlen stellen die zwei Parteien die Hälfte der Sitze. CVP-Präsident Marc Scherrer lancierte deshalb seine eigene Solonummer: Im «bz»-Interview warf er den Kollegen von SVP und FDP Wortbruch vor. Im Wahlkampf 2014 einigte sich das Trio, künftig eng zusammenzuarbeiten. Die Präsidenten zelebrierten die Harmonie auf Gartenstühlen. Das Lächeln ist ihnen vergangen. Scherrer bilanziert: «Jede Partei versucht, auf sich selbst aufmerksam zu machen.»

Nach dieser Woche kann der Baselbieter Schulterschluss zur Makulatur erklärt werden. Im Juni wählte SVP-Präsident Toni Brunner diese Formulierung, um sich definitiv von einer bürgerlichen Zusammenarbeit auf nationaler Ebene zu verabschieden. Die Mutterparteien wollten sich eigentlich die Baselbieter Bündnis-Politik zum Vorbild nehmen. In der Restschweiz nahmen bürgerliche Strategen anerkennend zur Kenntnis, wie die Parteien in Baselland angeführt vom Wirtschaftsverband zu neuer Einigkeit und Stärke fanden. Nach dem Aus auf nationaler Ebene blieb die Hoffnung, dass immerhin das Vorbild Bestand haben wird.

Im Gegensatz zu Toni Brunner will der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer seine Partner mit Groll provozieren. Seine Kritik trägt er mit Schalk vor. Er stufe die Zusammenarbeit nicht als zufriedenstellend ein. Doch dies sei gar nicht das Ziel, behauptet er keck: «Eine Zusammenarbeit, die man als zufriedenstellend bezeichnen könnte, ist am Einschlafen.» Sie sei gut, könne aber immer verbessert werden. Er stelle fest, dass noch viele Emotionen aus der Vergangenheit vorhanden seien.

Auf die Frage, ob es reiche, wenn ihn die FDP nur wenige Stunden vor der Medienkonferenz über ihre Sparpläne informiere, reagiert Kämpfer sarkastisch: «Für das, was drinsteht, reicht das.» Und Scherrers Attacke versucht er, positiv zu deuten: «Die Kritik zeigt, dass ihm etwas an der Zusammenarbeit mit uns liegt.»

SVP und FDP haben die Macht gemeinsam mit der CVP erobert. Doch nun fehlt ihnen beim Verwalten dieser Macht ein gemeinsames Ziel. Damit Kämpfer nicht wegen akuter Zufriedenheit einschläft, hält er sich mit neuen Machtkämpfen wach. Zum Richter-Streit sagt er: «Es ist ein sportlicher Wettkampf. Wir können uns diesen leisten, weil die Sitze ohnehin in bürgerlicher Hand bleiben.»

Die FDP sonnt sich derweil in der Macht ihrer Regierungsrätinnen. Sie hat wieder zwei Sitze wie zu den guten alten Zeiten. Fraktionschef Richterich bezieht Sabine Pegoraro und Monica Gschwind in den Vorstoss-Aktionismus ein. Er sagt: «Unsere Regierungsrätinnen haben unsere Vorstösse an den Fraktionssitzungen unterstützt.» Die anderen Parteien einzubeziehen, sei unmöglich: «Dann kommt am Schluss nichts Rechtes heraus.» Es sei schon schwierig, in der eigenen Partei einen Konsens zu finden.

FDP-Präsidentin Christine Frey doppelt nach: «Die SVP fragt uns auch nicht immer, wenn sie Vorstösse lanciert.» Sie vergleicht das Vorzimmer mit einer Stube: «Es ist wie in einer Familie: Es gibt immer unterschiedliche Meinungen. Ich habe aber keine Bad Feelings.» Von guten Gefühlen wie an der Gartenparty im Sommer 2014 ist keine Rede mehr.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper