Sein Amt als Baselbieter SP-Präsident bedinge, auch mal in die Offensive zu gehen. Dieser jüngsten Ankündigung Adil Kollers im Interview mit der «bz Basel» folgen nun in der «Schweiz am Sonntag» erste Taten. Die Leidtragende ist ausgerechnet Parteikollegin Eva Herzog. Die Basler Finanzdirektorin, so Koller, setze mit ihrem Vorpreschen für die Unternehmenssteuerreform III (USR III) die Partnerschaft der beiden Basel aufs Spiel. «Eva Herzog rechnet nur für ihren eigenen Kanton und merkt nicht, dass die ruinöse USR III den Rechten ein Argument gegen die partnerschaftlichen Institutionen liefert», sagt Koller. Wenn die Reform in der aktuellen Fassung durchkomme, werde der Abbauwahn der rechten Mehrheit im Baselbieter Parlament und in der Regierung noch grösser, ergänzt er und verweist auf die Vorstösse der FDP Baselland, die vierzig Millionen Franken bei der Uni einsparen will. Dieser Betrag entspreche etwa den Ausfällen durch die USR III, rechnet er.

Koller weiss, dass seine Haltung in der Partei breit abgestützt ist. Bisher haben die Linken jedoch nur hinter vorgehaltener Hand über die Begleiterscheinungen von Herzogs Werbefeldzug für die Unternehmenssteuerreform gesprochen. Die meisten haben Angst, dass sie den Bürgerlichen im eigenen Kanton bei den bevorstehenden Verhandlungen in die Karten spielen. Ein SP-Mitglied kritisiert deshalb Koller für den Angriff auf Herzog: «Klar wissen wir, dass die USR III und die Partnerschaft zwischen Basel-Stadt und Baselland eng zusammenhängen. Aber ich halte es für falsch, den Bürgerlichen vor dem neuen Unideal Argumentationsmaterial zu liefern.» Das Timing der Kritik aus dem Baselbiet hat es jedenfalls in sich. Seit Wochen sind die beiden Bildungsdirektoren und Finanzdirektoren daran, ein mehrheitsfähiges Globalbudget für die nächste Leistungsperiode der Universität zu erarbeiten. In linken Kreisen wird auch kolportiert, der bürgerliche Baselbieter Finanzdirektor Anton Lauber habe sich über die Unternehmenssteuersenkungen aus dem Stadtkanton geärgert. Diese habe ihm keinen Spielraum gelassen.

Oskar Herzig (SVP), Präsident der interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission der Universität (IGPK Universität Basel) kann sich über den parteiinternen Zwist bei der SP nicht freuen. «Dieses Verhalten bringt uns in der jetzigen Situation überhaupt nicht weiter.» Herzig unterstellt der Baselbieter SP, «Parteipolitik» auf Kosten der Universität zu betreiben. «Ich bin überrascht, dass eine so etablierte Partei einen solchen Weg beschreitet», sagt Herzig. Er redet sich dabei derart in Rage, dass er für einen kurzen Moment vergisst, woher die Angriffe auf die partnerschaftlichen Institutionen im Normalfall kommen: von seinen Baselbieter Parteikollegen.

Widerspruch gibt es für Koller auch von der Basler Amtskollegin Brigitte Hollinger. «Ich glaube nicht, dass wegen der Unternehmenssteuerreform die partnerschaftlichen Institutionen unter Druck kommen», sagt sie. Sie sieht eher die Baselbieter Freisinnigen als die eigene Finanzdirektorin in der Verantwortung, die in den vergangenen Tagen «eindrücklich» vorgeführt hätten, wie stark die Uni unter Druck sei.

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