Von Miriam Glass

Die Architekten Dominique Salathé und Jean-Pierre Wymann haben einen Traum: Ein «Haus der Baukultur» in Basel. Ein Treffpunkt für Architekten, Ingenieure und Architekturinteressierte soll es sein.

Sie stellen sich einen Ort vor, an dem sämtliche Akteure aus Architektur und Ingenieurswesen, von denen es in Basel zahlreiche gibt, ihr Zentrum haben. Einen Raum für Vorträge und Wettbewerbsausstellungen, an dem auch das Modell der Stadt Basel in voller Grösse gezeigt werden könnte, das heute im Bau- und Verkehrsdepartement an der Rittergasse nur in Teilen zu sehen ist.

2020 sollte dieses Architekturhaus eröffnen, es gehört zum Programm der Internationalen Bauausstellung Basel (IBA). Doch das Projekt stockt. 2012 gingen Salathé und Wymann damit an die Öffentlichkeit, unterstützt von der Basler Ortsgruppe des Bundes Schweizer Architekten BSA. Kontakte zu möglichen Partnern habe man geknüpft, sgt Salathé. Doch die Suche nach Geldgebern sei schwierig, die Branche verzettelt.

Was Salathé und Wymann vorschwebt, funktioniert nur, wenn die Grossen der Branche dabei sind. Ein wichtiger Partner wäre das Schweizerische Architekturmuseum SAM, das heuer sein 30-Jahr-Jubiläum feiert. Dessen Direktor Hubertus Adam erteilt der Idee jetzt aber eine Absage: «Der Vorschlag ist nicht schlecht», sagt er. «Ich halte ihn aber für unrealistisch. Woher soll das Geld kommen?»

Adam fürchtet um Gelder, die jetzt seinem Museum zufliessen. Nach dem finanziellen Debakel 2009, als das SAM mit einem Defizit von 900 000 Franken zum Sanierungsfall wurde, steht das SAM wieder auf stabilem Boden. Unter anderem durch Beiträge der Stadt Basel (80 000 Franken pro Jahr) und neu des Bundesamtes für Kultur (insgesamt 500 000 Franken für 2014 und 2015).

Ein Drittel des Budgets von rund einer Million Franken wird jedoch durch Mitgliederbeiträge gedeckt. Und zu den Mitgliedern gehören die wichtigen Büros in Basel. Herzog & deMeuron, Diener & Diener sowie Burckhardt und Partner haben sich zu jährlichen Beiträgen von mindestens 20 000 Franken verpflichtet, zahlreiche weitere zahlen mindestens 2500 Franken. Sponsoring und Partnerschaften decken das fehlende Drittel des Budgets. Adam sagt: «Für ein Haus der Baukultur kämen die gleichen Geldgeber infrage wie für uns. Zwei Orte würden aber nur wenige unterstützen.»

Anders klingt es beim Bau- und Verkehrsdepartement (BVD). «Wir begrüssen die Initiative», sagt Sprecherin Jasmin Fürstenberger, «das Bedürfnis ist unbestritten.» Sich an einem Architekturhaus inhaltlich zu beteiligen und es für das Stadtmodell zu nutzen, sei im Interesse des BVD. Ob sich der Kanton finanziell beteiligen würde, sei zurzeit aber «völlig offen und müsste bei einer eventuellen Anfrage geprüft werden».

Die Hürden für das Architekturhaus sind jedoch nicht bloss finanzieller Natur. Das Projekt selbst verweist auf das eigentliche Problem: In der Architekturstadt Basel agieren zahlreiche Institutionen und Verbände. Die Fachhochschule mit dem Architekturstudium, das ETH-Studio, die Stiftung Architekturdialoge, die regionalen Abteilungen des Bunds Schweizer Architekten und des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins, das Laboratory Basel, das Volkshaus mit den nie realisierten Plänen für eine Architekturbibliothek – die Liste liesse sich fortsetzen. Das führt einerseits zu willkommener Vielfalt. Andererseits handeln die Akteure oft aneinander vorbei, sagen sowohl Salathé als auch Adam. «Wir wollen die Kräfte bündeln», sagt Salathé, Adam erklärt: «Wir leiden manchmal unter fehlendem Austausch.» Symptomatisch: Roger Diener, SAM-Mitgründer und einer der wichtigen Architekten vor Ort, gibt zum Architekturhaus kein Statement ab. Der Grund: Er habe von der Idee noch nie gehört.

Bleibt die Frage, warum nicht das SAM das Zentrum für die regionale Szene bildet. In den 80er-Jahren war es eine lokale Austauschplattform. Heute hat es einen nationalen Anspruch. Adam betont, dass er wenn immer möglich Verbindungen zur Region herstellt. Nach der Ära von Direktorin Francesca Fergusson, die «weniger auf den Basler Kontext geschaut» habe, achte man darauf sehr, sagt Adam, und zählt Beispiele auf. Trotzdem: «Alle Wünsche können wir nicht erfüllen.» Zum Beispiel den nach Unterstützung für ein Haus der Baukultur.

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