die UBS dagegen, dass die Bundesanwaltschaft im Rahmen einer Strafuntersuchung wegen Geldwäscherei Akten der Grossbank verwenden darf. Gemäss Bruno-Manser-Fonds, der die Strafanzeige im Jahr 2012 eingereicht hat, sollen die Akten beweisen, dass die UBS in ihren Filialen in Singapur und Hongkong zwischen 2006 und 2007 Bestechungsgelder für die Erteilung von Holzkonzessionen und Exportgenehmigungen von Tropenhölzern im Umfang von neunzig Millionen US-Dollar angenommen und auf verschiedene Konti überwiesen habe. Diese Konti würden Mittelsmännern und Tarnfirmen von Musa Aman gehören, dem Ministerpräsidenten des malaysischen Bundesstaats Sabah. Damit habe die UBS die Sorgfaltspflicht verletzt.

Die Grossbank liess in der Vergangenheit mehrfach verlauten, dass sie in diesem Verfahren auf volle Transparenz setzen wolle. Indem sie sich nun gegen die Entsiegelung und Sichtung der Akten wehre, werde sie «wortbrüchig», so Lukas Straumann, Geschäftsleiter des Bruno-Manser-Fonds. Die UBS erwidert, sie setze sich zur Wehr, sofern sie «prozessuale Schritte von Behörden als nicht rechtskonform erachtet».

Der Bank droht weiteres Ungemach: Gleichzeitig zur Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft hat der Bruno-Manser-Fonds die UBS bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma wegen Verletzung der Geldwäscherei-Verordnung angezeigt. Die Finma will offiziell nicht bestätigen, dass sie ermittelt, nachdem Finma-Sprecher Vinzenz Mathys längere Abklärungen treffen musste, wie viel er zum Fall sagen darf. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Finma parallel zur Bundesanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet hat. In diesem Fall dürfte die Finma als Aufsichtsorgan der Banken mit erweiterten Zugriffsrechten jene Akten sichten, die der Bundesanwaltschaft als Strafverfolgungsbehörde derzeit verwehrt sind.

Der Bruno-Manser-Fonds wurde bereits vor den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft als Privatkläger vom Verfahren ausgeschlossen, da ihm gemäss Bundesstrafgericht «kein unmittelbarer Schaden zugefügt worden» sei. Dennoch gibt sich Lukas Straumann weiterhin kämpferisch. Er fordert , dass es bald zu einer Anklageerhebung oder zu einem Strafbefehl gegen die UBS kommt.

Die UBS ist aber nicht das einzige Schweizer Finanzinstitut auf dem Radar des Bruno-Manser-Fonds. Ende Dezember 2014 reichte dieser bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige wegen Korruption, Veruntreuung und Geldwäscherei unter anderem gegen die in Zürich angesiedelte Bank Coutts & Co AG ein. Über die Bank seien 2009 700 Millionen US-Dollar vom malaysischen Entwicklungsfonds 1MDB abgezogen und auf ein Konto überwiesen worden, das gemäss Bruno-Manser-Fonds einem Vertrauten des malaysischen Premierministers Najib Razak gehört. Dieser hatte den Entwicklungsfonds nur wenige Monate vor der Überweisung mit Staatsgeldern in Milliardenhöhe geschaffen.

Die Bundesanwaltschaft hat mangels Beweisen auf die Eröffnung eines Strafverfahrens verzichtet. Als Hauptquelle hatte der Bruno-Manser-Fonds einen Schweizer Whistleblower genannt, der aus Angst vor Repression nicht bereit gewesen sei, seine Beweismaterialien auszuhändigen. Ende Juni wurde besagter Whistleblower in Thailand jedoch verhaftet. Ihm wird versuchte Nötigung und Erpressung vorgeworfen. Straumann vermutet, dass malaysische Regierungsstellen bei der Verhaftung eine Rolle gespielt haben.

Vor diesem Hintergrund forderte der Bruno-Manser-Fonds Anfang Juli 2015 von der Bundesanwaltschaft eine Wiederaufnahme der Strafanzeige vom Dezember 2014. Er bezieht sich auch darauf, dass sich die Ereignisse seit einigen Wochen überschlagen. Verschiedene Medienberichte in Malaysia und den USA erhärten die Vorwürfe gegen Premierminister Najib Razak, wodurch dieser immer stärker unter Druck gerät. Derzeit laufen in Malaysia verschiedene Untersuchungen gegen ihn und es wird spekuliert, ob Razak diesen «Korruptionsskandal» politisch überleben wird. Gemäss NNZ hat der Entwicklungsfonds 1MDB derzeit auf rund 11 Milliarden US-Dollar Schulden.

Mit dem Wind im Rücken hat der Bruno-Manser-Fonds vor einigen Wochen eine bislang nicht kommunizierte Strafanzeige wegen Geldwäscherei gegen die Bank J.P. Morgan (Suisse) in Genf eingereicht. Er wirft der Bank vor, eine Transaktion im Umfang von 300 Millionen US-Dollar vom 1MDB auf ein dubioses Konto getätigt zu haben. Eine weitere Strafanzeige prüft der Bruno-Manser-Fonds gegen die in Zürich domizilierte Falcon Private Bank, welche gemäss Straumann von ihrer Niederlassung in Singapur aus über 600 Millionen US-Dollar auf ein persönliches Konto von Najib Razak getätigt habe. Das «Wall Street Journal» hat entsprechende Dokumente gesichtet und diese Vorwürfe vor wenigen Wochen erhoben.

Lukas Straumann glaubt, dass das Strafverfahren gegen die UBS zum Präzedenzfall werden und weiteren Verfahren Aufwind geben könnte. Er moniert zwar, dass die Ermittlungen bereits viel zu lange andauern würden. Der aktuelle Stand sei jedoch vielversprechend, zeige er doch, dass es die Bundesanwaltschaft mit den Ermittlungen ernst meine.

Weniger ernst meinte es offensichtlich die englische Kanzlei Mishcon de Reya Solicitors, die vor einem halben Jahr im Namen eines anderen malaysischen Machthabers, Abdul Taib bin Mahmud, Druck auf die Basler Organisation ausüben wollte. Dies, nachdem angekündigt worden war, dass Straumanns Buch «Money Logging» auf Englisch erscheinen werde. In diesem Buch beschreibt er Taibs Rolle als Hauptschuldiger an der illegalen Abholzung von neunzig Prozent des Regenwaldes im malaysischen Bundesstaat Sarawak.
In mehreren Briefen hat die Kanzlei dem Schweizer Verlag Bergli Books, der das Buch herausgibt, und dem Vertreiber Amazon rechtliche Schritte angedroht, sollte das Buch tatsächlich in den Handel kommen. Gemäss Bergli-Books-Verleger Richard Harvell habe man darauf nicht reagiert und seither auch nichts mehr von der Kanzlei gehört. Das Buch verkaufe sich weltweit gut.

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