Von Valentin Kressler

Im Juli 2012 wurde in Basel ein weiteres Verhinderergremium geschaffen: der Verein «Pro Münsterplatz». Gemäss der damaligen Medienmitteilung hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, «den typischen Charakter des Münsterplatzes als einen Ort der Musse und Beschaulichkeit zu bewahren». Der Hintergrund: Seit Jahren finden auf dem Münsterplatz immer mehr Grossevents statt, allen voran das Orange-Cinema, das chinesische Mondfest, die Herbstmesse und der Weihnachtsmarkt. Die «Basler Zeitung» titelte nach der Vereinsgründung: «Anwohner haben genug von Scheiaweia.»

Ausgerechnet diese genervten Anwohner schaffen nun einen zusätzlichen Event auf dem Münsterplatz, das zweiwöchige Kulturfestival «Reinhören». Vom 11. bis 25. Mai treten verschiedene Künstler jeweils von 14 bis 22 Uhr während acht Stunden durchgehend in einem eigens entworfenen Pavillon auf. Übernächste Woche beginnen die Aufbauarbeiten. Die ersten fünf Tage bestreitet der italienische Pianist Marino Formenti, danach folgen Künstler aus Berlin, Wien und der Schweiz.

Erstmals äussert sich nun Pascal Eisner (44), Präsident des Vereins Pro Münsterplatz, zum Projekt. «Wir wollen damit dem Verhinderer-Image entgegenwirken, denn es ist falsch», sagt der Anwalt, der seit 2008 am Münsterplatz wohnt. Der Verein sei «nicht für absolute Ruhe» auf dem Münsterplatz. «Mit dem Projekt wollen wir aufzeigen, dass man den Platz auch nutzen kann, wenn man seinen Charakter bewahrt.»

Bisher gaben sich die Initianten von «Reinhören» zurückhaltend. Als die «bz Basel» im Januar erstmals über das Projekt berichtete, wollten sie noch keine Auskünfte dazu geben. Einzig «Onlinereports» konnte bisher Details nennen. «Wir wollten zuwarten, bis wir die Bewilligung und die finanziellen Mittel erhalten haben», sagt Eisner, der von einer «riesigen Herausforderung» spricht. Unterdessen hat die Allmendverwaltung die Bewilligung erteilt – Einsprachen gab es keine –, die Verträge mit den Künstlern sind unter Dach und Fach und die nötigen Gelder beisammen. Der Event kostet rund 300 000 Franken. Der Kanton steuert über den Swisslos-Fonds 50 000 Franken bei. Gedeckt werden die Kosten zudem von Privaten und Unternehmen, die Christoph-Merian-Stiftung zahlt gar 115 000 Franken.

Der Eintritt in den Pavillon, der rund fünfzig Personen gleichzeitig Platz bietet, ist gratis, eigene Gastro-Angebote gibt es keine. «Wir wollen aufzeigen, dass der Münsterplatz auch konsumfrei genutzt werden kann», sagt Eisner. «Reinhören» sei bis jetzt als «einmalige Sache» geplant. «Wir schliessen aber nicht aus, dass wir das Projekt später noch einmal durchführen.»

Seit der Gründung vor bald zwei Jahren hat der Verein «Pro Münsterplatz» kaum mehr für Schlagzeilen gesorgt. Der Verein, der heute rund vierzig, teils prominente Mitglieder zählt, agiert vorwiegend im Verborgenen. Neben Anwohnern sind auch Münsterpfarrer und Kirchenratspräsident Lukas Kundert sowie eine Vertreterin der Allgemeinen Lesegesellschaft im Vorstand.

Erfolgreich gewehrt hat sich der Verein etwa gegen die Tribüne des Orange-Cinemas, die mit der Neukonzeption der Veranstaltung im vergangenen Jahr verschwunden ist. Gemäss einem Sprecher der Zürcher Organisatorin Cinerent soll das neue Konzept bei der diesjährigen Ausgabe, die vom 7. bis 31. August stattfindet, «grundsätzlich» weitergeführt werden. «Mitentscheidend» werde sein, ob der Kanton über den Swisslos-Fonds erneut einen Beitrag spreche. 2013 wurde das Orange-Cinema erstmals mit 25 000 Franken unterstützt.

Wehren würde sich der Verein auch gegen ein Public Viewing während der Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Das Public Viewing an der Europameisterschaft 2008 sei ein «Desaster» gewesen, sagt Eisner. Die Anwohner hätten viele Einschränkungen in Kauf nehmen müssen, der Münsterplatz sei voll von Erbrochenem und Urin gewesen.

Seine Aktivitäten beschränkt der Verein strikt auf den Münsterplatz. Der Rheinuferweg und das Chill am Rhy, die beide am Münsterhügel geplant sind, stehen nicht auf der Agenda. Während Eisner persönlich nichts gegen das Chill am Rhy einzuwenden hat, ist er gegen den Rheinuferweg, über den am kommenden 18. Mai abgestimmt wird. Dieser sei «sinnlos und teuer».

Eisners persönliches Engagement ist nicht auf den Münsterplatz begrenzt. Der diskret und freundlich auftretende Anwalt ist auch im von Remaco-Chef Pascal Böni präsidierten Trägerverein des Kammerorchesters Basel, nächste Woche wird er als Nachfolger von David Gelzer zum neuen Präsidenten des Polizeibeamten-Verbands gewählt. Politische Ambitionen hat der Parteilose aber keine. Der Verein «Pro Münsterplatz» sei politisch und konfessionell neutral, sagt er. Und genügend Einflussmöglichkeiten haben er und sein Verein auch so.

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