Beizer klagen über Bettler

Die Bettlergruppe belästigt Gäste direkt an den Tischen und lässt sich nicht so leicht abwimmeln. Foto: Kenneth Nars

Die Bettlergruppe belästigt Gäste direkt an den Tischen und lässt sich nicht so leicht abwimmeln. Foto: Kenneth Nars

Eine aggressive Bande ist in Basel unterwegs – die Polizei sieht keinen Handlungsbedarf.

Die Frau nippt an ihrem Cappuccino, und dann verschluckt sie sich fast. Zuvor hat sie sich vor das McCafé am Marktplatz gesetzt. Kaum hat sie Platz genommen, kommt ein etwa 20-jähriger Mann in Jogginghose mit einem Buben an der Hand zu ihr an den Tisch, mit ausgestreckter hohler Hand. Die Frau wimmelt ihn mit abwehrender Armbewegung ab, aber das nützt nichts; der Mann bleibt stehen, streckt die Hand noch weiter vor, gibt flehende Laute von sich. Erst, als sie ihn anschreit, er solle sich wegscheren, macht er sich davon – und geht ins McCafé rein. Die Frau schüttelt den Kopf und sagt: «Das ist mir in den vergangenen Wochen jetzt schon mehrere Male passiert. Sehr unangenehm!»

Im McCafé wird der Bettler sogleich weggescheucht. Die Angestellte hinter dem Tresen schaut finster. Das komme in diesen Tagen ständig vor, sagt sie: «Die sind richtig aggressiv. Im Frühling sind in der Stadt immer Bettler unterwegs, aber in der Vergangenheit kamen sie nie hier rein.» Im Restaurant McDonald’s im ersten Stock seien die Bettler auch schon mehrere Male aufgetaucht und von Tisch zu Tisch gezogen, ebenso, wie sie gehört habe, im Restaurant China King in der Nähe des Bahnhofs. Stephan Schiesser von der Confiserie Schiesser am Marktplatz sagt, die Bettler liessen sich nur schwer abwimmeln: «Das ist sehr lästig für unsere Gäste.»

Forderungen des Wirteverbands
Derzeit macht eine besonders dreiste Bettelbande Basel unsicher – nicht nur den Marktplatz, sondern die ganze Innenstadt. Laut Informationen des Basler Grenzwachtkorps handelt es sich um «Tätergruppen aus Rumänien», die im morgendlichen Pendlerstrom aus dem benachbarten Ausland anreisen. Sprecher Thomas Mangold sagt: «Sie verwenden immer mehr die öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem die grenzüberschreitenden Zugsverbindungen zwischen Mulhouse und Basel.» Aber auch in Privatfahrzeugen würden sie anreisen.

Beim Basler Wirteverband ist man verärgert über die Situation, wie der Vorstandsdelegierte Maurus Ebneter sagt: «Das Problem hat sich in den vergangenen Wochen verschärft.» Beizer würden neben der üblichen «Frau mit Kind»-Masche von Bettelmusikanten berichten, die ganz kurz vor einer Terrassenwirtschaft aufspielen und dann «ziemlich aggressiv» mit dem Hut von Tisch zu Tisch ziehen. «Wenn man sich genau umschaut, erkennt man in der Nähe männliche Gestalten, die danach vermutlich das erbettelte Geld an sich nehmen.» Ebneter sagt, der Wirteverband würde es vor diesem Hintergrund begrüssen, wenn die Polizei ihre Bemühungen entsprechend intensivieren würde. «Diese Bettler müssen aufgegriffen werden», sagt Ebneter.

Die Basler Polizei sieht derweil keinen weiteren Handlungsbedarf. Sprecher Martin Schütz sagt: «Es gibt zurzeit keine Auffälligkeit, die ein schwerpunktmässiges Handeln notwendig machen würde.» Man beobachte jeweils im Frühling Zunahmen von Bettlern in der Stadt. Die Kantonspolizei sei sowohl uniformiert als auch zivil in der Innenstadt und Quartieren präsent.

Betteln ist im Kanton Basel-Stadt verboten. Wenn die Polizei einen Bettler aufgreift, wird das gesammelte Geld sichergestellt und dem Bettler eine Ordnungsbusse über fünfzig Franken ausgestellt. Wenn es sich nicht um einen Schweizer Bürger handelt, erfolgt zusätzlich eine Meldung an das Migrationsamt. Ob das etwas nützt, ist fraglich: Die Gruppen aus Rumänien verfügen laut Mangold vom Grenzwachtkorps «in den meisten Fällen über gültige rumänische Identitätsausweise oder Reisepässe» und benötigen im Rahmen der europäischen Reisefreiheiten kein Visum mehr. Somit können sie wie andere EU-Bürger in die Schweiz ein- und ausreisen.

Fernhalteeffekt nicht spürbar
Polizeisprecher Schütz betont, dass die Kantonspolizei konsequent gegen Bettler vorgehe. «Dies spricht sich speziell bei in Gruppen organisierten Personen rasch herum und der gewünschte Fernhalte-Effekt wird erzielt.»

In den Beizen und Cafés der Stadt ist von diesem Fernhalte-Effekt nicht viel spürbar. Cyrill Lang von den Restaurants Union Diner, Rhyschänzli und der Kasernenbuvette sagt, am Rhein und beim Diner habe sich das Problem in den vergangenen Tagen vielmehr akzentuiert. «Die Bettler halten die Hände fast in die Teller unserer Gäste rein.» Er unterstützt die Forderung Ebneters an die Basler Ordnungshüter. «Es wäre sicher nicht schlecht, würde die Polizei mehr Präsenz zeigen.» Das sei ja auch vor dem Rhyschänzli an der Lichtstrasse möglich: «Hier kommt es vor, dass Verkehrspolizisten mehrere Male am Tag vorbeigehen und bei falschparkierten Autos Bussen ausstellen.»

Bleibt angesichts dessen die Frage, ob die Polizei derzeit die Prioritäten richtig setzt.

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