Auf Hanspeter Ackermann (54) warten Hausaufgaben. Spätestens im April übernimmt der Bündner die Leitung der Bank Coop, einer Tochter der Basler Kantonalbank, die in letzter Zeit verschiedenste Pannen und Skandale erlebt hat: Von falsch verschickter Post bis zur aufgeflogenen Manipulation des eigenen Aktienkurses, die Bankchef Andreas Waespi den Job gekostet und ihm ein dreijähriges Berufsverbot eingebracht hat. Keine gemütliche Ausgangslage also.

Ackermann kommt von aussen, ist nicht vorbelastet. 28 Jahre lang arbeitete er für die Credit Suisse, zuletzt als Leiter des Privatkundengeschäfts in Zürich Nord/West. Der Personalimport hat im Konzern BKB durchaus Tradition: Der frühere BKB-Chef Werner Sigg kam direkt von der Volksbank, als diese von der Credit Suisse gekauft wurde. Und Andreas Waespi war ebenfalls bei der Credit Suisse, bevor er 1996 zur BKB wechselte.

Ackermann ist voller Vorfreude, «einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Bank Coop leisten zu dürfen». Denn nicht nur belasten die vielen Pannen die Stimmung, auch hat sich bereits das nächste Problem angekündigt: Die Bank muss die vor sieben Jahren aufgebaute Vertriebskooperation mit der Versicherung Nationale Suisse auf Ende 2014 aufgeben, nachdem die National vor kurzem von der Helvetia geschluckt worden ist. Denn die Helvetia arbeitet bereits mit der Raiffeisen-Gruppe zusammen. Nicht zuletzt hat kurz vor Weihnachten auch noch Kreditchef Yves Grütter gekündigt.

Die Reaktionen auf Ackermanns Berufung waren durchzogen. «Hanspeter who?», fragte etwa das Zürcher Internetportal «Inside Paradeplatz» und wunderte sich, dass ein «Noname»-Banker gewählt wurde. In Basler Bankerkreisen ist man nicht erstaunt: Da die Basler Kantonalbank (BKB) Mehrheitsaktionärin der Bank Coop mit einem Anteil von 57,6 Prozent ist und auf starke Synergien mit den über dreissig Schweizer Bank-Coop-Standorten von Delémont bis Locarno ausserhalb des engen Stadtkantons setzt, seien Mitsprache und Kreativität des Firmenchefs der BKB-Tochter Bank Coop eben eingeschränkt.

Ackermann muss sich neben der BKB auch mit dem Detailhändler Coop gut verstehen. So gab das Pannenjahr im Coop-Regionalrat Nordwestschweiz zu reden. Immerhin trägt das Finanzinstitut den Namen der Coop-Gruppe, was für die Reputation des Detailhändlers nicht unbedeutend ist. Sie ist mit 10,4 Prozent an der Bank Coop beteiligt. Zudem ist sie seit 1999 mit der BKB über einen Aktionärsbindungsvertrag verbunden. Ihre einstige Mehrheit hatte die Coop-Gruppe im Jahr 2000 an die BKB verkauft, weil sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollte.

Auf Anfrage bestätigt eine Coop-Sprecherin erstmals, dass der Detailhändler trotz der Pannen «sein Engagement bei der Bank fortführen wird». Der Nutzen der Bank für den Detailhändler sei immer noch gross genug. Nicht zuletzt wird Coop von der Bank für die Nutzung des Namens finanziell entschädigt. Über die turnusgemässe Erneuerung dieses Kooperationsvertrags wird nach Informationen der «Schweiz am Sonntag» im Jahr 2016 diskutiert. Coop werde wie immer die Situation analysieren und dann über eine Vertragsverlängerung entscheiden, sagt die Coop Sprecherin. Neben BKB und Coop sind Gewerkschaftsverbände mit 4,8 Prozent und Publikumsaktionäre mit 23,4 Prozent sowie die Bank Coop mit 3,8 Prozent gemäss Jahresbericht 2013 an der Bank beteiligt.

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