Die Idee von öffentlichen Mietvelos brauchte in Basel-Stadt viel Puste. Sie kurvte durch Politik und Verwaltung und landete mehrfach im Sauerstoffzelt, bevor sie in die Zielgerade einbog. Diese Woche beschloss die Regierung nun: Basel erhält ein Veloverleihsystem. Wer die Stationen mit den Mietvelos betreibt, ist gegenwärtig offen. Der Regierungsrat will mit einem Anbieter aus der Privatwirtschaft zusammenarbeiten. Dafür sieht er eine Gesamtdienstleisterausschreibung vor – und zieht mit dieser Bekanntmachung gleichzeitig sanft die Bremse.

Bevor der Auftrag ausgeschrieben wird, will die Regierung die Entwicklung in anderen Städten abwarten, deren Verfahren vor dem Bundesgericht hängig sind. Wäre es nach Zürich gegangen, könnten seit diesem Jahr rund 1500 Velos an rund 100 Standorten ausgeliehen werden. Dasselbe in Bern: Die Stadt plante, im kommenden Frühling 2000 Fahrräder an 180 Stationen bereitzustellen. Doch an beiden Orten sind die Pläne durch Beschwerden von unterlegenen Mitbewerbern blockiert.

Solche juristische Umwege versuche Basel zu vermeiden, sagt Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD): «Da die Verfahren in den Städten unterschiedlich waren, möchte Basel-Stadt weitere Gerichtsurteile abwarten, um eine möglichst hohe Rechtssicherheit bei der Festlegung des eigenen Vorgehens zu haben.»

Knappe Parkflächen
Den politischen Vorstoss für ein Veloverleihsystem deponierte SP-Grossrat Jörg Vitelli bereits 2007. Die Entscheidung wurde zweifach aufgeschoben. Eine zu erstellende Konzeptstudie oder ein privat initiiertes Pilotprojekt sollte abgewartet werden. 2014 lehnte die Regierung den Anzug ab. Die Begründung: Der Nutzen sei aufgrund der hohen Velodichte in Basel für die Einwohner «gering». Mietvelos kämen vor allem Touristen und Besuchern zugute. Anders entschied der Grosse Rat: Er liess den Vorstoss nochmals prüfen. Jetzt schwenkt die Regierung um. Wieso? Inzwischen würden andere Schweizer Städte an solchen Systemen arbeiten oder hätten sie bereits eingeführt, sagt BVD-Sprecher Keller. «Das Interesse und die Bereitschaft der Menschen wächst, Dinge zu teilen und gemeinsam zu nutzen, statt zu besitzen.» Durch die steigenden Pendlerzahlen würden zudem die Parkflächen von Velos wie Autos stets knapper.

Der notwendige Platz könnte allerdings auch eine juristische Hürde für das Veloverleih-System bedeuten. Brauchen die fixen Standflächen Baubewilligungen, könnten Rekurse sie verzögern oder gar scheitern lassen.

Ein flexibleres Modell testete die Versicherung Mobiliar diesen Herbst in Zürich. Wie beim Carsharing «Catch a car» können die E-Bikes mit einer App geortet und nach der Fahrt auf einem beliebigen Parkfeld zurückgelassen werden. Ob das Geschäftsmodell eingeführt und auf andere Orte ausgedehnt werde, sei noch offen, sagt Projektverantwortliche Jana Lév. In Basel sieht sie Potenzial: «Die Stadt käme für uns durchaus auch infrage.»

Das Argument der hohen Velodichte lässt Lév nicht gelten: «Auch in Zürich ist die Dichte an Fahrrädern hoch.

Unsere E-Bikes nutzten aber auch Einwohner, die beispielsweise längere Strecken auf dem Fahrrad zurücklegen und dennoch nicht verschwitzt an die Sitzung kommen wollen.» Insbesondere hätten aber Pendler und Besucher, die für eine kurze Zeit beruflich in Zürich tätig waren, sich auf die Sitze der E-Bikes geschwungen.

Welches Modell bessere Chancen in Basel hat, ist noch offen. Die Ausgestaltung sei noch nicht definiert, sagt Keller: «Kriterien bei der Wahl sind unter anderem die gestalterischen Eingriffe in den öffentlichen Raum, die Kosten für Investition, Unterhalt und Betrieb sowie Komfort, Sicherheit, Zugang und Zuverlässigkeit für die Kunden.»

Dass auch in einer Velostadt wie Basel Fahrräder auf Zeit gefragt sind, zeigt ein Blick zu Novartis. Das Pharma-Unternehmen besitzt 800 Velos, die es seinen Mitarbeitern vermietet. Zurzeit sind alle gebucht. Es besteht eine Warteliste.

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