Während die Spitalgruppe, der Zusammenschluss der grossen öffentlichen Häuser Universitätsspital Basel und Kantonsspital Baselland, frühestens 2020 loslegen kann, baut die private Konkurrenz ihr Netzwerk im Schnellzugstempo aus: Das St. Claraspital stellt mit dem Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) ein gemeinsames Bauch- und Tumorzentrum auf die Beine. Nach Ostern wird es vorgestellt, gestartet wird sofort. Claraspital-Direktor Peter Eichenberger ist ein Coup gelungen: «Eine solche Zusammenarbeit hat es in der Nordwestschweiz so bisher nicht gegeben.» Das Claraspital ist das grösste Basler Privatspital, das GZF mit den Standorten Rheinfelden und Laufenburg der Platzhirsch in der Grundversorgung im Fricktal.

Baselbieter Patienten anlocken

Die Partner sehen in der strategischen Zusammenarbeit auf der Rheinachse eine Win-win-Situation: Das Claraspital möchte im Bereich der Hochspezialisierten Medizin zusätzliche Patienten aus dem Fricktal versorgen. Diese sollen nicht mehr nach Liestal, Aarau oder ans Basler Unispital abwandern. «Die Partnerschaft soll helfen, Fallzahlen in den hochspezialisierten Bereichen Bauch und Tumor abzusichern, was der Qualität und dem Patienten zugute kommt», sagt Eichenberger.

Demgegenüber geht es für das GZF darum, seine Position als Anlaufstelle Nummer eins für die Bewohner der Bezirke Rheinfelden und Laufenburg zu stärken. Zudem will man vermehrt Patienten aus dem angrenzenden Baselbiet anlocken. «Wir möchten wohnortsnah ein möglichst breites medizinisches Angebot abdecken», sagt GZF-Sprecherin Miriam Crespo. Wie in den beiden Basel wird auch in der Aargauer Spitallandschaft der Druck nach Zentralisierung immer grösser. «Die Zeiten, in denen man auf dem Markt alleine bestehen kann, sind vorbei. Wir wollen uns durch Kooperationen stärken», sagt Crespo.

Funktionieren soll diese dank eines ineinandergreifendes Behandlungskonzepts. Demnach sucht etwa ein Fricktaler Patient mit Verdacht auf Krebs nicht das spezialisierte Zentrumspital, sondern eines der beiden GZF-Häuser in seiner Nähe auf. Dort entscheidet das Tumorboard, das aus Ärzten und Spezialisten beider Häuser besteht, über den Behandlungspfad. Einer Chemotherapie kann sich der Patient ohne weiteres am GZF unterziehen, für eine Strahlentherapie wird er aber das Claraspital aufsuchen müssen. «Der Patient muss sich bei seinem Eintritt im GZF keine Sorgen machen, wie und wo seine Behandlung vorgenommen wird», sagt Crespo. Eine Zuweisung ans Claraspital ist kein Muss – der Patient entscheidet mit dem Hausarzt souverän –, aber gewissermassen vorgezeichnet. Derzeit stammen im Claraspital nur 4 Prozent der stationären Patienten aus dem Aargau, davon über 90 Prozent aus Gebieten nördlich des Juras. Eichenberger rechnet zwar nicht mit einer Verdoppelung, aber doch einem merklichen Zuwachs von Aargauer Patienten mit hochspezialisiertem Behandlungsbedarf.

"Nur" 4 Prozent der Patienten aus dem Aargau

Mit rund 11 000 stationären Eintritten 2016 und etwas über 1100 Mitarbeitenden ist das Basler Privatspital leicht grösser als das GZF mit den Standorten Rheinfelden und Laufenburg, das total 8200 stationäre Eintritte pro Jahr und 900 Mitarbeitende zählt. Eichenberger spricht von einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Die beiden Häuser würden zudem «von der Kultur her ähnlich ticken.» Das lässt sich auch an der Rechtsform festmachen: Beide Spitäler haben eine private, gemeinnützige Trägerschaft; beim Claraspital ist es das Kloster Ingenbohl, beim GZF eine Aktiengesellschaft, die in eine Stiftung eingebettet ist.

Hintergrund der Zusammenarbeit ist der zunehmende politische Druck, angesichts ungebremst steigender Gesundheitskosten Leistungen zu bündeln. In den beiden Basel sind die Gesundheitsdirektoren daran, ihre Spitallisten zu straffen. Künftig soll nicht mehr jedes Spital alles anbieten. Hinzu kommt auf nationaler Ebene der starke Konkurrenzdruck in der Hochspezialisierten Medizin. Wer welche Disziplinen anbieten darf, entscheidet ein einziges, von allen 26 Kantonen getragenes Planungsorgan. Spitäler mit hohen Fallzahlen sind klar im Vorteil. Die Zeit ist dabei ein entscheidender Faktor. Ist die Kooperation zwischen Claraspital und GZF also eine Kampfansage an die öffentlichen Spitäler beider Basel? Eichenberger drückt es diplomatisch aus: «Die Spitalgruppe kann ihre Grösse und die Kraft des Regulators in die Waagschale werfen. Wir müssen dem die Kraft des Patienten- und Zuweisernutzens entgegenhalten», sagt Eichenberger.