Von Annika Bangerter

In der Baselbieter Bildungspolitik agiert er wie ein Drehbuchschreiber: der Bildungsrat. Er handelt im Hintergrund, weit weg von der grossen Polit-Show. Das 14-köpfige Gremium beschliesst die Stundentafeln, Stufenlehrpläne sowie Lehrmittel und sollte massgeblich an Entscheidungen im Bildungswesen beteiligt sein. Der ehemalige SVP-Bildungsrat, Guido Halbeisen, bestreitet dies: «Die Bildungsdirektion hat uns die Geschäfte jeweils pfannenfertig vorgesetzt. Wir nickten sie bloss ab. Das Gremium ist komplett überflüssig.» Für ihn ist der Bildungsrat historisch falsch gewachsen. «Er blieb als heilige Kuh unantastbar.»

Das könnte sich bald ändern. Am 5. Juni stimmen die Baselbieter ab, ob der Landrat den umstrittenen Lehrplan 21 absegnen soll. Die Initiative stammt von der «Starken Schule Baselland»; ihre Annahme käme einer Entmachtung des Bildungsrates gleich. Das Gremium steht von verschiedenen Seiten unter Beschuss. Im März hat der Landrat die Motion von Paul Hofer (FDP) überwiesen, die den Bildungsrat gleich gänzlich abschaffen will.

Obwohl es um seine Existenz geht, bleibt der Rat kaum fassbar. Statt zu kämpfen, verharren die Mitglieder im Backstage-Bereich. Auf Anfrage verweisen sie an ihren Sprecher, den Vizepräsidenten Rolf Knechtli. Ein Mitglied sagt, es sei «zu früh», um über den Bildungsrat zu diskutieren. Das Gremium träte im Mai an die Öffentlichkeit. Ob sich diese im schrill geführten Abstimmungskampf innert einem Monat jedoch überzeugen lässt, ist fraglich.

Durchzogene Leistungsbilanz
Die Kritik ihres früheren Kollegen Halbeisen scheint die Mitglieder indes aufzuschrecken. Eine Gruppe von Kopfnickern? Mitnichten, sagt Vizepräsident Rolf Knechtli: «Der Bildungsrat ist eigenständig.» Als Beispiel nennt er die Fremdsprachen. Hier hätte sich der Rat gegen den damaligen Regierungsrat Urs Wüthrich gestellt. Dieser wollte Französisch als erste Fremdsprache festlegen. «Der Bildungsrat entschied sich für Englisch», sagt Knechtli. Das habe Wüthrich akzeptiert, aber nicht der Landrat.

Michael Weiss, Bildungsrat und Geschäftsführer des Lehrerinnen- und Lehrervereins verweist auf die Einflussnahme beim Lehrplan 21. «Der Bildungsrat verlangte, dass dieser in der Baselbieter Fassung auf der Sek I nach Niveau und Jahrgang ausdifferenziert wird.» Auch Viviane Thüring, SVP-Politikerin und Nachfolgerin von Halbeisen, stellt sich hinter das Gremium und gegen ihre Partei: «Den Bildungsrat braucht es auf jeden Fall», sagt sie. Der Rat sei breit abgestützt und Diskussionen würden «sachlich, professionell und kompetent» geführt.

Im Rat sitzen Lehrerschaft, Wirtschaft, Gewerkschaft und jeweils ein Vertreter der SVP, FDP, CVP, SP und der Grünen. Die Kirche hat eine beratende Stimme. Für Simone Abt (SP) zeichnet sich der Bildungsrat gerade dadurch aus, dass er nicht von Partei- und Partikularinteressen geprägt ist: «Hier kann man sich politisch nicht profilieren, so wie im Landrat», sagt sie. Den Vorwurf Halbeisens kommentiert sie trocken: «Solch eine Aussage kann nur jemand machen, der einen sehr beschränkten Einblick ins Gremium hat – wie er, der an fast allen Sitzungen des Bildungsrats nicht anwesend war.»

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