Von Leif Simonsen

Nach dem Rauswurf der SP aus der Baselbieter Regierung wittern die Juso Morgenluft. Nachdem die Mutterpartei am 8. Februar zum ersten Mal seit 90 Jahren aus der Baselbieter Regierung gespült worden ist, fordern sie nun den Generationenwechsel. Beginnen soll dieser bereits im nächsten Herbst. Die abtretende Juso-Co-Präsidentin Samira Marti bestätigt gegenüber der «Schweiz am Sonntag», dass sie Interesse an einer Nationalratskandidatur hat. «Ich konnte im Präsidium der Juso viele Erfahrungen sammeln und mir eine gewisse Bekanntheit erarbeiten. Ausserdem kann ich auf die Unterstützung der Jungen im ganzen Kanton zählen», sagt sie. An der Geschäftsdelegiertenversammlung vom 18. April wird ihre Sektion die Ziefnerin zur Nomination vorschlagen.

Katzenjammer herrscht hingegen bei der Mutterpartei. Die enttäuschte SP-Präsidentin Pia Fankhauser hat eine Analysegruppe ins Leben gerufen mit dem Ziel, «schonungslos sämtliche Fehler aufzudecken, die gemacht worden sind.» Fankhauser selbst will nicht involviert sein. Die Oberwilerin weiss, dass auch ihr Präsidialamt in den Fokus rücken wird. «Ich habe mir Ziele gesetzt, die ich nicht erreicht habe. Das kann keinen Spass machen.» Wie lange sie ihr Amt weiterführen wird, lässt sie offen. Den Jungen wolle sie aber bestimmt nicht im Weg stehen. «An mir soll der Verjüngungsprozess der Baselbieter SP nicht scheitern.»

Die Analysegruppe, bestehend unter anderem aus der gescheiterten SP-Regierungskandidatin und Vizepräsidentin Regula Nebiker, Jungsozialist Adil Koller sowie weiteren Geschäftsleitungsmitgliedern soll nun bis zur Geschäftsdelegiertenversammlung die Ursachenforschung abgeschlossen haben und «Konsequenzen ziehen», wie Nebiker sagt. Schliesslich will man im Herbst nicht schon wieder als Verlierer dastehen, wenn die nationalen Parlamentswahlen stattfinden. Ob dies auch personelle Konsequenzen sein könnten, darüber will sie nicht spekulieren.

In die Analyse mit einfliessen sollen auch die Meinungen anderer Genossen. Daniel Münger etwa, der andere gescheiterte Regierungskandidat vom 8. Februar, hat sein Feedback in drei Kategorien unterteilt: eigene Fehler, Fehler der Partei sowie Schwierigkeiten im politischen Umfeld. «Ich selber hätte viel angriffiger sein müssen und etwa auf die Baselbieter Honoraraffäre oder auf die schleppende Wirtschaftsoffensive hinweisen müssen», bilanziert Münger.

Seine Partei will er in der Öffentlichkeit nicht kritisieren, kann sich aber einen kleinen Seitenhieb gegen die Juso nicht verkneifen: «Das Allheilmittel der Social Media hat offenbar auch nicht funktioniert, um die Wähler an die Urne zu holen.» Es ist dies eine erste Kostprobe des Generationenkonflikts, den die Genossen bei der Nomination der Nationalratskandidaten am 18. April führen werden. Der Platz der ersten Nachrückenden wird bei den kommenden Wahlen von besonderer Bedeutung sein: Die Grande Dame der Baselbieter SP, Susanne Leutenegger Oberholzer, wird zwar wahrscheinlich zur Wiederwahl antreten – schliesslich wird sie in der nächsten Legislatur in Bern das einflussreiche Präsidium der Wirtschafts- und Abgabekommission übernehmen. Dann aber wird Leutenegger wohl unter dem Druck ihrer eigenen Partei den Sessel räumen.

Auf die Nationalratsliste drängen gemäss Recherchen auch SP-Politiker, die in den Augen vieler Juso ihre besten Jahre hinter sich haben. Der 57-jährige Gelterkinder SP-Landrat Martin Rüegg bestätigt auf Anfrage, dass er sich von seiner Partei nominieren lassen wird. «Nach zwölf Jahren im Landrat bin ich nun bereit, etwas Neues zu probieren», sagt der Ex-Parteipräsident. Auch Fraktionschefin Kathrin Schweizer (45) bestätigt, dass sie «sehr wahrscheinlich» für den Nationalrat kandidieren wolle.

Noch bedeckt halten sich derweil Regula Nebiker und Daniel Münger. Der 54-jährige Gewerkschafter Münger sagt, er habe aktuell noch keinen Entscheid über seine politische Zukunft gefällt. Wer ihn und seinen Ehrgeiz kennt, ahnt aber: Nachdem er als Nationalratskandidat 2011 hinter Leutenegger und Eric Nussbaumer auf der SP-Liste Dritter geworden ist, wird er es in der jetzigen Situation nochmals versuchen. In diesem Kandidatenfeld wird der Angriff der Juso im Keim erstickt. Oder wie Juso Adil Koller sagt: «Die heutigen Zwanziger werden in der Baselbieter SP bald viel Verantwortung übernehmen. Aber man kann nicht erwarten, dass wir direkt in den Nationalrat einziehen.»

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