Für ein Foto posieren will er nicht. Schon gar nicht vor dem «Café Des Arts» am Barfüsserplatz. «Es geht hier nicht um mich. Es geht um die Zukunft einer Kultbar», sagt Jérôme Beurret. Da hat der Basler Wirt und Geschäftsführer der Rhyschänzli GmbH, die unter anderem das Restaurant Rhyschänzli, die Buvette bei der Kaserne oder den Union Diner an der Stänzlergasse betreibt, natürlich recht. Erzählen mag Beurret aber, und dabei strahlt er. Ihm und seinem Geschäftspartner Stefan Grieder ist ein Coup gelungen: Vor wenigen Tagen haben sie einen Vertrag unterschrieben, per 1. November 2016 übernimmt die Rhyschänzli GmbH das legendäre «Café Des Arts» vom Basler Gastrounternehmer Peter Oppliger. Dieser bestätigt auf Anfrage, dass er sich mit der Rhyschänzli GmbH einig sei, fügt aber hinzu: «Bis Ende Oktober müssen von beiden Seiten diverse Bedingungen erfüllt sein. Es sieht aber gut aus.»

Über den Kaufbetrag schweigen sich sowohl Oppliger als auch Beurret aus. Klar ist, dass der Mietvertrag mit der Hausbesitzerin, der Zürich Leben, weiterläuft bis 2019, mit Option auf Verlängerung bis 2024. Und dass die Rhyschänzli GmbH die fünf verbliebenen Angestellten des «Des Arts» übernimmt, wie Beurret sagt. Zudem würden «ein paar» neue Stellen geschaffen.

Michael Schneider verlässt die Bar
Nicht mehr im «Des Arts» dabei sein wird der bisherige Geschäftsführer Michael Schneider, begnadeter Barkeeper und Gin-Kreateur. Beurret sagt, an seine Stelle trete Stefan Keller, ein in Basel noch unbekannter, junger Hotellerie- und Gastronomiefachmann. Schneider wiederum wird sich bei Oppligers Firma Sygama SA voll einbringen: Er ist für die Etablierung des Swiss Mountain Spring Tonic Water im nationalen und internationalen Markt verantwortlich. Dies wird er von Allschwil aus tun: Die Sygama SA hat ihr Büro erst kürzlich von der Steinenvorstadt dorthin verlegt.

Oppliger, der auch Inhaber der «All Bar One» an der Steinenvorstadt ist, scheint Gefallen am Baselbiet zu finden: Ende August startete er in Biel-Benken mit dem House of Wine, und Ende Oktober eröffnet er in Allschwil die Mikrobrauerei «kitchen brew», wie die «Schweiz am Sonntag» bereits berichtete. Zieht Oppliger sich nun ganz aus der Stadt zurück? «Nein, die ‹All Bar One› steht nicht zum Verkauf», sagt er. Allerdings müsse man sehen, dass die Sygama ein kleines Unternehmen sei, «und man sich irgendwann für eine Richtung entscheiden muss». Er brauche Energie für seine Projekte in Allschwil und Biel-Benken, so Oppliger.

Das «Des Arts», das seit 1980 besteht und das Oppliger vor zehn Jahren übernommen hat, sei für ihn mehr und mehr zur Belastung geworden. «Mir war es wichtig, dass die Bar in Hände kommt, die das Konzept beibehalten und langfristig planen. Ich denke, mit Beurret und seinem Team habe ich gute Käufer gefunden.» Beurret sei in Basel sehr gut vernetzt und gehe mit vollem Elan und Herzblut dahinter. Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum Oppliger Interessenten aus Zürich, die dem Vernehmen nach mehr für das «Des Arts» geboten haben, eine Abfuhr erteilt hat.

Beurret sagt trotzdem: «Ein billiger Spass ist es für uns nicht.» Einen Teil des Kaufbetrags habe die Rhyschänzli GmbH aus Eigenmitteln, einen Teil aus Fremdmitteln finanziert. Es stelle auch ein Risiko dar: «Wir haben in diesem Bereich noch keine grosse Erfahrung und planen auch nicht, hier weiter zu expandieren. Aber wir wollten verhindern, dass das ‹Des Arts› in Zürcher Hände kommt. Es ist ein Stück Basler Geschichte.»

Durch «Zufall», wie sowohl Oppliger als auch Beurret sagen, sei man vor rund fünf Monaten miteinander ins Gespräch gekommen. Für Oppliger hat wohl auch den Ausschlag gegeben, dass die Rhyschänzli GmbH das «Des Arts» nicht komplett umkrempeln will. Im Gegenteil. Beurret sagt: «Wir machen nur wenige Anpassungen am Interieur, keine grossen Umbauten. Die Seele der Bar lebt weiter, dieser liebevolle Kitsch ist einzigartig in Basel.» Jedoch wolle man der Esskultur mehr Gewicht geben; geplant ist ein Tapas-Konzept, «aber nicht auf spanische Art», sagt Beurret. Mehr will er nicht verraten. Spruchreif ist, dass Beurret und sein Team den Afterwork-Dienstag im «Des Arts» wieder aufleben lassen und den Aussenbereich neu gestalten wollen.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.