Mit komplexen Fällen der Finanzkriminalität tun sich die Untersuchungsbehörden schwer. Dies beweist in diesen Tagen der Prozess gegen den Basler Fondsmanager Dieter Behring in Bellinzona. Unglaubliche zwölf Jahre dauerten die Ermittlungen.

Im mutmasslichen Anlagebetrugsfall der ASE Investment AG mit Büros in Frick hat die Staatsanwaltschaft (Stawa) Aargau nach vier Jahren Ermittlungen die Schlusseinvernahmen durchgeführt. Derzeit findet die elektronische Auflage der Akten für allfällige Beweisergänzungen statt. «Die Anklageerhebung ist noch in diesem Jahr geplant, immer unter Vorbehalt der beantragten Beweisergänzungen», sagt Stawa-Sprecherin Fiona Strebel.

Mehrere 100 Millionen Franken
Im ASE-Fall geht die Stawa von 1 500 Geschädigten aus. Zur Höhe der Deliktsumme will sie sich erst in der Anklage äussern. Schätzungen gehen von mehreren 100 Millionen Franken aus. Dass im Aargau schneller als bei der Bundesanwaltschaft gearbeitet wurde, hat auch damit zu tun, dass sich der ehemalige ASE-Geschäftsführer gegenüber den Ermittlern kooperativer als Behring zeigte.

Gegen drei Beschuldigte führt die Stawa Aargau ein Verfahren: gegen den ehemaligen ASE-Geschäftsführer wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Betrug, Urkundenfälschung, Misswirtschaft und Geldwäscherei; gegen den ehemaligen ASE-Verwaltungsratspräsidenten wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung, Misswirtschaft und Geldwäscherei und gegen einen ehemaligen Kundenbetreuer der damaligen Zürcher Filiale der Basler Kantonalbank (BKB) wegen Gehilfenschaft zu Betrug. «Alle drei werden voraussichtlich angeklagt», sagt Strebel. Erst die Anklage wird zeigen, welche Tatbestände herangezogen werden.

Der Fall der heute liquidierten ASE wurde publik, nachdem die BKB im Frühjahr 2012 eine Strafanzeige gegen die Anlagefirma eingereicht hatte. Kurz darauf wurde der ASE-Geschäftsführer in Untersuchungshaft gesetzt. Er befindet sich heute im vorgezogenen Strafvollzug. Ein ASE-Kunde hatte sich an die BKB gewandt, weil er unterschiedliche Kontostände in Auszügen der ASE verglichen mit den Konti bei der BKB festgestellt hatte. Die BKB hatte als Depotbank für die ASE gewirkt. Über gefälschte Zahlungsaufträge soll die ASE Gelder abgesaugt haben.

Finma kritisierte die BKB
Die Finma rügte die BKB 2013. Sie habe «bankengesetzliche Organisations- und Gewährserfordernisse schwer verletzt». Die BKB einigte sich daraufhin mit rund 500 geschädigten Kunden auf einen Vergleich. Ihnen wurde ein Teil ihres Schadens bezahlt, wofür Rückstellungen der Bank in Höhe von 50 Millionen Franken ausreichend waren.

Für einen Teil der Geschädigten ist die BKB damit aber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Die Zürcher Anwaltskanzlei Weder Viganò, die 380 ASE-Geschädigte vertritt, hat im Herbst Strafanzeige wegen Geldwäscherei durch Unterlassung eingereicht. Die Bank habe organisatorisch zu wenig getan, um Geldwäscherei zu verhindern. Laut Stawa ist die Anzeige zurückgestellt. Falls im Prozess auf Geldwäscherei erkannt wird, will die Anwaltskanzlei die Sache weiterführen.

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