Von Leif Simonsen

Für Esther Maag war immer klar: «Nach 50 tue ich nur noch Dinge, die Freude machen, innovativ sind und auf Resonanz stossen.» Und eines gehört für die ehemalige Landratspräsidentin nicht mehr dazu: die Politik der Baselbieter Grünen. Gemäss Recherchen hat sie der Partei den Rücken gekehrt. Für die Grünen kommt Maags Abgang zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Gerade erst haben sie ihren aufmüpfigen Bildungspolitiker Jürg Wiedemann ausgeschlossen und somit zwei ganze Sektionen vergrault. Zunächst spalteten sich die Grünen Birsfelden ab, am vergangenen Freitag folgte die Sektion Allschwil.

Maag geht mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Noch im Februar wurde sie von ihrer Sektion Liestal für die Nationalratsliste der Grünen vorgeschlagen. Eine Woche vor der Nominationsveranstaltung am 25. März gab sie der Partei aber bekannt, dass sie nicht zur Verfügung stehe.

Maags Frust hat sich über Jahre angestaut und richtet sich in erster Linie gegen die Parteispitze. «Mehr als ein Mal wurden andere und ich von führenden Mitgliedern hintergangen oder hängengelassen», sagt sie. Nicht verziehen hat sie das Vorpreschen des Fraktionschefs Klaus Kirchmayr und des früheren Grünen-Präsidenten Philipp Schoch bei der Fusionsinitiative. «Für mich persönlich war dies das Schlimmste: Ich musste als Initiantin eines Kantons Nordwestschweiz davon aus der Zeitung erfahren.» Es sei nicht das einzige Mal gewesen, dass die Parteispitze «engagierte, aktive Mitglieder» gezielt ausgeschlossen habe. Bisher habe sie sich aus Loyalität gegenüber der Partei zurückgehalten. Die Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit hätten aber das Fass zum Überlaufen gebracht. Maag bezeichnet die Baselbieter Grünen heute als «krankes System». Dies habe sich beim Ausschluss Wiedemanns gezeigt: «Es ist bekannt, dass in einem solchen System ein Einzelner zum Bösewicht erklärt und für alles Übel verantwortlich gemacht wird», analysiert die Liestalerin. Ihren Entscheid, die Grünen zu verlassen, habe sie aber vor dem Ausschluss Wiedemanns getroffen. «Es war schon lange am Gären. Nur wollten das etliche nicht wahrhaben.»

Für die Grünen könnte der Abgang Maags doppelt schmerzhaft sein. Nicht nur verlieren sie mit der Landratspräsidentin von 2007/08 eines der prominentesten Mitglieder. Die Dissidentin könnte bei den Wahlen im Herbst auch eine veritable Bedrohung für ihre einzige Nationalrätin Maya Graf werden, wenn sie sich der Konkurrenz anschliesst. «Ich führe Gespräche mit den Grünliberalen und den Grünen-Unabhängigen, habe mich aber noch nicht entschieden», sagt Maag, die hinter ihrer Dauerrivalin Graf zwölf Jahre Erstnachrückende für den Nationalrat war. Auch sie weiss, dass mit einer klugen Listenverbindung eine Überraschung möglich ist.

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