Man sollte meinen, dass Basel im Umgang mit Grossanlässen eine gewisse Gelassenheit entwickelt hat. Die Stadt war Gastgeberin der Fussball-EM 2008, des OSZE-Treffens 2014 sowie des Europa-League-Finals 2016.

Doch der nächste Grossevent bereitet der Stadt Sorgen. Die Israelis feiern in diesem Jahr das 120-Jahr-Jubiläum des Zionistenkongresses – jenes Kongresses, dem die Idee der Staatsgründung Israels entsprang.

Wie unterschiedliche Quellen bestätigen, soll die Feier am letzten August-Wochenende in Basel stattfinden. Die World Zionist Organization und der israelische Staat haben die Basler Regierung jüngst darüber informiert.

Sorgen wegen Sicherheit

Viel mehr ist den Basler Behörden nicht bekannt. Angesichts der knappen Vorbereitungszeit machen sie sich Sorgen. Denn seitens der israelischen Delegation wird voraussichtlich ein umstrittener Staatsmann zu Besuch sein. Stefan Roth, Presse- und Kulturattaché der israelischen Botschaft, bekräftigt, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an seinem Plan feshalten wolle, in die Schweiz zu kommen.

Unabhängig davon, wie gross die Delegation der jüdischen Vertreter sein wird: Alleine der Besuch Netanjahus bedarf stark erhöhter Sicherheitsvorkehrungen. Bei der 100-Jahr-Feier des Zionistenkongresses, die vor 20 Jahren ebenfalls in Basel abgehalten wurde, war Basel-Stadt auf die Hilfe anderer Kantonspolizeien sowie von 700 Armeeangehörigen angewiesen.

Die Planungszeit betrug rund eineinhalb Jahre. Vor zwei Monaten hatte die Basler Regierung deshalb kommuniziert, dass sie die Vorlaufzeit für «zu knapp» befinde. Ausserdem müsse man mit Kosten von rund zehn Millionen Franken rechnen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Der Basler Regierungssprecher Marco Greiner liess bereits im März in der bz durchblicken, dass die Informationspolitik der Israelis dürftig sei. Nach einem Besuch einer israelischen Delegation im Februar sei ein Monat verstrichen, «ohne dass wir eine offizielle Anfrage erhalten haben».

Die offizielle Anfrage ist in der Zwischenzeit erfolgt. Doch lassen die Israelis die Basler seither über den Planungsfortschritt im Dunkeln tappen. Es ist lediglich bekannt, dass die Jubiläumsveranstaltung in der Messe und das Galadiner im Hotel Les Trois Rois stattfinden soll. Ob allerdings noch Minister oder Präsidenten anderer Länder zugegen sein werden oder nicht – darüber herrscht weiterhin keine Klarheit. Die Rede ist unter anderem von einem Besuch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Netanjahu will auch nach Bern

Trotz vieler Fragezeichen sieht sich Basel gezwungen, die Sicherheitsfrage an die Hand zu nehmen. Der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler bestätigt, dass die Basler Polizei bereits «die Unterstützungsanfrage an das Konkordat Nordwestschweiz gestellt hat.» Ebenfalls ist ein entsprechender Antrag bei der schweizerischen Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren eingetroffen.

Basel wäre bei einem Event mit dieser Brisanz auf die Hilfe von Kantonspolizeien aus der ganzen Schweiz angewiesen. Mit Skepsis werden in Basel polizeiintern deshalb die Pläne beurteilt, welche die «NZZ am Sonntag» vor zwei Wochen beschrieb. Nicht nur will die israelische Delegation in Basel feiern, sondern auch einen Staatsbesuch in Bern abstatten. Hier will Netanjahu einen oder mehrere Bundesräte treffen. Dies wiederum bedingt, dass die Berner Polizei in der Bundesstadt für Sicherheit sorgt – und nicht für einen Hilfseinsatz in Basel zur Verfügung steht.

Die Planung würde weiter erschwert. Denn die Berner Kantonspolizei hat sich bei vergangenen Grossanlässen als verlässlicher Partner erwiesen.