Sabine Pegoraro (56) muss es geahnt haben. Mit Monica Gschwind (51) erwächst ihr eine ernsthafte, parteiinterne Konkurrentin für ihren Sitz in der Baselbieter Regierung. Bereits am Donnerstag eröffnete die Baudirektorin deshalb ihren persönlichen Wahlkampf und präsentierte sich vor den Medien als tatkräftige Kämpferin gegen den automobilen Verkehrsstau in der Region. Dass dies allerdings mit einer neuen Steuerbelastung verbunden sein könnte, wird nicht nur der eigenen bürgerlichen Klientel schwierig zu verklickern sein. Es bringt sie auch in Argumentationsnot gegenüber ihrer neuen Wettbewerberin: Gschwind, Mitglied der landrätlichen Finanzkommission, gilt nämlich als strikte Gegnerin neuer Steuern.

Der Entscheid zugunsten von Gschwind fiel am Freitagnachmittag im Kreis der drei Parteispitzen Oskar Kämpfer (SVP), Christine Frey (FDP) und Marc Scherrer (CVP). Im Halbstundentakt hatten die Kandidaten vor dem Präsidententrio anzutreten. Sie durften sich kurz vorstellen und wurden ebenso kurz befragt. Nur Rolf Richterich, der FDP-Fraktionschef, liess seinen Termin platzen. Er zog am Vormittag seine ohnehin wenig aussichtsreiche Bewerbung «nach reiflicher Überlegung» und aufgrund seiner «beruflichen und privaten Situation» zurück, wie er am Nachmittag per Medienmitteilung auch der Öffentlichkeit gegenüber kundtat.

Mit einer «gewissen Vorahnung» sei er in die Gespräche gestiegen, sagt Scherrer. «Ergebnisoffen» sei der Prozess gewesen, meint dagegen SVP-Präsident Kämpfer. «Nach bestem Wissen und Gewissen» hätten sie entschieden, sagt Frey. Alle drei hatten sich von ihren Parteileitungen mandatieren lassen, den vierten Kandidaten auf dem bürgerlichen Ticket im Alleingang küren zu dürfen. «Und auch wenn dieser nicht die eigenen Parteifarben trägt», sagt Kämpfer. Dennoch wird Kämpfer der Parteibasis am kommenden Donnerstag zu erklären haben, weshalb in den Hearings nicht die SVP, in Baselland die wählerstärkste Partei, den «wählbarsten» Politiker präsentieren konnte, sondern die um einen Drittel schwächere FDP. Auch wenn ihm der Polit-Blogger Manfred Messmer nun «schwierige Zeiten» prophezeit, macht Kämpfer im Gespräch auf souverän-gelassen. Er gehe «ziemlich entspannt» in die Parteiversammlung, sagt er. Aber auch, es sei ein «schwieriger Entscheid» gewesen, den es nun zu akzeptieren gelte.

Kämpfer wollte am Freitag schnell zu einem Abschluss kommen. Schneller jedenfalls, als Kontrahentin Frey erwartet hatte. Die FDP-Präsidentin hatte nicht ausgeschlossen, dass das Personengezerre noch das ganze Wochenende über anhalten werde. Gschwind war ihre Kandidatin und stand offenkundig auch in der Gunst des CVP-Kaders. Um 19 Uhr erhielt Gschwind den Anruf ihrer Parteipräsidenten mit der Mitteilung, das Trio habe sich auf ihre Person geeinigt. Vierzig Minuten später verschickte Frey im Namen aller drei Parteipräsidenten eine Medieninformation, in der sie die «hohe fachliche und politische Kompetenz» der Kandidatin als ausschlaggebend für den Zuschlag bezeichnete.

Die argumentative Blaupause, weshalb Gschwind die einzig mögliche Kandidatin sei, beschrieb die «Basler Zeitung» bereits Anfang Woche. Wenn ernsthaft ein vierter bürgerlicher Sitz in der fünfköpfigen Baselbieter Regierung angestrebt sei, dann falle eine SVP-Kandidatur flach. Und aus dem Kreis der Freisinnigen mit Regierungs-Ambitionen habe Gschwind bei der SVP am meisten Akzeptanz. Damit hatte sie verhältnismässig leichtes Spiel, da Mike Keller, dem Binninger Gemeindepräsidenten und zweiten ernsthaften FDP-Kandidaten, schon innerparteilich der Rückhalt fehlte. Definitiv nominiert ist Gschwind erst, wenn auch die CVP am 26. August ihre Parteiversammlung abgehalten hat. Schon am kommenden Donnerstag muss sie sich der Parteibasis von FDP und SVP stellen. Da beide Anlässe auf den gleichen Abend gelegt worden sind, wird Gschwind ihre Kür bei der FDP beginnen, die das Wahlgeschäft für den Anfang traktandiert hat, um dann zur SVP zu zügeln, die erst am Ende über die Nominierung debattiert – und dann vielleicht zu ermattet ist, um noch einen Aufstand gegen die FDP-Vorzugsbehandlung ihres Präsidenten anzuzetteln.

Bis die bürgerlichen Parteien dem Vorsatz einer vierten Kandidatur mit einem Namen einlösen konnten, ist gut ein halbes Jahr der Selbstbeschäftigung ins Land gezogen. Doch Monica Gschwind glaubt an ihre Wahlchancen. Sie sagt: «Es ist mir wirklich ernst.» Die Frage ist, auf Kosten von wem? Das bürgerliche Mantra lautet, dass der SP-Sitz so leicht zu holen sei wie schon lange nicht mehr. Und auch der einstige Hoffnungsträger Isaac Reber (Grüne) habe eine enttäuschte Fangemeinde und sei deshalb wankend. Die Nervosität von Sabine Pegoraro zeigt jedoch, dass im offenen Spiel um die Wählergunst auch ein Kollateralschaden in den eigenen bürgerlichen Reihen nicht ausgeschlossen wird. Und Pegoraro weiss, dass nicht wenige ihrer Parteifreunde nichts gegen einen Frauentausch im Regierungsgremium hätten.

Oder es spielt im Landkanton plötzlich die Frauenpower, die nicht nur zwei FDP-Frauen in die Regierung bringt, sondern auch gleich noch die SP-Frau Regula Nebiker. Dann wiederum ist die Bestätigungswahl des Regierungsnovizen Thomas Weber gefährdet. Und dann hat die SVP nicht zwei, nicht einen, sondern vielleicht keinen Regierungssitz mehr.

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