Das Basel Tattoo war schon immer eine Chimäre: Auf der einen Seite ist es ein professionelles Unternehmen, das Millionenumsätze macht und seinem Gründer Erik Julliard einen netten Gewinn in nicht kommunizierter Höhe einbringt. Auf der anderen Seite ist es eine Art Volksfest, an dem Hunderte von Freiwilligen ihre Freizeit und sogar ihre Ferien opfern, um den Anlass zu einem Erfolg zu machen.

Diese Diskrepanz störte bis anhin nur die wenigsten. Die rund 500 Freiwilligen arbeiten teilweise schon seit zehn Jahren mit, seit der Geburtsstunde des Tattoo. Ihr Lohn ist eine Gratisvorstellung, ein Helferessen und die Freude an der militärisch-fasnächtlichen Stimmung.

Doch in den nächsten beiden Jahren zieht das Team um Julliard die Zügel an. Nicht mehr alle Jobs dürfen die Freiwilligen – in der Tattoo-Sprache «Volunteers» genannt – übernehmen, insbesondere im Hospitality-Bereich, also bei der Betreuung von Gästen, VIPs und Lounges.

«Es tut mir weh, dass wir nun plötzlich nicht mehr gut genug sind, die VIPs zu betreuen», sagt eine langjährige Unterstützerin. «Das sollen jetzt nur noch Profis machen. Wir haben das Gefühl, wir seien zweite Wahl gewesen.»

Für einige bedeuten die Neuerungen rund um die Lounges gar das Ende ihrer jahrelangen Tattoo-Tätigkeit. Denn das Tattoo arbeitet gemäss seinem Produzenten nicht einfach mit einem Pool von 500 Freiwilligen, die mal dies, mal jenes tun. Sondern jeder hat eine klar zugeteilte Funktion. Fällt eine solche weg, beispielsweise nun in der VIP-Betreuung, sind auch die entsprechenden Helfer überzählig.

Julliard sagt lediglich, dass die Zahl der Freiwilligen in den Lounges «reduziert» werden soll. Aus Helferkreisen heisst es aber, dass das Team «komplett ausgewechselt, verkleinert und verjüngt» werde.

Zwang zum Ticketverkauf

Gleichzeitig sucht Julliard die Hilfe der Freiwilligen stärker, wenn es um den immer harziger laufenden Vorverkauf geht. Bereits im letzten Jahr erhielten alle aktuellen und ehemaligen Volunteers einen Brief des Tattoo-Chefs, in dem sie aufgefordert wurden, für die Veranstaltung Werbung zu machen. Und im Idealfall sollten sie gleich noch ein paar Tickets an den Mann zu bringen.

Ähnlich geht es ab nächstem Jahr auch den Standbetreibern in der sogenannten «Tattoo-Street». Sie bekommen ihre Standbewilligung nur noch, wenn sie im Gegenzug ein Kontingent an Tickets übernehmen. «Das ist bei vielen anderen Veranstaltungen genauso», erklärt Julliard das Vorgehen.

Und es gehe auch nicht um gigantischen Mengen von Tickets, sondern darum, dass eine Clique oder sonst ein Verein, der an der Tattoo-Street «einen schönen Batzen für die Kasse verdient, nicht nur profitiert, sondern auch aktiver Teil des Tattoo ist».

Helfer nicht einbezogen

Julliard hat gemerkt, dass ihm ein eisiger Wind entgegenbläst. «Wir kommen mit Neuerungen, und für viele Leute ist etwas Neues zuallererst einmal eine Verschlechterung», führt er aus.

Bei den Helfern und ihren Einsätzen hat Julliard diesen Konflikt gemieden. Hier wurden nicht einmal die Gruppenchefs der Helfer in die Neukonzeption mit einbezogen. Genau dies stiess ihnen sauer auf, insbesondere, weil sie eine Neuausrichtung selbst angeregt hatten.

Der neue Caterer, die Firma Wassermann, habe den Ton angegeben, heisst es. Ein Vorwurf, den Julliard nicht gelten lässt. Der Caterer habe damit «nur wenig» zu tun gehabt. Es sei Zeit für Neuerungen gewesen und man habe gemerkt, dass die Bereitschaft dazu bei den Volunteers nicht sehr gross sei. Also habe man sie nicht in die Diskussionen mit einbezogen.