Anwälte sind diskret. Selbst wenn sie es krachen lassen, die Fassade bleibt gewahrt. Recherchen der «Schweiz am Sonntag» ergeben, dass der Haussegen bei der Basler Anwaltskanzlei Wegner Plattner schief hängt. Doch Anfragen an verschiedene Anwälte der Wirtschaftskanzlei wurden intern kanalisiert und Reto Vonzun erklärte als Sprecher aller: «Aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die künftige Strategie treten sieben Partner und weitere Mitarbeiter per Ende Juli aus der Kanzlei aus.» Ende der Durchsage.

Wenger Plattner gehört mit rund 70 Anwälten sowie mit Standorten in Basel, Zürich, Bern und Genf zu den Grossen der Branche. Neben der Kanzlei Vischer ist sie zudem die einzige namhafte Anwaltsfirma, deren Gründung zumindest hälftig in Basel erfolgte. Doch wie bei Vischer, die sogar ihren Hauptsitz nach Zürich verlegte, ist auch Wenger Plattner mittlerweile mächtiger an der Limmat als am Rhein. 12 der 22 Partner arbeiten derzeit in Zürich. Künftig werden es 12 von 15 sein, der Basler Standort droht zu marginalisieren.

Dem Vernehmen nach sei es ein «Generationenkonflikt», der die Anwälte des Basler Standbeins entzweite. Die Fraktion der Älteren wird angeführt von Peter Mosimann, seit 1980 Partner in der Kanzlei der Alphatiere Werner Wenger und Jürg Plattner. Mosimann, der anerkannte Kunstrechtsexperte und Präsident der Basler Kunstkommission, vertritt das Basler Establishment in der Kanzlei.

Roland Mathys ist einer der Partner, die bereits den Abschied gegeben haben. In einem Rundmail hatte er seinen Wechsel zur Zürcher Kanzlei Schellenberg Wittwer, hinter Lenz & Staehelin der Nummer zwei der Branche, kommuniziert und geschrieben, mit ihm würden noch ein paar weitere Anwälte gehen. Damit hat er in der anwaltschaftlichen Gerüchteküche richtig eingeheizt.

Der prominenteste Abgang wird Bernhard Heusler sein. Der Präsident und nominell Eigentümer des FC Basel ist seit 2000 Partner bei Wenger Plattner. Sein Aufstieg vom juristischen Berater des FCB zur rechten Hand der Präsidentin Gigi Oeri und schliesslich zu deren Nachfolger machte den smarten Heusler zum Aushängeschild der ansonsten diskreten Kanzlei. Sein zweites namhaftes Mandat hat Heusler als Verwaltungsrat des Kiosk-Konzerns Valora. Heusler verweist auf Anfrage auf die offizielle Kanzlei-Kommunikation, soll dem Vernehmen nach jedoch Konsulent einer neuen Kanzlei werden, die sich ebenfalls in der Aeschenvorstadt, Basels Law District, einrichten wird.

Treibende Kraft für die Neuorientierung dürfte der Anwalt und Multiverwaltungsrat Alexander Gutmans sein. Womöglich, so laufen die Wetten in den Korridoren der Basler Kanzleien, wird das neue Büro eine Allianz mit einer weiteren Zürcher Grosskanzlei eingehen, die in Basel noch nicht präsent ist. Entsprechende Gespräche würden geführt, als Favorit gilt derzeit die Wirtschaftskanzlei Walder Wyss, die Nummer fünf im Ranking der grössten Kanzleien.

Insgesamt figurieren derzeit 32 Personen auf der Liste der juristischen Mitarbeiter, die in Basel bei Wenger Plattner arbeiten. Wie viele sich Heusler Gutmans und ihren Partnern anschliessen werden, scheint noch nicht abschliessend geklärt. Einer, der sicher die Kanzlei verlassen wird, ist Stephan Werthmüller. Der Steuerexperte ist nicht nur Verwaltungsrat des FC Basel, sondern auch in zahlreichen anderen Society-Kreisen bestens vernetzt; er gehört zu den Gründern des «Club de Bâle», ist enger Begleiter von Simon «Kuppel»-Lutz, half das Überleben des «Stucki» zu sichern.

Werthmüller ist erst seit rund vier Jahren bei Wenger Plattner. Er stiess dazu, als sich die Kanzlei Holzach & Partner im Knall praktisch auflöste. Er kam nicht allein, sondern zusammen mit Ludwig Furger und Nicolas Arias. Es ist anzunehmen, dass sich das Team auch wieder zusammen verabschieden wird.

Die Anwaltsbranche hat sich in den vergangenen Jahren stark konzentriert. Vor allem Wirtschaftskanzleien haben sich zu grossen Anwaltsfabriken entwickelt, um komplexe internationale Deals mit allen juristischen und steuerlichen Komponenten begleiten zu können. Gleichzeitig sind die Anwälte auf ihre Eigenständigkeit bedacht, was zu wiederkehrenden Zerwürfnissen und Abspaltungen führt.

Juristisch wird die Aufspaltung von Wenger Plattner immerhin kein Problem geben. Die Kanzlei ist weiterhin als einfache Kollektivgesellschaft organisiert. Die eingetragene Wenger Plattner AG ist funktionslos und dient lediglich dem Schein.

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