An den Wochenenden ist es in Basel nicht unüblich, dass die Polizei mehrere Male ausrücken muss. Ein Raubüberfall in einem Park, eine Streiterei vor einer Disco – oder ein Mann, der ausrastet und Passanten angreift. So geschehen am Freitag vergangener Woche am Neuweilerplatz. Ein Italiener ging mit einer Schaufel auf eine ihm unbekannte Frau los, und danach gar auf einen Polizisten. Bemerkenswert an diesem Fall ist, dass die angerückte Patrouille den 37-Jährigen erst mithilfe eines Tasers überwältigen konnte. Nach den Stromstössen brach er zusammen.

Polizeisprecher Martin Schütz sagt auf Anfrage: «Diese Geräte gehören seit 2007 zur Ausrüstung der Basler Polizei. Der Taser stellt eine Handlungsoption vor einem allfälligen Gebrauch der Schusswaffe dar.» Das DSG komme zum Einsatz, um den Gebrauch von Schusswaffen zu verhindern.

Seit Basler Polizisten solche Elektroschockpistolen – oder Destabilisierungsgeräte (DSG), wie sie im Fachjargon genannt werden – tragen, war es vergangene Woche erst das zweite Mal, dass diese Waffe eingesetzt wurde.

Weitere Mitarbeiter ausgebildet
Nicht jeder Basler Polizist ist indes befugt, einen Taser zu benutzen. 90 der insgesamt 670 uniformierten Polizisten in der Stadt sind entsprechend ausgebildet und tragen einen Taser nun permanent auf sich, entweder am Beinholster oder am Gurt; dies jeweils immer auf derselben Seite, damit es in Stresssituationen zu keinen Verwechslungen mit der Schusswaffe kommt.

Bis anhin waren lediglich die Mitarbeiter der Sondereinheit am DSG ausgebildet. «Im vergangenen Sommer wurden zusätzlich Mitarbeiter des Kaders ausgebildet», sagt Schütz. Weshalb sich die Basler Polizei zu dieser Aufrüstung entschieden hat, obwohl es nur höchst selten zum Einsatz der Taser kommt, beantwortet er vage: «Das DSG stellt eine weitere – mildere – Alternative zur Schusswaffe dar.»

Amnesty International sieht das anders. In der SRF-Sendung «10 vor 10» wurden Sprecher der Menschenrechtsorganisation dahingehend zitiert, dass der Taser eine «extrem gefährliche, schmerzhafte und in vielen Fällen zum Tode führende Waffe» sei. Schütz sagt dazu: «Auch wenn das Gerät Schmerzen verursacht und ein Restrisiko für Verletzungen bleibt, ist der Einsatz weniger folgenreich als jener einer Schusswaffe.» Zudem müsse jede mit einem Taser getroffene Person danach medizinisch kontrolliert werden.

Zu den strengen Weisungen gehört auch, dass das DSG nicht bei Kindern, Jugendlichen sowie schwangeren und älteren Personen eingesetzt werden darf. Und wenn ein Jugendlicher ähnlich wie der 37-jährige Italiener am Neuweilerplatz durchdreht? «Im Einsatz muss der konkrete Fall durch die Polizisten beurteilt werden», sagt Schütz. Generell müsse dabei aber berücksichtigt werden, dass ältere Personen über eine schwächere physische Verfassung verfügten als jüngere.

Täter immer noch im Spital
Der wildgewordene Italiener befindet sich noch heute, mehr als eine Woche nach seinem gewalttätigen Ausbruch, im Spital, wie Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage sagt. Er liess dabei offen, ob sich der Mann aus psychischen Gründen oder wegen Verletzungen des Tasereinsatzes in ärztlicher Behandlung befinde.

Bereits entschieden ist, wo der Italiener nach dem Spitalaufenthalt landet: «Das Zwangsmassnahmengericht hat über die Untersuchungshaft verfügt», sagt Gill. Zu Details wollte er keine Stellung nehmen. Klar ist, dass die Tat am Neuweilerplatz nicht ohne juristische Folgen für den Mann bleiben wird.

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