Wenn sich die Dämmerung über Ettingen legt, wird es plötzlich hell. Grelle Lichtkegel flitzen durch die Nacht. In den Quartieren rund ums Schulhaus gehen die Hundehalter kein Risiko mehr ein. Wenn sie mit ihrem Liebling Gassi gehen, halten sie eine Taschenlampe bereit oder tragen gar eine Stirnlampe. Damit sie rechtzeitig sehen, woran der Hund schnüffelt.

Die Ettinger Hundehalter sind in Sorge. Einige von ihnen berichten, im Januar Trockenfutter am Rande des Sportplatzes gesichtet zu haben. «Ich habe mir gleich gedacht: Das gehört nicht hier hin», sagt einer. Eine andere Ettinger Hundebesitzerin will Gschwellti unter einem Gebüsch gesehen haben. Der Verdacht, dass es sich um Giftköder handeln könnte, sorgt für Verunsicherung. Dass in den vergangenen drei Wochen zwei Hunde mit Vergiftungserscheinungen zum Tierarzt mussten, nährt die Angst. Für eine Katze kam jede Hilfe zu spät; sie verendete diese Woche qualvoll.

Der Beweis fehlt
Einer der Hunde ist der Cocker Spaniel Cody, knapp 18 Monate alt. Seiner Besitzerin Christine Handschin ist noch heute der Schreck anzuhören, wenn sie von diesem Tag berichtet, dem 19. Januar. Cody musste am Nachmittag erbrechen und brach danach zusammen. Der Hund habe beim Spaziergang in der Früh etwas gefressen, das sie nicht habe identifizieren können. «Es ging alles so schnell und war dunkel», sagt Handschin. Sie brachte Cody nach dem Kollaps zum Tierarzt, der Hund war dehydriert und brauchte eine Infusion. «Cody hat nur knapp überlebt.» Es sei nicht normal, dass ein junger, gesunder Hund so schnell dehydriere, sagt Handschin. Den Symptomen nach habe Cody etwas mit Rattengift gefressen: «Das entzieht dem Körper sehr schnell Flüssigkeit.» Der Tierarzt konnte ihren Verdacht aber nicht bestätigen. Dafür hätte die Halterin eine Probe des Erbrochenen zur Untersuchung in ein Labor einschicken müssen. «Ich habe leider nichts aufbewahrt. Wenn Ihr Hund im Begriff ist, zu sterben, denken Sie nicht auch noch an so was.»

Rückblickend ärgert es Handschin, dass sie es nicht getan hat. Trotz Anzeige gegen unbekannt und Gesprächen mit der Gemeindepolizei bleibt Unterstützung aus. Gemeindepolizist Jörg Linder bezeichnet die Angst der Hundebesitzer als unbegründete Hysterie.

Diese Reaktion erstaunt einen anderen Hundebesitzer aus dem Quartier, der «wegen allfälliger Repressionen» nicht mit Namen genannt werden möchte, nicht. «Die Gemeinde hat sich noch nie für unsere Interessen eingesetzt. Sie foutiert sich, Massnahmen zu ergreifen, sagt, man solle die Tiere nicht vermenschlichen.»

Anstelle von Linder nimmt Patrick Rüegg, stellvertretender Gemeindeverwalter, Stellung: «Weil bis heute kein Vergiftungsfall nachgewiesen ist und auch kein Giftköder gefunden und sichergestellt wurde, wird die Gemeinde Ettingen keine besonderen Vorkehrungen treffen.» Die Überwachung der Hunde obliege, gestützt auf dem Gesetz, den jeweiligen Haltern.

Ärger wegen des Kots
Die Giftköder-Verdachtsfälle haben sich nicht nur in Ettingen gehäuft. Ähnliches machte in den sozialen Medien für Münchenstein, Aesch und Buckten die Runde. Für Münchenstein publizierte der Tierschutz beider Basel (TBB) selbst eine Warnung. Geschäftsleiterin Béatrice Kirn sagt: «Giftköder-Verdachtsfälle in der Region haben in den vergangenen Jahren zugenommen, entsprechende Meldungen treffen in immer kürzeren Abständen ein.» Und das, obwohl die Zahl der Hunde im Kanton Baselland konstant geblieben ist. Einen der Gründe, warum solche Attacken zunehmen, ortet Kirn im laschen Verhalten der Hundehalter: Immer häufiger komme es vor, dass diese während des Spaziergangs telefonieren oder mit einer Begleitung plaudern. «So sehen sie nicht, wenn sich ihr Vierbeiner versäubert – der Kot bleibt liegen. Dabei muss der Hund immer im Blickfeld sein.» So könne der Kot aufgelesen und entsorgt werden. Ebenfalls würde verhindert, dass das Tier irgendetwas vom Boden frisst. Falls dies doch passiert und ein Verdachtsfall besteht, solle dem Tierarzt eine Probe übergeben werden.

Trotz fehlender Probe hat Handschin gehandelt: Sie klebte vor einer Woche eine Warnung an sechs Robidog-Stationen. Mittlerweile sind allerdings fast alle entfernt worden. Von einem Unbekannten.

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