Für die Basler Fussballfans ist es das Wunschspiel der Saison: der Final der Europa-League im heimischen St. Jakob-Park. Die Fussballstadt träumt davon, dass die Rotblauen am 18. Mai die Trophäe in ihrem Joggeli in die Höhe stemmen. Sportlich läuft nach dem Sieg gegen Lech Posen alles nach Plan.

Der Traum vom grossen Auftritt im eigenen Stadion wäre trotzdem schon frühzeitig fast geplatzt. Ein Streit zwischen dem europäischen Fussballverband Uefa und der Stadt Basel ist eskaliert. Die Uefa drohte damit, den Final in Stockholm austragen zu lassen – die schwedische Hauptstadt ist Austragungsort des Finals 2017. Erst am Dienstag wurde der Konflikt beigelegt.

Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands SFV, sitzt als Verhandlungspartner mit der Uefa und der Stadt Basel am Tisch. Er bestätigt, dass die «Variante Stockholm» als «notwendige Alternative» diskutiert worden sei, falls die Probleme nicht gelöst werden können. Es war eigentlich ein technisches Detail, das die Wogen zwischen den Männern der Uefa und des Sportamts hochgehen liess. Für die Uefa stand aber das Wichtigste überhaupt auf dem Spiel: die Fernsehübertragung.

Just in den Wochen um den Europa-League-Final findet auf der anderen Strassenseite in der St. Jakobshalle der grösste bauliche Eingriff für die Sanierung statt. Deshalb werden die Übertragungswagen der Fernsehstationen an einem anderen Ort als bei der Euro 08 stehen. Damit die drei relevanten Satelliten anvisiert werden können, müssen Bäume geschnitten werden. Schon dies sorgte für Gesprächsstoff. Zur eigentlichen Pièce de résistance wurden aber die Kabel, die in einer begehbaren Brücke über der Strasse zum Stadion geführt werden müssen. Der Basler Sportamtschef Peter Howald sagt: «Der Bau einer Kabelbrücke klingt unspektakulär, ist aber mitten auf einer Grossbaustelle und über einer dicht befahrenen Strasse nicht ohne.»

Dass man in Basel nicht einfach diskussionslos ein paar Bäume fällen, Strassen sperren und eine Baustelle abriegeln kann, wenn die grosse Uefa anklopft, stiess bei den Verbandsbossen auf Unverständnis. Sportamt-Chef Howald gibt sich diplomatisch: «Wir haben schon ein gewisses Verständnis, dass die Uefa nervös wurde.» Sie habe eine verbindliche Sicherheit für die Fernsehübertragung benötigt. «Diese konnten wir eine Zeit lang nicht bieten», räumt er ein.

Basel ist der Uefa finanziell entgegengekommen. Die Kabelbrücke kostet gemäss Howald «grob geschätzt» 150 000 Franken. Die Uefa zahlt 100 000, Basel übernimmt den noch nicht definierten Rest. Das ist allerdings ein Klacks im Vergleich zu den Sicherheitskosten, die über das ordentliche Budget von Basel-Stadt abgerechnet werden. Howald rechnet mit einer halben bis zu einer ganzen Million Franken: «Je nach Paarung könnte es auch mehr sein.»

Nach den Vorstellungen der Uefa werden in der Stadt zudem Fanzonen eingerichtet: auf dem Barfüsser-, dem Clara- und dem Münsterplatz. Es werden nicht Public Viewings wie bei der Euro 08 sein, sondern Besammlungszonen für die Fans, «damit wir sie geordnet zum Stadion dirigieren können», wie Howald erklärt. Anschauungsunterricht erteilte die Uefa dafür beim Europa-League-Final in Warschau, wo sie eine Basler Delegation herumführte.

Die Anforderungen der Uefa füllen «ganze Kataloge», wie ein SFV-Mitarbeiter sagt. Infrage kommt jeweils nur ein «Elitestadion». Dies entspricht im Stadioninfrastruktur-Reglement der Uefa der höchsten Kategorie. Verlangt werden 500 VIP-Sitzplätze, ein permanentes Videoüberwachungssystem innerhalb und ausserhalb des Stadions sowie mindestens 400 Busparkplätze.

Der St. Jakob-Park erfüllt nicht alle Bedingungen. Um für den 18. Mai gerüstet zu sein, hat der FC Basel eine externe Projektleiterin engagiert. Derzeit versucht sie, Räume für ein Medienzentrum und «Uefa-Offices» zu organisieren. Gelegen kommt ihr, dass im St. Jakob-Turm immer noch zwei Büro-Stockwerke à 390 Quadratmeter freistehen.

Wie schwierig es ist, mit der Uefa über die Planung in Basel zu diskutieren, zeigt ein Anruf beim Hauptsitz in Nyon. Als die «Schweiz am Sonntag» den zuständigen Uefa-Delegierten Robert Bossert sprechen möchte, reagiert der Pressesprecher ungehalten: «Mister Bossert is certainly not talking to you.» Später mailt die Pressestelle ein paar Phrasen auf Französisch.

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