Der Entscheid ist gefallen. Nach langem Warten auf genauere Informationen von israelischer Seite hat die Basler Regierung entschieden, dass der für Ende August geplante Kongress zum 120-Jahre-Jubiläum des ersten Zionistenkongresses nicht stattfinden kann.

Zu den Feierlichkeiten in Basel waren rund 1500 Personen erwartet worden. Auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sein Kommen angekündigt. Sogar über einen Besuch des US-Präsidenten Donald Trump wurde gemunkelt.

Konkrete Angaben lieferten die israelischen Organisatoren allerdings kaum. Auf Basler Seite blieben zu viele Fragen offen. Deshalb hat die Regierung nun entschieden, den Kongress abzusagen.

«Wichtige Fragen, die sich bei der Organisation eines solchen Grossanlasses stellen, konnten nicht geklärt werden», sagt Regierungssprecher Marco Greiner. «Die Zeit reicht nun nicht mehr, um bis Ende August die notwendigen Massnahmen – namentlich bei der Polizei und den anderen Sicherheitsbehörden – zu ergreifen. Wir tragen die Verantwortung für unsere Gäste. Und wenn wir das Gefühl haben, wir könnten nicht hundertprozentig für ihre Sicherheit garantieren, müssen wir konsequent sein.» Zudem wäre es schwierig, die Bevölkerung noch länger im Unklaren zu lassen.

Die Regierung hatte bereits im März gewarnt, dass die Vorlaufzeit zu knapp sei. Denn die israelische Botschaft war erst einen Monat zuvor mit der Idee an die Basler Behörden gelangt. Zum Vergleich: Der letzten vergleichbaren Grossveranstaltung, der OSZE-Konferenz vor drei Jahren, ging eine Vorbereitungszeit von eineinhalb Jahren voraus. Damals standen 3600 Soldaten und 1000 Polizisten im Einsatz.

Angesichts der Dimension des Anlasses hatten die Basler Behörden in den letzten Monaten bereits auf eigene Faust mit der Planung begonnen. Polizisten wurden über allfällige Feriensperren vorgewarnt, weitere Korps über den möglichen Grosseinsatz informiert und auch die Armee aufgeboten.

«Diese Vorbereitungsplanungen konnten wir machen. Doch für die Detailplanung hatten wir nicht genügend Informationen», sagte Greiner. So hätten die Basler Behörden etwa wissen müssen, welche internationalen Politiker zu den Feierlichkeiten erwartet worden wären.

Doch so kurz vor einem derartigen Grossanlass müssen auch scheinbare Kleinigkeiten geklärt sein. So muss bei einem Anlass dieser Grössenordnung mit weltpolitischen Schwergewichten etwa jeder Cateringmitarbeiter sicherheitstechnisch abgeklärt werden.

Mit der Absage bleiben die Basler Behörden nun auf den wohl nicht unerheblichen Kosten für ihren bisherigen Aufwand sitzen. Genau beziffern lassen sich diese noch nicht. Der Löwenanteil der Kosten wäre erst beim Kongress selber angefallen, sagt der Regierungssprecher.

Verständnis für Entscheid

Die Regierung hat ihren Entscheid am Donnerstag dem israelischen Botschafter persönlich mitgeteilt. Dieser sei enttäuscht gewesen. «Wir bedauern ausserordentlich, dass die Feier nicht stattfinden kann, denn wir sind uns der Bedeutung dieses Ereignisses bewusst», betont Greiner.

Der erste Zionistenkongress, der vom 29. bis 31. August 1897 im Basler Stadtcasino unter der Leitung des Schriftstellers und Journalisten Theodor Herzl stattfand, gilt als Geburtsstunde des Staates Israel. Beim Treffen wurde das damals noch ferne Ziel eines jüdischen Staats in Palästina formuliert. Bereits das 100-Jahr-Jubiläum war 1997 gross gefeiert worden.

Entsprechend enttäuscht reagiert auch der schweizerische Zionistenverband, welcher bei der Planung des Kongresses involviert war: «Wir bedauern es ausserordentlich, dass die für Ende August geplanten Feierlichkeiten nicht stattfinden können», sagt der schweizerische Vertreter Marcel Engelmayer. Dies erst recht, wenn man sich an den Grosserfolg der 100-Jahr-Feier in Basel erinnere. «Basel und die Schweiz haben für die Geschichte der Zionistenkongresse eine herausragende Bedeutung, was auch heute mit grosser Dankbarkeit immer wieder betont wird.»

Guy Rueff von der Israelitischen Gemeinde Basel äussert Verständnis: «Der Zeitbedarf ist in Israel schlicht unterschätzt worden. Man hat offensichtlich die hiesigen Gegebenheiten falsch eingeschätzt. So habe die Schweiz etwa kein stehendes Heer, das rasch eingesetzt werden kann. «Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass es sehr kurzfristig wird.»

Ganz vergessen wird das Jubiläum aber sicherlich nicht. So plant der Schweizerische Israelitische Gemeindebund einen eigenen Anlass. Und auch Greiner sagt: «Sollten die Veranstalter den Zionistenkongress zu einem späteren Zeitpunkt in Basel durchführen wollen, wären wir natürlich zu einer Zusammenarbeit bereit.»